„kaputt“ ist international: Martin Lücke über Zerstörungswut und Sprache

Das Wort „kaputt“ muss einen besonders einprägsamen Klang aufweisen – besonders deutsch und besonders aussagekräftig. Denn es gehört zu der Kategorie Begriffe, die aus dem Deutschen weltweit in viele Sprachen übernommen worden sind.

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Diese Einwanderer unter den Wörtern sagen meist viel darüber aus, wie andere Nationen auf einen Sachverhalt blicken und über die Zuschreibungen dieser Länder hinsichtlich dessen, was sie als typisch deutsch verstehen. Die Bereiche Wissenschaft, Organisation, Arbeit sind Quellen solcher Begriffe, die auf anderen Kontinenten gern Anwendung finden. Jeder weiß, dass e­twa der Begriff „Kindergarten“ auch in den USA genutzt wird. Auch Begriffe wie „Gedankenexperiment“ oder „Weltschmerz“ werden in bestimmten Kreisen international verstanden. Es sind ja auch tolle zusammengesetzte Substantive mit starker Aussagekraft.

Das Adjektiv „kaputt“ wird ebenfalls in vielen Sprachen dieser Welt genutzt. Es ist mir zum Beispiel einmal persönlich passiert, dass auf einer Frankreich-Reise „kaputt“ das einzige deutsche Wort war, dass einer alten Dame einfallen wollte, als ich sie stockend nach dem Weg zum Bahnhof fragte. Sie gab mir Auskunft und wir unterhielten uns noch kurz. Sie lobte meine Versuche, Französisch zu sprechen und sagte dann zwei-, dreimal lächelnd „kaputt“, wohl um mir zu zeigen, dass sie durchaus auch bereit ist, Deutsch zu sprechen.

Es bleibt unklar, welche Faktoren darüber entscheiden, ob ein Wort unserer Sprache auch in anderen Ländern Anklang findet. Das Wörtchen „kaputt“ hat es geschafft, vielleicht auch wegen der Neigung unserer Vorfahren, in anderen Ländern sehr viel kaputt zu machen.

Genauso offen ist derzeit, welche „Kaputtmacher“ hinter den Vorfällen in Pößneck stecken. Ich hoffe, das ändert sich bald.

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