Karnevalsumzug in Neustadt ist abgesagt

Theresa Wahl
| Lesedauer: 3 Minuten
Der Karnevalsumzug in Neustadt ist jedes Jahr ein Besuchermagnet. Im Februar 2020 tummelten sich rund 22.000 Zuschauer am Sonntagnachmittag in Neustadts Straßen. Für das kommende Jahr wurde der Umzug coronabedingt abgesagt.

Der Karnevalsumzug in Neustadt ist jedes Jahr ein Besuchermagnet. Im Februar 2020 tummelten sich rund 22.000 Zuschauer am Sonntagnachmittag in Neustadts Straßen. Für das kommende Jahr wurde der Umzug coronabedingt abgesagt.

Foto: Peter Michaelis

Neustadt.  Die Karnevalsgesellschaft Duhlendorf will kein Risiko eingehen. Man hofft allerdings, andere Veranstaltungen durchführen zu können.

In anderen Thüringer Karnevalshochburgen, etwa in Wasungen und Erfurt, wurden die traditionellen Umzüge coronabedingt für das kommende Jahr bereits abgesagt. Wie mittlerweile feststeht, hat man sich auch in Neustadt zu diesem Schritt entschlossen.

Wie die Karnevalsgesellschaft Duhlendorf, die jährlich den größten Karnevalsumzug in Ostthüringen organisiert, auf Nachfrage mitteilt, habe man sich schweren Herzens entschieden, die für den 14. Februar geplante Veranstaltung nicht durchzuführen. Es ist seit der ersten Auflage des Umzuges 1955 erst die zweite Absage. Erstmals musste dieser 1991 während des Golfkrieges ausfallen.

„Der traditionelle Karnevalsumzug in Duhlendorf ist Kulturgut, ein Stück Heimat und dank vieler Ehrenamtlicher nicht zuletzt eine wichtige gesellschaftliche und soziale Stütze. Er ist mit vielen tausend Besuchern ein Publikumsmagnet mit Gästen aus ganz Deutschland und ein beliebtes Eventziel“, sagt Jan Müller, Vizepräsident der Karnevalsgesellschaft Duhlendorf. Genau in dieser Anziehungskraft liege aber ein unkalkulierbares Risiko. „Wir haben monatelang gemeinsam überlegt, ob wir diesen Umzug so gestalten könnten, dass es nicht zu Ansteckungen kommt. Aber letztlich haben wir keine kalkulierbare Lösung gefunden. Die Gefahr wäre einfach zu groß“, erläutert Jan Müller weiter.

Auflagen für Umzug sind nicht umsetzbar

So sei eine Planung unter den aktuellen Bedingungen ohnehin schwierig. Hinzu komme, dass niemand wisse, wie sich die Lage in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln wird. Selbst wenn durch die Behörden ein Karnevalsumzug in Neustadt genehmigt würde, wäre dieser mit bestimmten Auflagen verbunden – und die seien nicht umsetzbar.

Wie der Vizepräsident erläutert, müsste etwa eine Zutrittsregelung geschaffen werden, die es ermögliche, von allen Besuchern die Kontaktdaten zu ermitteln. „Da die Umzugsstrecke mitten durch die Stadt führt, müssten wir aber auch im Vorfeld die Kontaktdaten von sämtlichen Anwohnern aufnehmen, da die ja den Umzug anschauen könnten. Das ist nicht machbar“, nennt Jan Müller ein Beispiel. Auch müsste man durch die gegebenen Umstände die Besucherzahl minimieren und mehr Personal organisieren, das die Einhaltung der Regeln kontrolliere. „Uns war wichtig, dass der Charakter des Umzuges nicht leidet. Unter den derzeit geltenden Corona-Bedingungen wäre das aber nicht möglich“, sagt Jan Müller.

Mit der frühzeitigen Absage hätten schon jetzt alle Beteiligte Planungssicherheit. „Wir wollten einfach vermeiden, dass die Teilnehmer Zeit, Geld und viel Mühe in die Gestaltung der Wagen und Kostüme investieren und am Ende kann der Umzug gar nicht stattfinden“, unterstreicht der Vizepräsident der Narren. Außerdem gehe die Sicherheit aller vor. „Das wichtigste Anliegen ist, dass die Teilnehmer, Besucher, Künstler, Gewerbetreibenden und Vereine gesund bleiben und der Umzug keine Ansteckungsquelle darstellt“, betont er. Alle Verantwortlichen würden die Entscheidung sehr bedauern, aber eine Absage für das Jahr 2021 letztlich für die einzige verantwortungsvolle Möglichkeit halten.

67. Session wird vorbereitet

Doch auch wenn es im kommenden Jahr keinen Umzug in Neustadt geben wird, plane die Karnevalsgesellschaft derzeit Veranstaltungen. „Wir bereiten die 67. Session grundsätzlich vor“, so Jan Müller. So beabsichtige man etwa eine Karnevalseröffnung durchzuführen. „Ob diese am 11.11. oder zu einem anderen Zeitpunkt stattfinden wird, können wir noch nicht genau sagen“, sagt der Vizepräsident. Dazu befinde man sich derzeit noch in Abstimmung mit dem Landratsamt Saale-Orla, das letztlich darüber entscheide, ob überhaupt Veranstaltungen genehmigt werden. Meine Meinung