Kommentar: Kitt, der uns zusammenhält

Marcus Cislak über den neuen Lockdown und die Kultur im Orlatal.

Marcus Cislak.

Marcus Cislak.

Foto: Andreas Wetzel

Mit dem Zitat „Wir haben schon Schlimmeres erlebt“ begann die Woche. Eine Woche mitten in der zweiten Corona-Welle. Eine Woche des Schicksals. Auf die keiner gewartet hat, auf die keiner gehofft hat. Aber die ständig ansteigenden Infektionszahlen haben kaum einen anderen Schluss zugelassen. Der Lockdown ist wieder da. Und mit den Erfahrungen des ersten im Rücken, mehren sich die Stimmen, ob bestimmte drastische Maßnahmen notwendig sind.

Zunächst heißt es Aufatmen für viele Eltern. Kitas und Schulen bleiben offen, so dass das Home-Office-Arbeiten deutlich einfacher wird. Die Betreuung unserer Jüngsten dürfen dankbarerweise die Pädagogen übernehmen. Das ist erfreulich und verteilt die Last von Familie und Beruf auf viele Schultern.

Doch die Sorgen und Nöte derjenigen, die in ihrer Existenz bedroht sind – zum Beispiel Selbstständige im Hotel-, Gastro- und Kulturgewerbe – , werden nicht geringer.

Dass die monatelang durchgehaltenen und ziemlich strengen Auflagen für Opernhäuser, Kinobetreiber und Theaterverantwortliche nun kaum mehr ausreichen, ist verwunderlich. Sie müssen nun wieder komplett ihre Pforten schließen. Gut gelüftete Räume, freie Tische und Sitzreihen, um Abstände zu garantieren, und das Hinterlegen von Daten (nicht zu vergessen Hygieneregeln und der Mund-Nase-Schutz) sollen nicht ausreichen, um eine Ausbreitung des Virus an solchen Orte zu verhindern?

Es lassen sich Dutzende Beispiele finden, bei denen Familienfeiern und Partys nachweisbare Ausbreitungsherde waren. Mir ist nicht bekannt, dass ein Theater-, Opern- oder Museumsbesuch zu einer größeren Ausdehnung geführt haben könnte. Ich gehe soweit zu behaupten, dass die Gäste solcher Kulturstätten ziemlich vorsichtig sind.

Die Kulturbranche hat einfach zu wenig wirtschaftliches Gewicht, ist scheinbar ein verschmerzbarer Kollateralschaden. Schade, denn Kultur ist der Kitt, der unsere Gemeinschaft zusammenhält. Ich hoffe, es ist am Ende des Lockdowns noch genug für uns alle da.