Überall Lilien und Glockenblumen: Kunstwerke im Knauer Schloss entdeckt

Knau  Restauratorische Untersuchungen legen im Knauer Schloss Farbfassungen und Ornamente von 1608 frei.

Denkmalschützerin Sabine Berner, Förderkreis-Mitglied Peter Künzel und Restaurator Veit Gröschner (von links) tauschen sich über erneuerte Stellen an der Decke im Renaissancesaal des Knauer Schlosses aus, links die Malereien von 1608 in Nahaufnahme.

Denkmalschützerin Sabine Berner, Förderkreis-Mitglied Peter Künzel und Restaurator Veit Gröschner (von links) tauschen sich über erneuerte Stellen an der Decke im Renaissancesaal des Knauer Schlosses aus, links die Malereien von 1608 in Nahaufnahme.

Foto: Stephan Umbach

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Das Schlossensemble in Knau ist immer wieder für eine Überraschung gut. Das konnten Mitglieder des Förderkreises Rittergut Knau dieser Tage erneut erleben, als das Ingenieurbüro für Denkmalpflege aus Rudolstadt für einen kleinen Kreis Interessierter die Ergebnisse neuester Malerei- und Farbanalysen erläuterte. Der Förderkreis hatte im vergangenen Jahr Mittel der Denkmalpflege für diese Untersuchungen beantragen können mit dem Ziel, in den repräsentativen Räumen des Schlosses Muster­achsen an den Decken und Wänden anzulegen.

Führungen am Denkmaltag

Im Ergebnis aufwendiger Arbeiten konnten Malereien und Formen, die unter mehreren Farb- und Staubschichten verborgen waren, zum Vorschein gebracht werden, führte der geschäftsführende Restaurator des beauftragten Büros, Veit Gröschner, aus. Beeindruckend war, dass im großen Festsaal des Alten Schlosses, aber auch im Treppenturm sogar die Erstfassung der Bemalung wiederentdeckt werden konnte, die vor über 400 Jahren, genauer gesagt 1608, entstanden war. Auch in der Farbigkeit mit grauen, roten und gelben Farbtönen lebt so die Zeit der Renaissance wieder auf, deren Vorbild die Natur war.

Im Mittelpunkt der Motivwahl waren in Knau vor allem florale Motive. So sind die Lilie und die Glockenblume wiederkehrende Elemente am Roll- und Beschlagwerk im Treppenturm und an der Schiffskehlenbalken­decke im Festsaal. Ziel war wohl eine einheitliche Gestaltung im Schlossinneren. Im unteren Festsaal war es schwierig, die Farbigkeit anhand der vorhandenen Fragmente zu entschlüsseln und zu rekonstruieren, obwohl die Konturen und Umrisse der Ornamentik an den Holz­balken deutlich zu erkennen waren. Veit Gröschner zog nach der Freilegung den Vergleich zum Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden und zum Haus zum Güldenen Rade in Erfurt – dem Sitz des ZDF-Landes­studios –, die eine ähnliche Decken- beziehungsweise Farbgestaltung vorweisen.

Das Alte Schloss in Knau beeindruckt durch die helle Deckengestaltung und in seiner Ornamentik vor allem durch aufgesetzte nachempfundene „Edelsteine“ in Rot und Blau, die wiederum durch florale Motive umrahmt werden. Welch toller Anblick muss das einst für die Besucher gewesen sein, als hier im 17. und 18. Jahrhundert groß gefeiert wurde und die Familie von Brandenstein beispielsweise zur großen Jagd einlud!

Die Mitglieder des Förder­kreises freuen sich über die überraschenden Ergebnisse, die sie am 8. September zum Denkmaltag in Knau der Öffentlichkeit präsentieren wollen. So werden an dem Sonntag Führungen um 10.30, 13 und 15 Uhr angeboten.

In seinem 20. Jahr kann der Förderkreis auf ein besonderes Engagement zurückblicken. Neben der Aufarbeitung der Geschichte des Denkmalensembles und der Bauforschung organisierte der Förderkreis über die Jahre vielfältige Veranstaltungen mit wechselnden Themen und Inhalten. Ein besonderes Anliegen war stets, Kinder und Jugendliche zu begeistern, beispielsweise in der Zusammenarbeit mit der Grundschule und der Jugendherberge. Das Jubiläum des Vereines wird am Denkmaltag ebenfalls ein zentrales Thema in Knau sein.

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