Lange und mitunter kontroverse Diskussion bei „Pößnecker Perspektiven“

Pößneck  Zum Endspurt des Kommunalwahlkampfes fand in Pößneck eine Diskussionsrunde mit dem Motto „Pößnecker Perspektiven“ statt. Vertreter der neun Stadtratslisten waren geladen.

Im Podium saßen von links Steve Richter (Grüne), Constanze Truschzinski (SIP), Thomas Weidermann (FDP/Freie Wähler), Marc Roßner (SPD), Christian Böhnke (CDU), Wolfgang Kleindienst (Birso), Manfred Bentz (AfD), Moderator und Hausherr Ronny Rachlok, Charlotte Förster (Linke) und Marco Krühner (Feuerwehr).

Im Podium saßen von links Steve Richter (Grüne), Constanze Truschzinski (SIP), Thomas Weidermann (FDP/Freie Wähler), Marc Roßner (SPD), Christian Böhnke (CDU), Wolfgang Kleindienst (Birso), Manfred Bentz (AfD), Moderator und Hausherr Ronny Rachlok, Charlotte Förster (Linke) und Marco Krühner (Feuerwehr).

Foto: Marius Koity

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Zum Endspurt des Kommunalwahlkampfes in Pößneck lud Ronny Rachlok am Freitagabend Vertreter der neun Stadtratslisten in seinen Fitness World Club zu einer Diskussionsrunde mit dem Motto „Pößnecker Perspektiven“ ein. Zweieinviertel Stunden lang wurde zu diesem Thema erzählt und gefragt, und die allermeisten der etwa 25 Interessierten aus Pößneck und Umgebung hielten es bis zuletzt aus.

Die Sitzordnung war zufällig und so durfte als Erster, von links aus der Perspektive des Saales, Steve Richter (Bündnis 90/Die Grünen) das Programm seiner Partei umreißen. „Radwege“ und „weltoffene Gesellschaft“ waren zwei seiner Stichpunkte. „Wir sind auf Einwanderung angewiesen“, sagte er.

Constanze Truschzinski (Soziale Initiative Pößneck) würde sich in der neuen Legislatur für die Entwicklung von Konzepten zur Belebung der Innenstadt einsetzen. Als Mitglied des Stadtrates müsse man sich aber auch um „scheinbar banale Dinge“ wie öffentliche Toiletten kümmern, derer es wohl zu wenige gibt.

Bevor man investieren könne, müsse man schauen, woher das Geld kommen soll, und deshalb brauche Pößneck neue Arbeitsplätze, führte Thomas Weidermann (FDP/Freie Wähler) aus. Seine Wählergemeinschaft werde sich dafür einsetzen, dass die Stadt attraktiv für Gewerbetreibende und Unternehmen bleibe.

Für Marc Roßner (SPD) bleibt das Schützenhaus ein Schwerpunkt, beginnend bei besseren Konditionen für den Abiball bis zur Einrichtung eines Kinos. Er warb dafür, der städtischen Verwaltung zu vertrauen, auch dieser sei die positive Entwicklung der Stadt zu verdanken.

Christian Böhnke, der in der Runde die CDU vertrat, nannte Vereine und Bildung als Schwerpunkte, außerdem „Sicherheit in der Stadt“ und Schlettwein. Er komme berufsbedingt viel herum im Saale-Orla-Kreis, rede mit sehr vielen Leuten, und vor diesem Hintergrund versicherte er den Pößneckern: „Wir sind ein Leuchtturm im SOK.“

„Wir werden weiterhin die Rolle des Korrektivs im Stadtrat einnehmen“, kündigte Wolfgang Kleindienst für die Bürgerinitiative für Recht und Sicherheit Orla an. Nach dem Ende der Straßenausbaubeiträge werden wohl die kommunalen Steuern sein nächstes großes Thema sein und in diesem Sinne fragte er sich: „Warum sollten wir die Grund- und Gewerbesteuern nicht auch mal senken?“

Manfred Bentz von der AfD versprach, dass sich seine Partei „jedem vernünftigen Argument anschließen“ werde. Er könne sich vorstellen, mit allen Fraktionen zusammenzuarbeiten, wohl abgesehen von den Grünen. Weil Steve Richter der einzige Mitbewerber gewesen sei, der ihm am Freitagabend nicht die Hand gereicht habe.

„Wir wollen für die Menschen in der Stadt arbeiten“, erklärte Charlotte Förster für die Linke. Ein „friedliches Miteinander“ und eine „saubere Stadt“ waren zwei ihrer Stichpunkte. Und „Belebung des Stadtzentrums - ja, aber wie?“, fragte sie. „Wir können ja nicht jeden Tag Markttag machen.“ Für die Saalfelder Straße/B281 im Ortsteil Öpitz stellte sie eine Brücke als Verbindung zwischen den beiden Seiten der Straße vor, denn es sei lebensgefährlich, wenn man über die Bundesstraße zum Nachbarn wolle.

„Arbeitsplätze schaffen“ und „das Geschaffene erhalten“, rief Marco Krühner für die Wählergemeinschaft Freiwillige Feuerwehr aus. So habe der Wasserspielplatz im Lutschgenpark schon bessere Zeiten gehabt. Vernünftige Bushaltestellen und mehr Aufmerksamkeit für Schlettwein und Schweinitz waren weitere seiner Stichpunkte.

Kleindienst hatte auch das Thema Gebietsreform beziehungsweise die gescheiterte freiwillige Fusion von Ranis mit Pößneck angeschnitten und spekuliert, dass die CDU wohl schon an einer großen landespolitischen Koalition mit der Linken arbeite. So bat Moderator Ronny Rachlok den im Publikum sitzenden CDU-Landtagsabgeordneten Christian Herrgott um eine Stellungnahme. „Wir sind gegen Zwangsfusionen“, erklärte Herrgott. Und: „Die Pößnecker müssen nicht für Versäumnisse in Ranis aufkommen.“ Später stellte Weidermann fest, dass Pößneck kein Interesse an Zwangsfusionen habe. Roßner meinte indes: „Ich glaube nicht, dass es Pößneck langfristig gut gehen kann, wenn Ranis pleite ist.“ Truschzinski erneuerte ihre Forderung nach einem Stadtrats-Ausschuss mit der Aufgabe, alle Fragen einer Gemeindegebietsreform zu untersuchen.

Richter verteidigte seine Haltung gegenüber Bentz. „Für mich und, wie ich meine, für die Mehrheit der Bevölkerung ist die AfD eine rechtsextremistische Partei. Sie ist extrem gefährlich für das Zusammenleben in Deutschland.“ Wolfgang Vogelsang aus dem Publikum hielt Richter später „Intoleranz“ und eine „Ausgrenzung“ der AfD vor. „Nein, Abgrenzung“, reagierte Richter. „Manfred, wie stehst du zum Sportfreund Höcke?“, wollte Rachlok von Bentz wissen. „Wir wollen hier keine Partei- und Landespolitik betreiben“, antwortete der AfD-Spitzenkandidat ausweichend. Um dann Richter vorzuhalten, die AfD-Mitglieder „in Sippenhaft“ zu nehmen. Gegenoffensiv erklärte Bentz, dass 27 Prozent aller Straftaten in Pößneck „von Ausländern“ begangen würden.

„Ich weiß nicht, auf welcher Grundlage diese Zahl steht“, entgegnete Roßner. Er fand es auch schade, dass über die Nationalität von Straftätern gesprochen werde und nicht etwa über Ursachen, Prävention und Aufklärung. „Wir hatten bisher ein konstruktives Klima im Stadtrat, auch wenn wir nicht alle derselben Meinung waren“, richtete Roßner an Bentz. Krühner erinnerte an eine offizielle Erklärung von Polizeioberrat Thomas Lenk, Leiter der Polizeiinspektion Saale-Orla, im Pößnecker Stadtrat, die da hieß: „Pößneck ist eine sichere Stadt.“ Dazu warf Vogelsang ein: „Ich habe von Sicherheit ein vollkommen anderes Bild.“

Innerhalb dieser Sicherheitsdebatte verpflichtete sich Bentz: „Ich werde im Stadtrat nicht die Ideen von Höcke breittreten.“ Das geht gar nicht, legte Richter nach, denn im Stadtrat sitzen ja keine Privatpersonen, sondern Vertreter bestimmter politischen Orientierungen. Deswegen gebe es ja auch verschiedene Listen. „Zu verurteilen ist sowohl Links- als auch Rechtsextremismus“, sagte Weidermann. Und mit den Worten „letztendlich entscheiden die Wähler“ versuchte er, das Gespräch wieder auf „Pößnecker Perspektiven“ zu lenken.

Das nahm Steffen Palm aus dem Publikum dankend auf und fragte die Kandidaten, wie denn die Stadt künftig das Ehrenamt unterstützen wolle. „Der Stadtrat wird sicher so viel Geld wie möglich zur Verfügung stellen“, reagierte Kleindienst am schnellsten. Palm hakte mit der Bitte nach, dass die Stadt doch schauen möge, dass Gewerbetreibende mehr an die einheimischen Vereine denken möchten. Von GGP Media beispielsweise dürfe man schon mehr erwarten, hieß es in der Runde. Richter stellte dar, dass der vorhandene Vereinsförderrahmen mangels ausreichender Anträge nicht immer ausgeschöpft worden sei.

Wolfgang Zorn aus dem Publikum ermutigte die Kandidaten, für Ordnung und Sauberkeit in der Stadt einzutreten. Urheber von Vandalismus und Vermüllung seien oft frustrierte Jugendliche, und wenn man diesen einen Aufenthaltsraum ohne bildungspolitischen Hintergrund zur Verfügung stellen würde, dann würde es weniger Probleme geben, sagte Richter. „Ich weiß nicht, wie ein solcher Raum nach einem halben Jahr aussehen wird“, hielt Böhnke dagegen. Gegen Müll auf den Straßen helfen mehr Mülleimer, sagte Truschzinski. „Was Ordnung und Sauberkeit angeht, ist die Geduld der Pößnecker am Ende“, sagte Kleindienst und forderte die Videoüberwachung etwa des Altstadtplatzes.

Eine weiteres Thema lautete „Bowlingbahn“: „Früher hatten wir zwei in der Stadt, jetzt gar keine“, sagte Förster und sprach sich für eine entsprechende Freizeitanlage im zu sanierenden Malzhaus aus.

Der im Publikum sitzende AfD-Stadtratskandidat Matthias Rham sprach das Thema Krankenhaus an und Weidermann erklärte, dass die Pößnecker Kommunalpolitik da „Null Einfluss“ habe. Weidermann definierte als Aufgabe für den neuen Kreistag, Wege zu finden, wie der Saale-Orla-Kreis in die Aufsichtsräte der Muttergesellschaften der Krankenhäuser in Pößneck und in Schleiz kommen kann.

Hausherr und Moderator Ronny Rachlok war der Schlusssatz vorbehalten und dieses lautete: „Geht wählen!“

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