Langenorla: Von den Dachrinnen zu Zinnpfeifen

Langenorla.  Die Fincke-Orgel in der Dorfkirche St. Blasius soll 2021 restauriert werden.

Gemeindekirchenrat Karl-Heinz Dietrich (rechts) und dessen Stellvertreter Martin Munzert vor der zu restaurierenden Finke-Orgel.

Gemeindekirchenrat Karl-Heinz Dietrich (rechts) und dessen Stellvertreter Martin Munzert vor der zu restaurierenden Finke-Orgel.

Foto: Marcus Cislak

Es ist immer was zu tun, könnte das Motto der vielen Freiwilligen rund um die Dorfkirche St. Blasius in Langenorla lauten. In diesem Jahr engagierten sich die Mitglieder der Kirchgemeinde mit den Verschönerungen rund um die elf Fenster des Gotteshauses. Die Raniser Bauglaserei Meiner arbeitete die mundgeblasenen Scheiben und deren Einfassungen auf.

Welches deutlich günstiger gewesen sei, als neue, wie Gemeindekirchenrat Karl-Heinz Dietrich sagt. „Wir haben etwa 5000 Euro investiert.“ Die Gerüste für diese Arbeiten, welche noch an der Nordseite stehen, werden in diesen Tagen wieder abgebaut.

Pfarrer Christoph Fuß zeigt sich dankbar für den Einsatz der rührigen Langenorlaer, die sich für „ihre“ Kirche einsetzen: Die Friedhofsmauer mühsam wieder neu aufgebaut, verfugt und gerichtet. „Rundherum sieht es echt gut aus“, sagt der Gemeindekirchenrat. 2018 wurde die Beleuchtung im Innenraum erneuert und im kommenden Jahr die Orgel angegangen.

Das Tasten- und Blasinstrument wurde 1716, wie es Archivmaterial belegt, vom Orgelbauer Johann Georg Fincke gefertigt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde mehrmals Hand angelegt, so wurden „kurz vor Ende des Ersten Weltkriegs die Prospektpfeifen aus Zinn abgeliefert“, wie der Kirchenälteste weiß. Ersetzt wurden diese 1926 mit Pfeifen aus Zink, liebevoll auch Dachrinnen genannt.

In Vorbereitung auf die Orgel-Sanierung im kommenden Jahr, hat die Kirchgemeinde Patenschaften für diese Röhren verkauft. „Innerhalb von sechs Tagen waren sie weg“, ist Karl-Heinz Dietrich noch immer von dem Zuspruch erstaunt. Zwischen 50 und 300 Euro kosteten diese. So habe man schon 6500 Euro sammeln können. Private Förderer aus Langenorla kämen nicht nur aus der Kirchengemeinde, sondern von außerhalb. „Tatsächlich waren es mehr Nicht-Mitglieder als Mitglieder“, wie Dietrich anerkennend feststellt. Das zeige ihm die enge Verbundenheit der Langenorlaer zum Gotteshaus.

Mit der Aufarbeitung soll bestmöglich der Originalzustand der Fincke-Orgel hergestellt werden, also wieder mit zwei neuen Registern. Alles aus Zinn. Eine farbliche Restauration um den Spieltisch sei auch angedacht. Den Auftrag werde man an das traditionsreiche Orgelbauunternehmen Hoffmann und Schindler aus dem hessischen Ostheim erteilen, welches auch schon hervorragende Arbeit in Oppurg ablieferte, wie der Kirchenälteste sagt.

Der Finanzierungsplan sei bereits abgesegnet, ein Teil der Kosten in trockenen Tüchern. Die politische Gemeinde gibt 3000 Euro dazu, aus Eigenmitteln und Spenden kommen etwa 20.000 Euro. Jeweils etwa ein Drittel der insgesamt 85.000 Euro teuren Sanierung des Instruments werden wohl durch den Baulastfonds des Kirchenkreises Schleiz und der Landeskirche finanziert.

Im Jahr 2000 wurde letztmals Hand an die Orgel angelegt, nachdem diese zuvor 15 Jahre nicht bespielbar war. Durch ehrenamtliche Helfer aus der Gemeinde und der Unterstützung eines Fachmannes aus Berga/Elster konnte damals eine Instandsetzung realisiert werden. „Das war ein Geselle eines Orgelbauers im Ruhestand, den wir immer aus Berga abholen mussten und auch wieder hinbringen, damit er uns helfen konnte. Die Orgelpfeifen haben wir auf der Wiese vor der Kirche gereinigt“, erinnert sich Karl-Heinz Dietrich.

Durch die große Eigeninitiative und das gemeinsame Anpacken konnte die Orgel jedoch wieder zum Erklingen gebracht werden, die Lieder im Gottesdienst mussten nicht wie all die Jahre zuvor durch den Pfarrer auf dem Keyboard gespielt werden.

Doch die vergangenen 18 Jahre gingen nicht spurlos an der Orgel vorbei. Um zu verhindern, dass die

Orgel erneut unbespielbar wird, ließen Karl-Heinz Dietrich und Pfarrer Christoph Fuss ein Gutachten von Orgelbauer Dirk Schönefeld aus Stadtilm erstellen. Dieses ergab, dass die Orgel zurzeit zwar noch bespielbar sei, aber aufgrund eines leichten Schimmelbefalles an den Trakturteilen im Orgelgehäuse sowie anderen Teilen eine Reinigung beziehungsweise Restaurierung angestrebt werden sollte.

Auch das Pfeifenwerk der Orgel habe schon bessere Tage gesehen. Alle Holz- und Metallpfeifen müssten gereinigt, auf Schäden überprüft und überarbeitet werden. Zudem sind die Pfeifen nicht alle an dem Ort, wo sie der Orgelbauer vorgesehen hat.

Eine Rückführung in den originalen Zustand würde deshalb nicht nur eine Dispositionsänderung, sondern auch eine Änderung der Tonhöhe beziehungsweise der Stimmungsart bedeuten. Ebenso seien Verschleißerscheinungen an der Windlade sichtbar.