Leader-Delegation im Saale-Orla-Kreis unterwegs

Lausnitz  Eine 50-köpfige Delegation aus Österreich, Luxemburg und Deutschland sieht sich im Saale-Orla-Kreis um

Alexe von Wurmb (gelbe Jacke) , Gutsbesitzerin in Lausnitz, präsentiert ihr Anwesen. Sie lässt eine Stallung ausbauen, die Übernachtungsplätze für Touristen bieten soll. Sie erhält finanzielle Unterstützung aus dem europäischen Leader-Projekt.

Alexe von Wurmb (gelbe Jacke) , Gutsbesitzerin in Lausnitz, präsentiert ihr Anwesen. Sie lässt eine Stallung ausbauen, die Übernachtungsplätze für Touristen bieten soll. Sie erhält finanzielle Unterstützung aus dem europäischen Leader-Projekt.

Foto: Marcus Cislak

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„Man merkt, dass sich die Themen in den ländlichen Regionen ähneln: Mosterei, ­Ferienhöfe, Landgaststätten und auch Kirchen“, stellt Katrin Kubasch aus der sächsischen Lausitz einen Vergleich an. Sie ist eine von etwa 50 anderen, die aus der ganzen Bundesrepublik, Österreich und Luxemburg kommen, und im Saale-Orla-Kreis unterwegs sind, um sich von hiesigen Förderprojekten inspirieren zu lassen. Es geht auch um länderübergreifende Vernetzungen und Tourismus.

In Lausnitz zum Beispiel sind drei Ideen mit dem Förderprogramm für ländliche Regionen in der Europäischen Union (Leader) co-finanziert worden. Die Apfelmosterei auf dem Gutshof von Alexe von Wurmb wurde bereits 2018 gefördert. Aktuell wird ebenda ein behindertengerechtes Zimmer in dem entstehenden Feriendomizil unterstützt und auch das frisch abgeschlossene Fahrradkirchen-Projekt (OTZ berichtete).

Im März plane die Lausitzer Kirchgemeinde die Eröffnung derselben mit einem Gottesdienst. Eine Rehraufe, Fahrradständer, Fliegengitter und eine Chronik im Inneren sollen künftig den Orlatal-Radweg entlangkommende Radfahrer in das Gotteshaus locken. Eigentlich könnte man die Kirche schon als solche öffnen, doch „erfahrungsgemäß fahren in den kalten Monaten weniger Menschen Rad“, erklärt Gemeindemitglied Reinhild von Wahl die pragmatische Entscheidung.

Insgesamt zwölf Ideen von Vereinen, Gruppen oder Einzelpersonen haben in diesem Jahr eine bis zu 75 prozentige EU-Förderung erhalten. „Mit unserem neuen Motto ,Bürger in ­Aktion‘ riefen wir dazu auf, Kleinprojekte einzureichen“, sagt Sören Kube, Leader-Verantwortlicher für den Saale-Orla-Kreis. Man sei überwältigt ­gewesen, dass 41 Anträge eingingen. Es sei ihnen schwer gefallen, daraus auszuwählen. Zum Teil habe man den Interessierten alternative Förder­programme ans Herz gelegt, so Kube.

Die Leader-Managerin Katrin Kubisch aus Sachsen stellte fest, dass man sich im Saale-Orla-Kreis deutlich intensiver um die zu fördernden Maßnahmen kümmern würde. „Bei uns läuft das so durch. 18 haben wir in der Oberlausitzer Heide und Teichlandschaft gehabt“, ist sie sichtlich beeindruckt.

Stefan Niedermoser aus Tirol lobt auch die aktiven Menschen in der Region. Man sei stolz auf seine Heimat und würde hier viel bewegen. „Man hört kein Gejammer, trotz offensichtlicher Probleme, wie Überalterung und Abwanderung“, sagt er. Und die sehr gut besuchte Urlaubsregion Tirol habe viele Gäste aus Thüringen, „jetzt sehe ich mal, wie sie hier leben“, zeigt er sich erfreut über die Landschaft. Er wundere sich jedoch darüber, wie oft über Ost und West geredet wird. „Allerdings ist das eher wertungsfrei ab­gelaufen“, wie er sagt.

Auch Isabell Friess, Mitarbeiterin bei der deutschen Vernetzungsstelle ländlicher Raum (DVLR) spricht von einer Grenzregion und meint nicht die nähe zum tschechische Nachbarland, sondern zu Bayern. „Wir haben eine föderale Struktur, jedes Bundesland verteilt die Leader-Gelder anders“, erklärt sie. Während Thüringen kleinteiligere Projekte fördert, sei in Bayern das Gegenteil der Fall. Man wolle, weil auch der Landkreis Kronach auf der Rundreise der Leader-Delegation besucht wird, die Regionen weiter miteinander vernetzen. Eben Ideen und Anregungen austauschen, Hilfen bieten. Das Streuobst-Netzwerk sei so ein Beispiel, wie die Kooperation zwischen dem Saale-Holzland und Saale-Orla-Kreis zeigen würde, so Friess.

Überblick über die Stationen im Saale-Orla-Kreis, die die Leader-Gruppe besuchte

Unter dem Motto „Kleine Projekte mit großer Wirkung – eine Rundreise durch die Region Saale-Orla“ ist eine etwa 50-köpfige Delegation von Leader-Projektverantwortlichen aus Österreich, Luxemburg und Deutschland gestern im Saale-Orla-Kreis unterwegs gewesen. Heute sind sie im bayrischen Landkreis Kronach. Die gestrigen Stationen, die mit europäischen Fördermittel unterstützt wurden, ­waren folgende:

Museum Rennsteig und Mee(h)r in Blankenstein ­mit Führung

Vorstellung des Mobilen Seniorenbüros in Blankenstein.

Fahrt mit der Wisentatalbahn von Mühltroff nach Schleiz. Informationen zur Projektgeschichte, Förderung und Entwicklung der Passagierzahlen

Kultur- und Heimatstiftung Dreba: Zahlreiche Aktivitäten wie der stiftungseigene Bus, Geschichte der Stiftung und Veranstaltungen/Pläne

Gaststätte Landgasthof Zur Linde in Debra: regionales Mittagessen, Fisch und Wildwochen, Ferienzimmer

Gutshof Lausnitz: Streuobstnetzwerk, Mosterei, Vorstellung des Guts und Baustelle des Feriendomizils

Fahrradkirche Lausnitz: Informationen rund um die baldige Inbetriebnahme, Vortrag zu Kleinprojekten der SOK-Leader-Gruppe

Ziegenhof Neumannshof: Käseverkostung, Förderung Ferienwohnungen

DK Glasmanufaktur der Gebrüder Eilers in Wurzbach: Vorstellung des Gesamtprojekts mit Rundgang durch Ferienzimmer, Glasproduktion in der Werkstatt

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