Letzter Auflauf auf der Heinrichsruhe

Neustadt  Gastwirt Mike Hempel feiert mit seinen Gästen das Abcampen. Zu Besuch beim Saisonabschluss im Neustädter Mekka der Autocamper.

Dicht an dicht auf Schotter: Gemütlich sieht zumindest der Stellplatz

Dicht an dicht auf Schotter: Gemütlich sieht zumindest der Stellplatz

Foto: Markus Mayr

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Der Stellplatz vor dem Gasthaus Heinrichsruhe ist für 40 Wohnmobile ausgelegt. Am vergangenen Wochenende stieß er an seine Grenzen, Kennzeichen von Ostholstein bis Garmisch-Partenkirchen waren zu sehen. Gastwirt Mike Hempel hatte zum Saisonabschluss geladen. Und so trudelten am Freitag allmählich viele bekannte, aber auch neue Gesichter auf dem Kiesparkplatz ein, der einen weiten Blick über Neustadt hinweg ins Orlatal erlaubt und sich seit 2006 zu einem Mekka der Autocamper gemausert hat.

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass bei diesem Abcampen Ende Oktober mit allem zu rechnen ist: 2012 hatte Frau Holle über Nacht eine dicke Schneedecke ausgebreitet. In diesem Jahr geht es wegen der vielen Gäste recht eng zu. Doch die Wohnmobilisten lieben diese Gemütlichkeit und kommen gut miteinander aus.

Von der Aussicht und der Ruhe schwärmen die Camper, vom guten Essen und von der Geselligkeit. Viele kennen sich seit Jahren. Zahlen müssen sie bei Hempel nur für Strom und Wasser, das Hinstellen ist gratis. Ein Bekannter hat Heinz-Radan aus Luckau im Spreewald die Heinrichsruhe vor fünf Jahren empfohlen. Längst ist der Platz kein Geheimtipp mehr. „Der Wirt ist ein Phänomen“, sagt Radan und lobt das Essen. Am Freitag servierte Hempel Bratwurst und Schnäpschen aus eigener Herstellung, am Samstag bereitete er ein Grillbuffet mit Kasselerbraten und Zwiebelfleisch.

Radan mag es, Reisegeschichten mit den anderen Besuchern auszutauschen. Dieses Jahr kann der 67-Jährige von einer Fahrt an den italienischen Gardasee und ins österreichische Mayrhofen erzählen – im Vergleich zur Reise des Pößnecker Ehepaars Heintz eine Sonntagsfahrt, aber darum geht es nicht. Jede Tour hat ihren Reiz.

Rita und Wolfgang Heintz haben sich dieses Jahr einen Traum erfüllt und sind 140 Tage lang in 28 europäischen Ländern unterwegs gewesen, 20 000 Kilometer gefahren und haben fünfzig Mal eine Grenze überquert. Katalysator der Reise war der Arzt der Rentner, der ihrer Gesundheit die große Fahrt zutraute. Am Freitagabend zeigte das Ehepaar den staunenden Gästen Fotos von ihrem Trip.

Am Samstag entführte Hempel seine Gäste auf eine Busrundfahrt durchs thüringer Land, zur Hohenwarte-Staumauer und an die Bergkirche in Schleiz. „Ich will meinen Gästen zeigen, welche Orte sie in der Region selbst noch anfahren können“, sagt Hempel.

Die Hälfte seines Umsatzes, schätzt Hempel, macht er mit den Wohnmobilisten, die von Frühjahr bis Herbst in seinem Gasthaus essen. Den Heintzes ist er dafür dankbar. Wolfgang Heintz hat ihn 2006 dazu überredet, den Stellplatz zu eröffnen und das mit den Volksmusikkonzerte sein zu lassen. Vergangenes Jahr hat Hempel nach eigenen Angaben 1600 neue Gäste auf der Heinrichsruhe begrüßt, zusätzlich zu seinen rund 500 Stammgästen. „Ich mache Neustadt bekannt“, sagte Hempel. „Das ist meine Berufung.“ Er hatte schon Gäste aus Irland, Frankreich, Dänemark und Schweden. „Und aus den Niederlanden, Österreich und der Schweiz sowieso.“

Wer den schmalen Weg zu Hempels abgelegenem Gasthaus hinauffährt und die Camper-Szene nicht kennt, der staunt, was dem Wirt hier gelungen ist – und was ein bisschen Ruhe und Gemütlichkeit, verbunden mit gutem Essen, ausmachen.

Vom Trip der Heintzes berichtete die OTZ am 8.9.17, online unter: bit.ly/2gUERdh

Vom Trip der Heintzes berichtete die OTZ am 8.9.17, online unter: bit.ly/2gUERdh

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