Lösung für Bergschlösschen in Schlettwein in Sicht

Pößneck-Schlettwein.  Carnevalsclub Schlettwein will mit Hilfe der Stadt Pößneck ein Haus der Vereine etablieren.

Ingo Böhme gibt das Schlettweiner Bergschlösschen, sein Lebenswerk, schweren Herzens ab.

Ingo Böhme gibt das Schlettweiner Bergschlösschen, sein Lebenswerk, schweren Herzens ab.

Foto: Conni Winkler / OTZ

Gastwirt Ingo Böhme will sein Lebenswerk, das Bergschlösschen im Pößnecker Stadtteil Schlettwein, seit etwa drei Jahren in gute Hände übertragen. Jetzt steht mit Partnern eine Lösung im Raum, die bis vor wenigen Monaten kaum denkbar erschien.

So soll die Stadt Pößneck das Bergschlösschen kaufen, um es dann praktisch nahtlos an den Carnevalsclub Schlettwein (CCS) zu verpachten. Entsprechende Informationen bestätigten Ingo Böhme, CCS-Präsident Yves Günther und Bürgermeister Michael Modde.

Dieses Zusammenspiel muss nur noch der Pößnecker Stadtrat billigen. Dieser befasst sich am Donnerstag, 3. Dezember, mit dem Thema, wenn er zu einer Sitzung mit ausschließlich nichtöffentlichem Teil zusammenkommt. Im Vorfeld hat der CCS in Stadtratsfraktionen für dieses Projekt geworben.

Bürgermeister sieht Vorteile für alle Beteiligten

Modde zufolge, sei die verhandelte Lösung für alle Beteiligten von Vorteil. Die Stadt erledige ein Problem, das viele Schlettweiner belaste, zudem werde einem möglichen Verfall des Objektes vorgebeugt. Das vom CCS geprägte kulturelle Leben im Ortsteil könne in einem gesicherten Umfeld fortgeführt werden. Und auch Böhme könne zufrieden sein.

Böhme war es, der Schwung in die Sache hinein gebracht hat. Nachdem er sich ursprünglich knapp 250.000 Euro für das Objekt mit Gaststätte (45 Sitzplätze), Saal (250 Sitzplätze) und Biergarten (75 Sitzplätze) erhofft hatte, soll das Bergschlösschen inklusive des vis-à-vis gelegenen Parkplatzgrundstücks nun für 140.000 Euro in den Besitz der Stadt wechseln. Dieser Preis orientiere sich an einem aktuellen Verkehrswertgutachten.

„Mit dem ersten Preis hatte die Stadt Kopfschmerzen“, blickt Günther auf etwa anderthalbjährige Verhandlungen mit der Stadt zurück. „Nachdem wir dann die zweite Zahl hatten, ist die Stadt in Riesenschritten auf uns zugegangen.“

Was will der Carnevalsclub mit dem Objekt? „Für uns läuft das unter der Überschrift ‘Haus der Vereine’“, sagt Stephan Ulitzsch als Mitglied des Bergschlösschen-Ausschusses des CCS. Das Anwesen am Krietschenweg soll nicht nur dem eigenen Bedarf, sondern auch anderen Interessengemeinschaften aus Pößneck und Umgebung dienen, die für ihre Aktivitäten und Auftritte einen günstigen Saal brauchen. Chöre sowie Freizeit- und Leistungssportabteilungen, ja sogar eine befreundete Faschingsgruppe hätten bereits grundsätzliches Interesse angezeigt. Gastronomische Angebote werde es nicht mehr geben. In diesem Sinne denken die Karnevalisten schon an die Umfunktionierung der Gaststätte zum Proben- und Versammlungsraum.

Die Stadt fördere die Entstehung des Vereinshauses, indem sie eine lediglich symbolische Pacht für das Bergschlösschen erwarten würde. Der CCS übernehme sämtliche Betriebskosten. Überschüsse aus der Betreibung des Saales sollen in das Objekt reinvestiert werden.

„Es ist nicht unser Ziel, den Haushalt der Stadt dauerhaft zu belasten“, resümiert Uwe Kramer die finanziellen Angelegenheiten. Er ist ebenfalls Mitglied des Bergschlösschen-Ausschusses des CCS und spricht einen weiteren Aspekt an: „Wir müssen unserer Verantwortung gegenüber unseren Kindern gerecht werden, deshalb tun wir das. Kinder sind sind in ihrer Freizeit am besten in einem Verein aufgehoben. Da kommen sie nicht auf die Idee, Hauswände mit irgendwelchem Zeug zu beschmieren.“

Böhme, 55, wegen einer vor gut drei Jahren festgestellten Muskelerkrankung schon seit einiger Zeit Berufsunfähigkeitsrentner, beobachtet die Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Ich freue mich, dass es weitergeht, dass Leben im Bergschlösschen bleibt“, sagt er einerseits. Andererseits sei es „nicht leicht, all die Dinge, an die schöne Erinnerungen geknüpft sind, wegzuwerfen oder in Kisten zu packen“.

Der CCS werde Böhme nicht allein lassen, hieß es noch. Da nur sein Körper, nicht sein Kopf geschwächt sei, soll er bei der Betreuung des Bergschlösschens auch unter neuen Besitzverhältnissen eine Rolle spielen. Meine Meinung