Meinung: Lehrstück der Einseitigkeit

Marius Koity
Marius Koity, Redaktionsleiter im Saale-Orla-Kreis

Marius Koity, Redaktionsleiter im Saale-Orla-Kreis

Foto: Lutz Prager

Über die Debatte zum Schulnetzplan im Kreistag des Saale-Orla-Kreises

Journalisten wird mitunter vorgeworfen, nur das Schlechte in allen möglichen Dingen zu sehen. Nun, die Schulnetzplan-Debatte des Kreistages hätte man filmen müssen. Sie war nämlich ein Lehrstück darüber, wie einseitig und herabwürdigend der eine oder andere Berufs- und Feierabendpolitiker Sachverhalte doch betrachten kann, wenn positive Entwicklungen nicht der eigenen Profilierung dienen.

So darf man das gar nicht laut sagen, aber im schrumpfenden Saale-Orla-Kreis ist seit 2015, als der Standort Blankenberg der Regelschule Bad Lobenstein aufgegeben wurde, keine Schule mehr geschlossen worden. Wir haben eine Schuldichte, von welcher andere deutsche Landstriche nur träumen können. Solche Hinweise, die für Eltern schulpflichtiger Kinder durchaus von Interesse sind und als Werbung für die Region taugen, gingen im Schlagabtausch vom Montag unter.

Sicher, die Lehr- und Lernbedingungen könnten einigenorts besser sein, zum Beispiel in Ranis, zum Beispiel in Pößneck-Ost. Jetzt muss sich Wolfgang Kleindienst (UBV) nur noch entscheiden, welcher der beiden Standorte als Erster gerichtet werden soll. So sauer man in Ranis über seine Kampagne der vergangenen Jahre für Pößneck-Ost war, so kurios finden nun Bewohner des Stadtteiles seinen Einsatz für Lehrerparkplätze in Ranis unter den Umständen, dass die Pädagogen-Stellflächen in der Burgstadt selbst gar keine Priorität sind.

Mit seiner Turnhalleninitiative ist Kleindienst in Pößneck kommunalpolitisch aber erst einmal ein Held – das muss man schon so sagen. Wobei sein Erfolg einer von Gnaden der offiziellen CDU- und inoffiziellen Bürgermeister-Kreistagsfraktion ist, welcher binnen Minuten ein Kompromiss gelang, der dann zum notwendigen würdigen Votum für den Schulnetzplan führte.