Mike Schmidt und Brigitte Schiller neue Vize-Bürgermeister in Pößneck

Pößneck  Ausschüssen des Stadtrates gehören nach dem Willen seiner großen Mehrheit nach wie vor keine „sachkundigen Bürger“ an

Bürgermeister Michael Modde (links) lässt sich in den kommenden fünf Jahren bei Bedarf von Mike Schmidt und Brigitte Schiller vertreten und an seiner Seite im Stadtratspräsidium wird nun Marc Roßner (rechts) sitzen.

Bürgermeister Michael Modde (links) lässt sich in den kommenden fünf Jahren bei Bedarf von Mike Schmidt und Brigitte Schiller vertreten und an seiner Seite im Stadtratspräsidium wird nun Marc Roßner (rechts) sitzen.

Foto: Marius Koity

Die neuen Stellvertreter des Pößnecker Bürgermeisters Michael Modde (parteilos) sind Mike Schmidt (FDP/FW/FFW) und Brigitte Schiller (Linke). Neuer Vorsitzender des Pößnecker Stadtrates ist Marc Roßner (SPD, Mitglied der FDP/FW/FFW-Fraktion). Die entsprechenden Entscheidungen hat das neue kommunale Parlament in der überdurchschnittlich gut besuchten konstituierenden Sitzung vom Donnerstagabend im Saal des Pößnecker Rathauses getroffen.

Schmidt, 47, Unternehmer, wurde von Thomas Weidermann (FDP/FW/FFW) für das Ehrenamt des Ersten Beigeordneten vorgeschlagen. Weitere Bewerber gab es nicht. In ge­heimer Wahl wurde Schmidt mit 23 von 25 möglichen Stimmen (24 Stadträte plus Bürgermeister) zwar nicht einstimmig, aber eindeutig das Vertrauen für die nächsten fünf Jahre aus­gesprochen. „Das ist eine sehr große Ehre für mich“, sagte Schmidt. Er folgt Dieter Teichmann (FDP/FW/FFW) im Amt, welcher am Donnerstag für seine insgesamt 27-jährige Vizebürgermeister-Arbeit seit 1990 mit dem erstmals verliehenen Titel eines Pößnecker Ehrenbeigeordneten ausgezeichnet wurde.

Etwas spannender war die Findung des Zweiten Beigeordneten. Charlotte Förster (Linke) schlug ihre Fraktionskameradin Brigitte Schiller vor und Peter Metzner (CDU) seinen Kollegen Matthias Creutzberg. Gewählt wurde Schiller, 64, pensionierte Kindergartenleiterin, mit 16 Stimmen. Die übrigen neun entfielen auf Creutzberg, hinter dem also mehr Leute standen als nur seine vierköpfige Fraktion. Mit Schiller ist erstmals seit 1990 wieder eine Frau unter den obersten Repräsentanten der Stadt, sie löst Roßner im Amt ab.

Dieser wurde von Weidermann für die Aufgabe des Stadtratsvorsitzenden vorgeschlagen. Gerd Querengässer (Birso/UBV) hielt hingegen seinen Fraktionschef Wolfgang Kleindienst für besser. In der knappsten Wahl des langen Abends setzte sich schließlich Roßner, 37, Lehrer, mit 14 Stimmen durch, die übrigen 11 entfielen auf Kleindienst. Dieser ging am Ende nicht ganz leer aus. Denn nach einer Pause gibt es wieder auch ein stellvertretender Stadtratsvorsitzenden in Pößneck und auf diesen Posten wurde Kleindienst – auf Weidermanns überraschenden Vorschlag und ohne Gegenkandidaten – mit 22 von 25 Stimmen gewählt. Roßner folgt dem nicht wieder in den Stadtrat gewählten Kommunalpolitiker Alf-H. Borchardt (FDP/FW/FFW) im Amt, dessen Arbeit auf dem nächsten Neujahrsempfang gewürdigt werden soll, wie Modde sagte.

Vor diesen Wahlgängen hatte der Stadtrat seinen ersten einstimmigen Beschluss der Legislatur hinbekommen – er gab sich nämlich eine neue beziehungsweise aktualisierte Geschäftsordnung. Dem harmonischen Ausgang war allerdings ein Streit über die Einführung „sachkundiger Bürger“ in zwei Stadtratsausschüssen vorangegangen, was Steve Richter (Grüne/SIP) zur Ergänzung der Geschäftsordnung beantragt und ausführlich begründet hatte. Von dieser Form der Bürgerbeteiligung an kommunalpolitischen Prozessen leitete er nicht zuletzt eine Steigerung der ­Attraktivität der Stadt ab. Modde sah indes „keine Notwendigkeit“ an zusätzlichen Mitgliedern im Sozial- und im Technischen Ausschuss. Weidermann stellte (wie später auch andere Redner) fest, dass sich die kommunalpolitischen Gremien bei Bedarf auch so schon mit Sachverständigen helfen könnten. Schiller befürchtete eine „künstliche Aufblähung“ der Ausschüsse und Lobbyismus. „Im Stadtrat sitzen in der Summe genügend Leute, die eine Entscheidung treffen können“, fand Querengässer. Constanze Truschzinski (Grüne/SIP) diagnostizierte eine „große Angst vor sachkundigen Bürgern“ und rieb der Linke-Fraktionschefin Förster unter die Nase, dass sie von der Linie ihrer Partei abweiche. „Es geht doch nicht darum, gewählten Stadträten den Sachverstand abzusprechen“, plädierte Richter noch einmal für etwas mehr Basisdemokratie.

Letzten Endes wurde sein Antrag bei nur zwei Ja-Stimmen abgeschmettert. Er ertrug es wie ein Mann und billigte genauso wie Truschzinski die neue Geschäftsordnung auch ohne „sachkundige Bürger“.

Pößnecker Repräsentanten seit 1990

Bürgermeister: Michael Roolant (1990-2006), ­Michael Modde (seit 2006).

1. Beigeordneter: Peter Matthes (1990-1993), Dieter Teichmann (1994-2004), Michael Modde (2004-2006), Bernd Künast (2006-2009), D. Teichmann (2009-2019), Mike Schmidt (ab 2019).

2. Beigeordneter: Bernd Künast (1990-1994), Siegbert Würzl (1994-1997), Bernd Künast (1999-2006), Dieter Teichmann (2006-2009), Marc Roßner (2009-2019), Brigitte Schiller (ab 2019).

3. Beigeordneter: Dieter Teichmann (1990-1994).

Vorsitzender/Präsident des Stadtrates: Klaus Krenz (1990-1994), Fritz Kleine (2004-2014), Manfred Brückner (2014-2017), Alf-H. Borchardt (2018-2019), Marc Roßner (ab 2019).