Mittelfinger der Natur

Marius Koity

Marius Koity

Foto: Peter Cissek

Wenn Hagel die Obstblüte zerstörte oder sich der Bach über seine Ufer ergoss und alles wegriss in seiner Bahn oder ich als Kind nach einem missglückten Fahrradtrick mit aufgeschlagenem Knie zur Oma rannte, sagte sie immer, es wäre Gottes Strafe. Das würde sie sicher auch über den Coronavirus meinen.

Nun weiß ich nicht, ob die berechtigten Sorgen dieser Tage oder die irrationalen Klopapier-Diebstähle aus den Gästetoiletten des Pößnecker Krankenhauses Gottes Wille sind. Ich finde aber schon, dass uns die Natur so gewaltig wie schon lange nicht mehr vorführt, dass sie am längeren Hebel sitzt. Der Coronavirus zeigt uns nunmehr von Triptis bis Ranis, wie lächerlich im Ernstfall unsere Technikgläubigkeit und Vollkaskomentalität ist, wie schnell Spaßkultur in Hamsterkäufe umschlagen kann.

Ein unsichtbares Wesen versaut uns den Urlaub, bringt unsere Jobs in Gefahr, verursacht dem Staat und damit uns allen Kosten, die von Tag zu Tag neue Rekorde erreichen. Und wir können nichts dagegen tun, nur anderen Menschen fernbleiben (sofern wir nicht mit Notwendigem beschäftigt sind), um auf diesem Wege die Virusverbreitung zu stoppen. Es ist so einfach und doch gibt es so viele Menschen, die beim Thema Infektionskrankheiten augenscheinlich den Biologieunterricht verpasst haben. Oder vielleicht nur noch nicht von Omas Gottesstrafe getroffen wurden. Vielleicht schlägt sie noch etwa bei den Leuten ein, die sich in behördlich gesperrten Parks verabreden, nur um dem Staat den Mittelfinger zu zeigen. Wir reden von dem Staat, der auch für seine Deppen Betten in Pandemiestationen einrichtet, und von dem mancher geradezu erwartet, dass er endlich die Ausgangssperre ausruft.

In meinem Glauben an das Gute im Menschen habe ich mich Anfang dieser Woche dazu hinreißen lassen, eine Wette gegen die Ausgangssperre abzuschließen. Wenn ich verliere, müsste ich einen Besen fressen oder aber einem kleinen feinen Pößnecker Verein eine Spende zukommen lassen. Ich reserviere schon mal einen Fuffi.