Muhend den neuen Stall in Wilhelmsdorf erobert

Wilhelmsdorf.  Die Agrarprodukte Ludwigshof investierte in die Modernisierung der Wilhelmsdorfer Stallungen fast eine Million Euro.

Die ersten Rinder flitzen in den aufgehübschten Stall in Wilhelmsdorf.

Die ersten Rinder flitzen in den aufgehübschten Stall in Wilhelmsdorf.

Foto: Marcus Cislak

Der wohl erste Weideauftrieb seit Langem kam am Freitagmittag durch Wilhelmsdorf. Zwei Traktoren mit Anhängern tuckerten durch die Gemeinde und hatten insgesamt vier Kälber, einen Bullen und dreizehn Kühe an Bord. Monatelang grasten sie bei Herschdorf auf der Weide.

Nun bezogen die ersten der 125 Tiere, die auch in Wernburg und Öpitz leben, ihr neues Winterquartier, dem frisch renovierten Mutterkuhstall der Agrargenossenschaft Ludwigshof. Diesen Moment ließ sich deren Geschäftsführer Gunnar Jungmichel freilich nicht entgehen.

Fast eine Million Euro investierte das Unternehmen hoch über der Saale, am Rande von Wilhelmsdorf. Vierzig Prozent der Bausumme sind gefördert durch die Europäische Union und das Land Thüringen. In den Jahrzehnte alten Stallungen muhten noch bis vor vier Jahren etwa 850 Bullen in der Anlage. Diese war dann länger verwaist, denn der Bestand musste damals wegen eines Virus notgeschlachtet werden.

Nun wohnen in den großzügigen Teilbereichen die Paarhufer bis April. Die restlichen acht Monate verbringen sie auf den Weiden und pflegen Grünflächen an den Hanglagen, die schwer mit Traktoren zu bewirtschaften sind. Die Rinder werden der Fleischproduktion dienen.

Gespannt standen am späten Morgen die fünf Tierwirte und Jungmichel an den Wagen und Geländern. Ob’s den Rindern gefällt? Handys werden gezückt und dann öffnet sich die Klappe des ersten Hängers. Zögerlich blicken die Tiere von der Rampe. Ungewohnte Umgebung. Die ersten Mutigen stehen unten, der Rest der Gruppe folgt. Die leicht bewollten Kühe untersuchen neugierig ihre Umgebung, knabbern frisches Stroh. Es scheint geglückt. Lautes Muhen dröhnt durch den noch fast leeren Stall. Eine weitere Gruppe folgt, Kälber und Färsen, „weibliche Teenager“, folgen. Eine Kuh aus der ersten Gruppe ruft ihr Junges, sie werden schließlich wieder vereint.

Die menschlichen Betreuer blicken zufrieden. Beobachten die Eroberung des neuen Domizils. In den nächsten Tagen wird der Rest folgen. Etwa ein Drittel der Tiere wird bis zum April gekalbt haben, manche zum ersten Mal. Dann werden aus den Färsen Kühe. Darüber informiert Katrin Steinbrück. Sie bekommt vom baldigen Rentner Gerhard Taut das Zepter und trägt dann die Verantwortung für die Rinder im aufgehübschten Stall.

Denn es wurden Futterförderbänder entfernt, der Boden ausgeschachtet und nach den neuesten

Bestimmungen ausgebaut. Neue Brandschutzdecken, ein frischer Farbanstrich sind zu entdecken, die Gebäude und die Umgebung wirken aufgeräumter und fügen sich besser in das dörfliche Umfeld ein. Ein neuer Zaun wird noch gestellt.

Anbauten wurden zurückgebaut, das Nebengebäude als Strohlager benutzt, ein kleiner Teil einer Halle wurde abgerissen und eine sogenannte Mistplatte errichtet, auf dem die Gülle gelagert wird. „In der kühleren Jahreszeit gibt es eine geringere Geruchsbelästigung. Anwohner sind ja eher drin, weniger im Garten“, entgegnet der Geschäftsführer. Und der Stall und die Mistplatte werden nach dem Abtrieb im Frühjahr gründlich gereinigt, verspricht er. „Und irgendwie gehört das Muhen und der typische Geruch doch zum Dorfleben dazu“, sagt er lächelnd.

Der zweite Kuhstall, der für die Bullen gedacht ist, werde im Winter

wieder gangbar gemacht, so dass eine geschlechtliche Trennung vorgenommen werden kann. Denn derzeit werden die Tiere zusammen gehalten, was durchaus zu Unruhe führen kann, wie Jungmichel anmerkt.

Das Gebäude für die Mitarbeiter wird weiter saniert, soll in den kommenden Wochen fertiggestellt werden. So dass das ganze Gelände, welches noch umfriedet wird, einen angenehmen Anblick bietet.

Eigentlich sollte kurz vor dem Weideauftrieb auch ein Tag der offenen (Stall)Tür, also ein Rundgang für Wilhelmsdorfer und Interessierte, stattfinden. Doch in Abstimmung mit Bürgermeisterin Anke Czielsik habe man sich coronabedingt dagegen entschieden. Aber aufgehoben sei nicht aufgeschoben: „Wir werden das, wenn es die Situation wieder ermöglicht, im Frühjahr nachholen“, so Jungmichel.