Orla-Biber zwischen Neunhofen und Neustadt: Anwohner besorgt

Neustadt.  Leser befürchtet durch den Orla-Biber Folgen durch Dammbau und umgenagte Bäume. Stimmt das? Wir haben nachgehakt.

Der Biberdamm in der Orla zwischen Neunhofen und Neustadt.

Der Biberdamm in der Orla zwischen Neunhofen und Neustadt.

Foto: Foto: Gerhard Nürnberger

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Seit einigen Jahren sind bekanntermaßen die Biber an die Orla zurückgekehrt. Mehrere Tiere leben an verschiedenen Standorten zwischen Freienorla und Triptis. Immer wieder geraten die großen Nager in Konflikt mit den menschlichen Bewohnern nahe des Gewässers. Unser Leser Gerhard Nürnberger bemerkte die zahlreichen Spuren eines oder mehrerer Tiere zwischen Neustadt und Neunhofen. „Ich freue mich zwar, dass die Biber zurück sind, aber ich mache mir Gedanken, um die Schäden, die Biber anrichten“, teilte er telefonisch mit.

Zahlreiche umgelegte Bäume mit den typischen Nagespuren entlang der Orla und einen Damm habe Nürnberger kürzlich bei einem Spaziergang bemerkt. „Wenn der Damm das Wasser anstaut, kann es leicht zu Überschwemmungen bei Hochwasser kommen, das finden die Hausbesitzer in der Umgebung sicherlich nicht so toll“, merkt er an. Zudem fälle der Biber alte und damit große Bäume und schade damit der natürlichen Umgebung.

Biberdämme sind laut Experten wasserdurchlässig

Der Thüringer Biberexperte Marcus Orlamünder vom Naturschutzbund kennt die Situation vor Ort: „Ich sehe es an der Stelle nicht so kritisch, weil wir gemeinsam mit dem Straßenbauamt bereits einen Überlauf für die Orla realisieren konnten.“ In einem Seitenarm der Orla sei ein Refugium entstanden, wo sich überschüssiges Wasser ausbreiten könne, so dass bewohnte Gebiete weniger gefährdet werden durch eventuelle Wassermassen. Zudem wären die landwirtschaftliche Nutzflächen durch breitere Uferrandstreifen vor höheren Pegelständen geschützt.

Und: „In der jetzigen Jahreszeit wirken die Pegelstände höher als sonst, das stimmt, aber mit Blick auf den zu erwartenden trockenen Sommer, sollten wir dem Biber dankbar sein, weil das ins Land gedrückte Wasser zurückgehalten wird. Damit können Natur- und Nutzflächen bei Trockenheit mit Wasser versorgt werden.“

„Biberdämme sind außerdem durchlässig, Wasser kann durch und drüber fließen. Es wird nicht wirklich etwas angestaut“, erklärt Orlamünder weiter. Auf die Befürchtung, dass die pelzigen Nager die Natur zerstören, antwortet der Biberexperte: „Biber leben seit Jahrmillionen in Koexistenz mit der Natur. Denn die umgenagten Weiden sterben nicht – im Gegenteil. Die am Boden liegenden Stöcke schlagen wieder aus. Außerdem haben wir etliche Weiden nachgepflanzt, um den Fressdruck zurückzudrängen.“

Die Situation habe man mit lokalen Bibermanagern im Blick. Falls zum Beispiel Obstbäume angeknabbert werden, könne man sich an die Beauftragten wenden, die sich ein Bild vor Ort machen. Und gegebenenfalls über das Ergreifen entsprechender Maßnahmen entscheiden.

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