Orlatal: Mission Landesgartenschau 2028 ist angeschoben

Pößneck.  Bürgermeister von Neustadt und Triptis sprechen erstmals vor dem Pößnecker Stadtrat

Von links: Die Bürgermeister Ralf Weiße, Peter Orosz und Michael Modde schauen an der Shedhalle, mitten auf dem Gelände der Landesgartenschau Pößneck 2000, zuversichtlich dem ehrgeizigen Projekt Landesgartenschau Orlatal 2028 entgegen.

Von links: Die Bürgermeister Ralf Weiße, Peter Orosz und Michael Modde schauen an der Shedhalle, mitten auf dem Gelände der Landesgartenschau Pößneck 2000, zuversichtlich dem ehrgeizigen Projekt Landesgartenschau Orlatal 2028 entgegen.

Foto: Marius Koity / OTZ

Am Donnerstagabend ist es im Pößnecker Stadtrat zu so etwas wie einem historischen Ereignis gekommen. Vom Pult mit dem Pößnecker Stadtwappen sprach nicht nur Bürgermeister Michael Modde (parteilos), erstmals wurde auch den Stadtoberhäuptern von Neustadt und Triptis, Ralf Weiße (BfN) und Peter Orosz (Feuerwehr), das Wort vor dem kommunalen Parlament erteilt.

Es ist die seit dem 6. Juni diskutierte gemeinsame Bewerbung der drei Städte um die Landesgartenschau 2028, die die Bürgermeister gemeinsam auftreten ließ. Und es war zwar ein coronabedingter Zufall, dass sie in der Shedhalle, dem Herzstück der 1. Thüringer Landesgartenschau Pößneck 2000, erstmals öffentlich für das ehrgeizige Projekt warben, aber es passte gut.

Industriebrachen in „blühende Landschaften“ umwandeln

Es gehe darum, übrige Industriebrachen in „blühende Landschaften“ umzuwandeln, führte Modde wörtlich aus. Die Landesgartenschau (LGS) könnte der weiteren Entwicklung des gesamten Orlatales Impulse verleihen, stellte Weiße in den Raum. Beabsichtigt sei auch „ein Zeichen in Richtung Landkreis“, wie Orosz resümierte.

Den Bürgermeistern zufolge, würde die Initiative auch dann ein Erfolg sein, wenn es nichts werden würde mit der LGS. Denn die städteübergreifende Machbarkeitsstudie, die nach der bestätigten Bewerbung in einem zweiten Schritt 2021 erarbeitet werden soll, würde genug Stoff für lokale und regionale Entwicklungen unabhängig vom Großereignis anbieten.

Die Bewerbung, die ein komplexes Werk sei, soll bis Ende November erstellt und beim zuständigen Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft bis Ende Dezember eingereicht werden, erläuterte Modde nach den Grundsatzreden in der LGS-Debatte des Pößnecker Stadtrates. Er legte den Fraktionen ans Herz, ein klares Aufbruchssignal zu senden.

Zuvor hatte Peter Metzner (CDU) an den ersten LGS-Beschluss des Pößnecker Stadtrates aus den 1990ern erinnert. Seinerzeit sei nur eine knappe Mehrheit für ein Projekt zustande gekommen, welchem die Stadt eine nachhaltige Entwicklung zu verdanken habe.

Die 9000 Euro teure Bewerbung soll mit Erhard Skupch, dem ehemaligen Geschäftsführer der Pößnecker LGS und unter anderem auch der Bundesgartenschau Havelregion 2015, ein Experte auf diesem Gebiet inhaltlich aufbereiten, und zwar ohne weitere Stadtratsdiskussionen. Constanze Truschzinski (Grüne/SIP) war mit einem solchen „Blankoscheck“, wie sie sagte, nicht einverstanden, so dass sie eine Ergänzung des LGS-Grundsatzbeschlusses beantragte. Sie wollte, dass die Papiere zumindest dem Pößnecker Stadtrat vorgelegt werden, bevor sie nach Erfurt gehen. Allerdings hätte sich damit der abgestimmte, überall kommunalpolitisch schon abschließend vorberatene Beschlusstext der drei Städte erledigt, was dem Verfahren an sich und auch der Außenwirkung kaum förderlich gewesen wäre. Der Pößnecker Kulturamtsleiterin Julia Dünkel gelang es dann, Truschzinski gewissermaßen von Frau zu Frau zu überzeugen, dass sie nichts verpassen würde. Und die Stadträtin zog ihren Änderungsantrag zurück.

Die übrigen Fraktionen stellten sich mal mehr, mal weniger blumig hinter die LGS-Initiative und erwähnt sei die Feststellungen von Wolfgang Kleindienst (Birso/UBV). „Aus Fehlern lernt man“, räumte der Kommunalpolitiker mit dem Ruf eines Berufsskeptikers ein. Die kommunale Zusammenarbeit der drei Städte zeige zudem, „dass wir keine Gebietsreform brauchen“.

Letzten Endes machte es der Pößnecker Stadtrat besser als bei der ersten Landesgartenschau-Bewerbung. Die Mission 2028 wurde nämlich einstimmig gebilligt.

Am Dienstag berät der Triptiser Stadtrat im Beisein von Modde und Weiße. Am Donnerstag sind Modde und Orosz bei den kommunalen Parlamentariern aus Neustadt.

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