Orlataler reden über Schließung der Geburtsstation Schleiz

Pößneck.  Nachgehakt: Stimmen zum Aus der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe

Über dem Schleizer Krankenhaus schwebt eine dunkle Wolke.

Über dem Schleizer Krankenhaus schwebt eine dunkle Wolke.

Foto: Oliver Nowak / Oliver

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Die Schließung der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe im Schleizer Krankenhaus am Freitag und das mögliche Aus der Chirurgie und intensivmedizinischen Abteilungen lösen auch im Orlatal vielfältige Reaktionen hervor. Eine Kommentatorin auf der Facebook-Seite der Lokalredaktion Pößneck schreibt beispielsweise: „Was bleibt dann noch übrig... Unglaublich, was hier abgeht und die Leute denken, sie würden das Richtige tun. Es geht schon lange nicht mehr um den Menschen, sondern ums Geld.“

Eine andere Kommentatorin meinte sinngemäß, dass Schleiz für den unteren Saale-Orla-Kreis auch nicht gerade das nächstliegende sei. „Pößneck hatte ein eigenes Geburtshaus! Wie, bitte schön, soll eine Schwangere in den Wehen dann in ein so weit entferntes Krankenhaus kommen ohne Auto?“ Sie fährt fort: „Mein Kind kam im Januar bei -25 Grad“ zur Welt, da sei es schon von Ranis nach Pößneck weit gewesen, so ganz ohne Auto in der Nacht.

Die Pößnecker Physiotherapeutin Lydia Huber, die Krabbelkurse anbietet und Schwangere betreut, berichtet aus einem Gespräch mit einer jungen Mutter, die ihr Kind kürzlich im Schleizer Krankenhaus zur Welt brachte, dass diese sehr traurig sei über die dortige Entwicklung. Denn: „Für einige kommt zum Beispiel Jena nicht in Frage, weil sie es als zu groß, zu anonym empfinden“, sagt sie. Viele Frauen aus dem Orlatal bevorzugen kleinere Krankenhäuser, in denen es familiärer zuginge wie eben in Schleiz. Nun müssten Schwangere kurzfristig auf die anderen Krankenhäuser der Umgebung ausweichen, wo die Physiotherapeutin nun Engpässe befürchtet.

Lange Fahrtwege und Zeitverlust

Die kurzfristige Entscheidung des Klinikbetreibers werfe für etliche Hochschwangere, die längst in Schleiz angemeldet gewesen wären, die Planungen deutlich durcheinander. „Das ist echt unangenehm“, kommentiert Lydia Huber und ergänzt: „Für mich persönlich kam allerdings Schleiz nie in Frage“, sagt die zweifache Mutter, „weil es seit jeher keine Notfallmedizin gibt.“

Die erfahrene Hebamme aus Pößneck, Susanne Rost, hat in ihrer beruflichen Laufbahn bereits zwei Schließungen von Geburtskliniken miterlebt, wie sie sagt, einmal in Ebersdorf, dann in Pößneck. „Das ist wirklich unangenehm für die Schleizer Kollegen, es gibt wenig politisches Interesse am Erhalt der Kliniken. Generell stellt das ein großes Problem für Frauen dar“, sagt sie. Rost findet, dass das Aus der Geburtsstation in Schleiz für die Pößnecker eine geringere Rolle spielt. Seit Jahren würde sich ein Großteil der werdenden Mütter nach Saalfeld oder Jena orientieren. „Die Frage ist doch viel mehr: Wie viel Zeit und Entfernung kann man den Rettungsdiensten noch zumuten, wenn sie im Notfall die Hochschwangeren zur nächsten Klinik bringen müssen?“

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