Pächterwechsel im Pößnecker Ratskeller

Pößneck.  Der nächste Chef im ersten Haus am Platz in Pößneck ist kein Unbekannter in der Region

Maurice Rödger, der nächste Chef im Pößnecker Ratskeller.

Maurice Rödger, der nächste Chef im Pößnecker Ratskeller.

Foto: Marius Koity / OTZ

Im Pößnecker Ratskeller wechselt der Pächter. Das wurde am Donnerstagabend in der öffentlichen Sitzung des Pößnecker Stadtrats-Haupt- und Finanzausschusses von Bürgermeister Michael Modde (parteilos) bekanntgegeben.

Demnach haben die Schwestern Angela Schwirz-Angres und Andrea Barth ihren bis 31. Dezember 2020 laufenden Vertrag mit der Stadt als Eigentümerin des Lokals nicht noch einmal verlängert beziehungsweise vorzeitig zum 30. November gekündigt. Sie hatten die Gaststätte zum 1. Januar 2017 übernommen. Nächster Pächter ist Maurice Rödger, der seit 2018 und bis vor wenigen Wochen rund zwei Jahre lang Koch im Ratskeller war.

Stadt investiert knapp 40.000 Euro in den Ratskeller

Der Pächterwechsel verläuft allerdings nicht nahtlos. Schwirz-Angres und Barth schließen am 29. November. Im November werde das Lokal ohnehin nur sonntags geöffnet sein. Rödger würde am liebsten am 1. Februar starten, hat das jedoch nicht in der Hand. Denn zwischendurch wird der Ratskeller renoviert.

„Seit der Pachtzeit von Frau Halter wurden lediglich geringfügige Instandhaltungen und Instandsetzungen im Ratskeller durchgeführt“, räumte Modde ein. Marlen Halter wurde, zur Erinnerung, Ende 2005 in den Ruhestand verabschiedet. Tatsächlich hatte die Stadt zuletzt 1997 in ihr Objekt nennenswert investiert. Jetzt seien „diverse Maßnahmen wirklich notwendig“.

So hätten Rathaus und Ratskeller heute noch einen gemeinsamen Stromanschluss. Der Sicherungskasten der Gaststätte befinde sich in Räumen der städtischen Verwaltung, was gelegentlich ein Problem sei. Jetzt bekommt der Ratskeller zum Preis von etwa 15.000 Euro einen eigenen und auch leistungsfähigeren Anschluss. Weitere 22.500 Euro sollen unter anderem für die Instandsetzung des Fußbodens oder die Neupolsterung der Stühle und Bänke aufgewendet werden.

Der Ausschuss hat diese kleine Investitionsoffensive nach kurzer Diskussion einstimmig gebilligt. Die knapp 40.000 Euro sind in der Stadtkasse übrig, weil ein anderes Projekt in diesem Jahr nicht mehr umgesetzt werden kann.

In der Debatte des Haupt- und Finanzausschusses wurde etwa die Frage aufgeworfen, wie es denn mit einer barrierefreien Toilette aussieht, die sich seit längerer Zeit schon insbesondere ältere Gäste wünschen. Dieses Problem soll in einem nächsten Schritt angegangen werden, so Modde. Eine Idee geht dahin, ein ebenerdiges stilles Örtchen in einem derzeitigen Abstellraum am Tordurchgang zum Innenhof der Gaststätte einzurichten. Innerhalb des Ratskellers sei eine barrierefreie Lösung nicht möglich.

Maurice Rödger ist kein Unbekannter in der Region. Seit 1990 Koch, hatte er Ende des vergangenen Jahrtausends eine Zeit den Stern in Kleindembach geführt. Nach der Lehre im Schwarzwald habe er unter anderem in Bayern und in Österreich Erfahrungen gesammelt. Rund fünfzehn Jahre lang habe der in die Heimat zurückgekehrte Langendembacher als Küchenchef eines traditionsreichen Restaurants („Der Wagner“) in Frankfurt am Main gewirkt.

Den Ratskeller übernehme er, weil das Lokal Potenzial habe, so Rödger in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Das Profil einer gutbürgerlichen thüringischen Küche soll erhalten bleiben. Individuelle Akzente sollen bei den Steaks und den Salaten gesetzt werden. Fest stehe das zwar noch nicht, aber das Bier werde wohl nach wie vor von der Rosenbrauerei kommen. Rödger will als Chef in der Küche bleiben und den Service bewährten Händen anvertrauen. Wenn es soweit sein wird, soll der Betrieb mit acht Leuten wiederaufgenommen werden – vier in Vollzeit, zwei in Teilzeit, zwei geringfügig beschäftigt.

„Ich wünsche ihm viel Glück“, sagte Angela Schwirz-Angres. Sie gab verheerende wirtschaftliche Folgen der Corona-Einschränkungen für die Gastronomie als Grund für die Geschäftsaufgabe an.

Der neue Pächter sei durch direkte Ansprache potenzieller Kandidaten gefunden worden. Rödger habe sich am schnellsten entschieden. „Wir können froh sein, dass jemand mitten in der Corona-Zeit unseren Ratskeller übernimmt“, resümierte Bürgermeister Michael Modde.

In den ersten fünfzehn Jahren nach der Wende war Marlen Halter die Chefin im Ratskeller. Vom 1. Januar 2006 bis zum 31. Dezember 2016 war Ursula Bozdech die Chefin. Nach der vierjährigen Ära Angela Schwirz-Angres/Andrea Barth wird Maurice Rödger also der vierte Ratskeller-Chef seit 1990 sein.