Orlatal: Das neue Wir-Gefühl soll weiter gestärkt werden

Pößneck/Neustadt.  Digitale Bürgerbeteiligung zum Pößneck-Neustädter Tourismuskonzept liefert teils erwartbare, teils überraschende Anregungen

Die Orla plätschert am Neustädter Stadtzentrum vorbei. Einer anonymen Anregung für die Tourismus-Verantwortlichen zufolge, sollte der Fluss auf Neustädter Gebiet für eine natürliche Badestelle gestaut werden.

Die Orla plätschert am Neustädter Stadtzentrum vorbei. Einer anonymen Anregung für die Tourismus-Verantwortlichen zufolge, sollte der Fluss auf Neustädter Gebiet für eine natürliche Badestelle gestaut werden.

Foto: Marius Koity

Die Städte Pößneck und Neustadt arbeiten an einem gemeinsamen Tourismuskonzept und zwischen dem 22. August und 13. September waren die Orlataler aufgerufen, im Zuge einer „digitalen Bürgerbeteiligung“ Anregungen und Hinweise einzubringen. Was ist da herausgekommen?

Der Online-Fragebogen sei 218 Mal aufgerufen worden und 15 Personen hätten ihn auch ausgefüllt, berichteten die Kulturamtsleiter Julia Dünkel (Pößneck) und Ronny Schwalbe (Neustadt) in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Bei der einen oder anderen Idee sei zwar zu vermuten, dass sie nur von einem Pößnecker oder einem Neustädter stammen könne. Eine nähere Beschreibung der Teilnehmer sei aber nicht möglich, weil persönliche Daten nicht erfasst worden seien.

Bei aller Vielfalt der Reaktionenzwei klare Aufträge

Wie sind nun 15 Beteiligungen an einer anonymen Online-Umfrage bei mehr als 20.000 Einwohnern in den beiden Städten zu bewerten?

Die Kulturverantwortlichen erklären sich „positiv überrascht“. Dünkel: „Es ist tatsächlich mehr herausgekommen, als wir erwartet haben.“ Schwalbe: „Wir merken, dass Leute das Thema ernst nehmen.“ Sonst hätte es ja nicht, wie in einigen Fällen, seitenweise inhaltliche Reaktionen gegeben.

Schon eine stichpunktartige Auswertung der Anregungen und Hinweise fülle sechseinhalb Seiten. Dabei habe die Umfrage mit Äußerungen zu kämpfen gehabt, wonach die sieben Fragen in drei thematischen Blöcken zu kompliziert, ja abschreckend gewesen sein sollen.

Bei aller Vielfalt der Reaktionen hätten sich zwei ziemlich klare Aufträge ergeben. Zum einen sollen in der touristischen Entwicklung der beiden Städte kulinarische und kulturelle Genüsse betont, verknüpft und ausgebaut werden. Zum anderen soll das gesamte Orlatal mit ihren alten Sagen, ihrer Geschichte und ihren natürlichen Schätzen stärker inszeniert werden.

Nun sind solche Erkenntnisse nicht unbedingt neu.

„An einigen Dingen sind wir seit Jahren dran“, bestätigte Schwalbe. Mitunter würden aber notwendige „marktwirtschaftliche Akteure“ zur Begleitung kommunaler Initiativen fehlen. Dünkel ergänzte: „Wir fühlen uns darin bestärkt, dass der bisherige Weg richtig war.“

Das gelte auch und gerade für die Pößneck-Neustädter Zusammenarbeit. „Die Leute wollen, dass durch geeignete Maßnahmen dieses neue Wir-Gefühl gestärkt wird“, sagte Dünkel. Es werde gewissermaßen eine Schicksalsgemeinschaft wahrgenommen, die es vorher aus historisch-territorialpolitischen Gründen nicht gegeben habe und nicht geben konnte, gab Schwalbe zu verstehen.

Ansonsten reichen die eingegangenen Anregungen von Dingen, die die beiden Städte mehr oder weniger in der Hand haben, bis zu Ideen, die sich gut anhören, bei unklarem Mehrwert aber kaum finanzierbar, wenn überhaupt machbar sind.

Stadtverwaltungen und Stadträte könnten sich beispielsweise folgender Themen annehmen: Barrierefreiheit im öffentlichen Raum/barrierefrei zugängliche Sehenswürdigkeiten bis hin zu den Kirchen; ausreichend öffentliche Toiletten; mehr Brunnen und mehr Sitzbänke in den Zentren; gemeinsame Pößneck-Neustädter Kultur- und Freizeitangebote nach dem Beispiel der diesjährigen städteübergreifenden Orgelnacht; Kernöffnungszeiten im Einzelhandel; Souvenirmünzautomaten an Sehenswürdigkeiten.

Einige der weiteren, teils noch nie dokumentierten Vorstellungen des einen oder anderen Einheimischen wären: Erlebbarmachung der Orla mit einem flussbegleitenden Radweg; Stauung der Orla auf Neustädter Gebiet zur Schaffung einer natürlichen Badestelle sowie der Kotschau zur Herstellung eines „Amsterdamer Flairs“ am Pößnecker Viehmarkt; Seilbahn etwa im Zusammenhang mit der Pößnecker Altenburg; zentrumsnaher Neustädter Bahnhof etwa in Höhe Gamsenteich; Wiederherstellung der Eisenbahnverbindung zwischen Neustadt und dem Unteren Bahnhof in Pößneck; Skifahrpisten auf Matten an der Sachsenburg in Neustadt; Profilierung von Pößneck als Harry-Potter-Stadt; Begehbarmachung der Pößnecker Stadtmauern.