Täuschend echte Rehe an Straße bei Pößneck sorgen für Schrecken

Pößneck/Ranis/Wernburg.  Jäger hatten Mittwoch bei Pößneck in Richtung Ranis und Wernburg Wildsilhouetten aufgestellt, welche die Autofahrt verlangsamen sollten. Die Polizei musste nun einschreiten.

Der Anblick der bei Dunkelheit täuschend echten Rehe versetzte einige Autofahrer in Schrecken. so dass vermehrt Anrufe bei der Polizei eingingen.

Der Anblick der bei Dunkelheit täuschend echten Rehe versetzte einige Autofahrer in Schrecken. so dass vermehrt Anrufe bei der Polizei eingingen.

Foto: Klaus Kraft

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Sie sind oft erst im letzten Moment zu erkennen, meist ist es dann schon zu spät und es hat gekracht: Rehe, Füchse und andere Tiere, die in unseren Wäldern zu Hause sind. In dieser Jahreszeit ist die Gefahr für Wildunfälle besonders hoch. Um dieses Problem weiß auch André Schrumpf, Jäger in den Gemeinschaftsjagdbezirken Ranis und Pößneck-Süd. „Um die Städte und Dörfer hier in der Region gibt es viele Unfälle mit Wildtieren, die Schäden an den Fahrzeugen sowie Einsätze von Polizei und Jägern nach sich ziehen“, sagt er. Etwa 30 Wildunfälle schätzt er für das vergangene Jahr in seinen Revieren. „Diese erschreckende Zahl hat dazu geführt, dass wir Jäger was unternehmen wollten“, erklärt André Schrumpf.

Da Verkehrsschilder, die einen Wildwechsel anzeigen, und entsprechende Geschwindigkeitsreduzierungen in diesen Bereichen seiner Ansicht nach nicht den gewünschten Effekt erzielen, habe man nach einer anderen Möglichkeit gesucht, etwas zu tun. „Es ist dann der Gedanke geboren, mit Wildsilhouetten am Straßenrand auf Gefahrenpunkte hinzuweisen“, so André Schrumpf. Die Idee zu den Aufstellern stamme aus Nordamerika, wo mit diesen entlang der Highways auf Tiere, etwa Elche, Bisons und Grizzlybären, hingewiesen werde.

Aufsteller in Rehform mit leuchtenden Augen

Um das Vorhaben umzusetzen, bastelte eine Gruppe von Jägern gemeinsam zehn solcher Wildsilhouetten. Diese habe man in Rehform gestaltet. „Wir haben uns für Rehe entschieden, weil mit diesen die meisten Unfälle passieren“, sagt André Schrumpf. Angefertigt habe man diese aus Leimholzplatten, anschließend schwarz gestrichen sowie Augen aus luminierender Folie aufgebracht.

Nach einigen Stunden Bastelarbeit platzierten die Jäger die Wildsilhouetten schließlich am Mittwoch am Straßenrand. „Von Pößneck nach Ranis habe wir drei Rehe aufgestellt, zwei weitere Rehe von Pößneck nach Wernburg“, berichtet André Schrumpf. Die Intention sei gewesen, dadurch sowohl das Wild als auch die Kraftfahrer zu schützen. „Wir wollten, dass die Leute die Rehe sehen, aufmerksam werden und dadurch langsamer fahren. Das entscheidende ist, dass die Fahrer dadurch wachgerüttelt werden, ohne dass etwas passiert“, erklärt André Schrumpf.

Polizei nahm Wildsilhouetten aus dem Verkehr

Bei den Verkehrsteilnehmern kamen die in der Dunkelheit täuschend echt aussehenden Rehe allerdings weniger gut an. So gingen am Mittwoch bei der Polizeiinspektion Saale-Orla vermehrt Anrufe von erschrockenen Autofahrern ein. Laut Polizei habe etwa einer der Fahrer angegeben, aufgrund des vermeintlichen Rehes am Straßenrand eine Gefahrenbremsung vorgenommen zu haben. Nur, weil der nachfolgende Verkehr ausreichend Abstand gehalten habe, sei es nicht zu einem Unfall gekommen. Um weitere Gefahren dieser Art abzuwenden, sammelte die Polizei die Holzrehe ein und stellte diese sicher.

Zudem bedürfe es einer Genehmigung der zuständigen Straßenbaulastträger, wenn Dinge am Straßenrand platziert werden. Im Falle der Kreisstraße zwischen Pößneck und Ranis ist das das Landratsamt in Schleiz. Zwischen Wernburg und Pößneck liegt die Zuständigkeit beim Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr, da es sich um eine Landesstraße handelt. Eine Genehmigung beider Behörden habe er nicht eingeholt, gibt André Schrumpf an. Er habe die Aktion als Versuch angesehen. Aufgrund der erfolgten Reaktionen der Autofahrer werde man allerdings von den Wildsilhouetten am Straßenrand in Zukunft absehen.

Appell an Fahrer: Vorsichtig fahren

„Ich möchte trotzdem an die Kraftfahrer appellieren, vorsichtig zu fahren, damit 2020 nicht wieder so viele Wildunfälle vorkommen“, sagt André Schrumpf und gibt einige Tipps, die es zu beachten gilt. Während der Dämmerung würde das Wild seine Einstände verlassen, zu den Äsungsflächen ziehen und daher die Straßen passieren. Da zu dieser Zeit schlechte Sichtverhältnisse herrschen, sei die Unfallgefahr besonders hoch, daher sollte besonders umsichtig gefahren werden. „Wenn in Pößneck Schichtwechsel ist, schiebt sich eine Blechlawine über die Straßen. Zu diesen Zeiten verfällt das Wild in Stress, weil es die Straße nicht überqueren kann. Da ist viel Vorsicht geboten“, gibt der Jäger einen weiteren Hinweis.

Auch die Angewohnheit mancher Autofahrer Essensreste während der Fahrt aus dem Fenster zu werfen, sei gefährlich. Das ziehe Raubwild an, das dann oft überfahren werde. Darüber hinaus gebe es nicht nur Wildwechsel in Waldgebieten. „Der fängt bereits direkt am Rande der Siedlungen an. Wild kann einem also auch direkt am Ortseingangsschild begegnen“, macht André Schrumpf aufmerksam.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.