Pößneck: Wenn die Samtpfote zum Problem wird

Pößneck.  Um wilde Katzen nicht zur Plage werden zu lassen, investiert die Stadt jährlich mehrere Tausend Euro

Steve Holbach, Mitarbeiter im Ordnungsamt Pößneck, mit einer Lebendfalle, mit der die verwilderten Katzen eingefangen werden.

Steve Holbach, Mitarbeiter im Ordnungsamt Pößneck, mit einer Lebendfalle, mit der die verwilderten Katzen eingefangen werden.

Foto: Theresa Wahl

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Eine Plage sind sie in Pößneck noch nicht, ein Problem aber schon: wilde Katzen. Die Vierbeiner beschäftigen deshalb auch das Ordnungsamt der Stadt, das mit entsprechenden Maßnahmen versucht, Herr der Lage zu bleiben. „Wir haben es uns schon seit vielen Jahren zur Aufgabe gemacht, verwilderte Katzen einzufangen und diese dann kastrieren beziehungsweise sterilisieren zu lassen“, sagt Ordnungsamtsleiter Andreas Blümel. Unterbunden werden soll dadurch, dass die Streuner sich unkontrolliert vermehren und deren Population weiter ansteigt. Allerdings ist das ein recht kostspieliges Unterfangen, das zu Lasten der Stadtkasse geht. In den vergangenen Jahren habe die Stadt jährlich zwischen 5000 und 6000 Euro dafür ausgegeben, wilde Katzen beim Tierarzt behandeln zu lassen. „Eigentlich hätten wir sogar doppelt so viele Kosten gehabt, würde es nicht die Möglichkeit geben, einige Behandlungen über Fördermittel vom Land zu finanzieren“, erklärt Andreas Blümel. Für insgesamt 37 Katzen habe man im vergangenen Jahr in Kooperation mit dem Tierheim Pflanzwirbach, Ortsteil der Stadt Rudolstadt, einen Antrag auf Fördermittel gestellt, um so die Tiere kastrieren beziehungsweise sterilisieren, chippen und markieren zu lassen.

Mit Lebendfallen eingefangen

Damit die wilden Samtpfoten überhaupt zum Tierarzt gebracht werden können, müssen sie erst einmal eingefangen werden. Das passiert mit Hilfe von Lebendfallen, die Ordnungsamtsmitarbeiter Steve Holbach an entsprechenden Stellen platziert. Nach der Behandlung werden die Tiere wieder in ihrem gewohnten Revier ausgesetzt. Denn eine Vermittlung als Hauskatze durch ein Tierheim sei nicht möglich, weil sich die Tiere schlicht nicht anfassen lassen. „Manchmal haben wir allerdings das Gefühl, dass auch Katzen, die eigentlich einen Besitzer haben und dadurch zutraulich sind, zugeführt werden, um diese auf Stadtkosten kastrieren zu lassen. Das wird mittlerweile als Selbstverständlichkeit angesehen“, so Steve Holbachs Erfahrung.

Die wilden Katzen würden sich meist rund um die Gartenanlagen in Pößneck tummeln, etwa An der Altenburg, Kirschplantage und Unter dem Gruneberg. Dort käme es beispielsweise schon einmal vor, dass Leute, die den Sommer mit ihrer Katze in der Laube verbracht haben, diese im Herbst scheinbar vergessen wieder mitzunehmen oder die Lust verlieren, sich um diese zu kümmern. Die Folge sei, dass die zurückgelassenen Tiere verwildern. Sich nicht um sein Tier zu kümmern, ist allerdings strafbar, sagt der Ordnungsamtsleiter mit Verweis auf das Tierschutzgesetz. Weitere markante Stellen, an denen die wilden Vierbeiner unterwegs sind, seien zudem die Griebse sowie der Bereich um den Sonderpostenmarkt in der Saalfelder Straße, vereinzelt hielten sich die Streuner auch in Köstitz und Im Stengelstal auf.

„Wilde Katzen auf gar keinen Fall füttern“

In all den Gebieten gebe es Leute, welche die wilden Katzen füttern. Ein Grund ist Tierliebe. Darüber hinaus hätten viele selbst eine Katze, deren Fressen außerhalb der Wohnung oder des Hauses hingestellt werden. Oftmals würden dann auch die wildlebenden Miezen mit versorgt, die – einmal einen Futterplatz gefunden – immer wieder kommen würden. Weitere Streuner würden folgen, die sich dann rege untereinander vermehren und damit zur Plage werden. Daher rät Andreas Blümel: „Die wilden Katzen auf gar keinen Fall füttern.“

Die Futterplätze würden zudem ein weiteres Problem mit sich bringen, macht Steve Holbach aufmerksam. Denn durch diese würden nicht nur wilde Katzen, sondern auch andere Tiere angelockt, etwa Füchse, Wildschweine und Waschbären. Diese würden dann immer mehr aus dem Rand- ins Stadtgebiet vordringen. Schwierigkeiten, die dadurch entstünden, seien bereits aus anderen Städten bekannt und diese wolle man in Pößneck möglichst vermeiden.

Fütterungsverbot in Erwägung gezogen

So überlege man, in die Ordnungsbehördliche Verordnung der Stadt, ein Fütterungsverbot aufzunehmen, sagt Andreas Blümel. Das würde bedeuten, dass Katzen nur noch in der Wohnung oder im Haus gefüttert werden dürfen, aber nicht mehr im Freien, etwa vor der Haustür oder auf der Terrasse. Ein solches Verbot hätten bereits einige Kommunen ausgesprochen. Ergänzend könnte er sich Ähnliches in den Gartenanlagen vorstellen. „Es wäre schön, wenn in der Satzung von Gartenanlagen entsprechende Regelungen für Verhaltensweisen im Umgang mit Tieren festgelegt werden“, so der Ordnungsamtsleiter.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.