Pößneck: Zwei Schwarzfahrten werden mit einer Unfallflucht gekrönt

Pößneck  Aus dem Gerichtssaal: Einsichtige junge Mutter kommt am Ende mit einem Denkzettel davon

Supermarktparkplatzrempler sind so etwas wie das tägliche Brot der Unfallfluchtermittler. Wegen des unerlaubten Entfernens vom Unfallort kam eine junge Pößneckerin mit einem Denkzettel davon.

Supermarktparkplatzrempler sind so etwas wie das tägliche Brot der Unfallfluchtermittler. Wegen des unerlaubten Entfernens vom Unfallort kam eine junge Pößneckerin mit einem Denkzettel davon.

Foto: Ingo Otto

Schätzungen zufolge, sind auf deutschen Straßen tausende Autos ohne Kfz-Haftpflichtversicherung unterwegs. Wer einen solchen Wagen steuert, macht sich strafbar. Und schon die Folgen eines Bagatellunfalls können teurer sein als jegliche Versicherungsbeitragsersparnis. Diese Erfahrung machte jetzt eine junge Pößneckerin.

Vor einem knappen Jahr war sie mit ihrem unversicherten Auto nur eine kurze Strecke innerhalb von Pößneck-Ost unterwegs. Einem der Läden im Rewe-Center hatte die alleinerziehende Mutter eine Tage zuvor gekaufte Ware zurückgebracht, weil ihr Kleinkind zum Sonnabend krank geworden war und sie nun Spritgeld für die Fahrt in ein auswärtiges Krankenhaus brauchte. Beim Ausparken auf dem Rewe-Parkplatz zerkratzte sie allerdings ein anderes Fahrzeug – und fuhr immer noch unversichert davon. Ein Zeuge meldete die Unfallflucht – und noch am gleichen Tag stand die Polizei in der Tür der jungen Frau.

Einsichtige Angeklagte

Erst einmal erging ein Strafbefehl über eine Geldstrafe von 1950 Euro (65 Tagessätze) und einen neunmonatigen Führerscheinentzug. Gerade noch rechtzeitig legte die junge Frau Rechtsmittel ein und so wurde ihre Geschichte nun vor dem Strafrichter des Amtsgerichtes Pößneck öffentlich verhandelt.

Die Angeklagte räumte die beiden unbestreitbaren Schwarzfahrten und auch den Unfall sofort ein, wobei sie den Vertretern der Justiz weiszumachen versuchte, dass sie den Parkplatzrempler noch gemeldet hätte. „Wenn die Polizei in der Tür steht, dann ist es dafür zu spät“, stellte Richter Dieter Marufke fest. Weil die junge Frau zudem in den Raum stellte, dass das Fahrzeug nur über jenes Wochenende nicht versichert gewesen sei, wurde ihr vom Richter freundlich ans Herz gelegt, von den Ausreden abzusehen, zu welchen sie neige.

Überraschender Zeuge

„Ist denn der Schaden reguliert?“, wollte derweil Staatsanwältin Karola Glöck wissen. „Ja“, antwortete die Angeklagte. 650 Euro hätten gereicht, was angesichts der polizeilichen Sachschadensschätzung von 1000 Euro verwunderte. Noch überraschender war es, als sich mitten in der Verhandlung der Geschädigte vorstellte, um die Erklärung der jungen Frau mit seiner Aussage zu bestätigen.

Letzten Endes hat es sich für die einsichtige junge Mutter gelohnt, Einspruch gegen den Strafbefehl einzulegen. Wegen des Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz in zwei Fällen und des unerlaubten Entfernens vom Unfallort wurde sie zu einer Geldstrafe von 600 Euro (40 Tagessätze) und einem zweimonatigen Fahrverbot verurteilt. Der Richter war gnädiger als die Staatsanwältin, die eine etwas höhere Geldstrafe beantragt hatte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Kein Kavaliersdelikt

„Wer ein Fahrzeug auf öffentlichen Wegen oder Plätzen gebraucht oder den Gebrauch gestattet, obwohl für das Fahrzeug der […] erforderliche Haftpflichtversicherungsvertrag nicht oder nicht mehr besteht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft“, heißt es in § 6 des Pflichtversicherungsgesetzes. Wird eine solche Straftat vorsätzlich begangen, dann kann sogar das Fahrzeug eingezogen werden.