Pößnecker Buchhandlung Am Markt bleibt bestehen

Pößneck.  Für Gabriele Könitzer und Margit Günther ist die Zeit in ihrer Buchhandlung in Pößneck bald vorbei. Ab Mitte Dezember übergeben sie an ihre Nachfolgerin.

Susanne Dalke und Sohn Elias stöberten am Montag noch einmal durch die Buchhandlung Am Markt. 

Susanne Dalke und Sohn Elias stöberten am Montag noch einmal durch die Buchhandlung Am Markt. 

Foto: Caroline Reul

Freundliche Worte gehen aktuell vorrangig über den Ladentisch in der Buchhandlung Am Markt in Pößneck. Wer am Schaufenster vorbeiläuft und dort erschrocken „Räumungsverkauf“ liest, betritt den Laden ungläubig. „Sie schließen?“ – diese Frage müssen Gabriele Könitzer und Margit Günther auch am Montagvormittag häufig beantworten. „Ja, wir hören auf – aber der Laden bleibt bestehen“, können sie beruhigen.

Denn die beiden Frauen, die ihr Geschäft 1992 eröffnet haben und nun in den Ruhestand gehen, haben eine Nachfolgerin gefunden. „Carolin Hehne kam auf uns zu, gleich nachdem wir ein Schild ins Schaufenster gestellt hatten, dass wir jemanden suchen, der hier übernimmt“, erzählt Margit Günther. Vor allem freut sie: „Es geht weiter mit Büchern.“

Das zu hören ist auch Susanne Dalke froh, die am Montag noch einmal in der Buchhandlung vorbeischaut. „Ich bin häufig hergekommen, wenn ich Kinderbücher gesucht habe“, erzählt sie und stöbert mit Sohn Elias durch die Regale. Im Räumungsverkauf finden die beiden einige spielerische Lernhefte.

Am 18. Dezember erfolgt die offizielle Übergabe an die neue Inhaberin, erklären die Buchhändlerinnen. In den Tagen vor Weihnachten will sich Carolin Hehne dann mit ihrem Konzept den Kunden vorstellen. „Ein Vorgeschmack auf das neue Jahr“ heißt es auf einer kleinen Ankündigung, die für die Vorbeiziehenden schon im Schaufenster zu sehen ist.

„Sie wird den Laden dann auch noch renovieren“, verrät Gabriele Könitzer. Und erinnert sich, wie es damals war, als sie und Margit Günther den Sprung gewagt haben. Alle Umbauarbeiten hatten sie selbst vorgenommen. Ein Plakat im Schaufenster zeigt dieser Tage auf alten Fotos, welche Veränderungen diese gebracht haben. „100.000 Mark Kredit haben wir jeder aufgenommen“, erinnern sich die beiden Frauen kopfschüttelnd. Ärgerlich sei gewesen, dass sie den Warenbestand des alten Kunstgewerbes hatten übernehmen müssen. Diese Investition sei ihnen ewig nachgelaufen.

„Aber wir hatten unser eigenes Geschäft - und das ziemlich in der Stadtmitte“, erklären sie, warum sie sich für das Objekt am Markt entschieden haben. Insgesamt seien es schöne Jahre gewesen, mit treuer Stammkundschaft. Diese kommt nun auch noch einmal, um viel Glück für Zukunft zu wünschen.

Dass nun das letzte Jahr durch Corona so merkwürdig verlaufen sei, sei schade. Gerade beim Ticketverkauf, den die Frauen in ihrem Laden auch angeboten haben, hätten sie die Veränderung bemerkt. 2019 seien Eintrittskarten verkauft worden, wie sonst kaum jemals - 2020 haben sie nun das krasse Gegenteil erlebt.

In den nächsten zwei Wochen werden die scheidenden Inhaberinnen nun noch ihre Restbestände veräußern. Der geplante Abschied sorgt dafür, dass die Regale schon ziemlich leer sind. „Bestellungen nehmen wir aber auch noch auf“, sagt Margit Günther.

Bald wird der letzte Arbeitstag herangekommen sein. „Ein wenig unwirklich ist es, dass wir an Heiligabend nicht arbeiten werden und auch an Silvester nicht“, findet Gabriele Könitzer. Sie freut sich auf ein ruhiges Weihnachten, so wie es jeder andere auch feiert und wie sie und Margit Günther es - im Dienste ihrer Kundschaft - fast die letzten drei Jahrzehnte nicht getan haben.