Unternehmer baut Kapelle in Triptis

Triptis  Die Unternehmerfamilie Fliegl hat an der A9 aus persönlichem Antrieb eine Kapelle gebaut. Der Erfurter Weihbischof hat das Gotteshaus in Triptis geweiht.

Auf dem Areal der Firma Fliegl in Triptis wurde die neu errichtete, hauseigene Kapelle an der A 9 von Weihbischof Reinhard Hauke (Bistum Erfurt) geweiht.

Auf dem Areal der Firma Fliegl in Triptis wurde die neu errichtete, hauseigene Kapelle an der A 9 von Weihbischof Reinhard Hauke (Bistum Erfurt) geweiht.

Foto: Martin Lücke

Ostthüringen hat ein neues Gotteshaus – und jeder kann es sehen. Denn die am Dienstagabend bei Triptis vom Erfurter Weihbischof Reinhard Hauke geweihte Kapelle steht in unmittelbarer Nähe der Autobahn 9. Mehrere zehntausend Fahrzeuge passieren diese Stelle an jedem Tag des Jahres.

Mindestens zwei Besonderheiten sind zu nennen: Bauherr der Kapelle ist nicht etwa eine Kirchengemeinde, sondern der Unternehmer Helmut Fliegl, dessen Firma Fliegl Fahrzeugbau GmbH an zwei Standorten in Triptis pro Jahr rund 5000 Lkw-Trailer produziert. Zudem handele es sich laut Weihbischof Hauke bei der Kapelle neben dem Werk II an der Autobahn erst um die zweite privat gebaute Einrichtung dieser Art in Thüringen: „In Olbersleben [Landkreis Sömmerda] hat sich ein ebenfalls aus Bayern stammender Landwirt auf dem eigenen Hof eine Kapelle gebaut.“

Eine Stiftung aus Dankbarkeit

Mit wenigen Worten begrüßte Helmut Fliegl die Gäste vor der Andacht und ging gleich auf die wichtigste Frage ein: Warum? Er sei christlich-katholisch erzogen worden und seine sehr gläubige Großmutter habe immer gesagt: Erst wenn es dir schlecht geht, wirst du wirklich glauben. Während einer schwierigen Zeit habe er sich dann daran erinnert und als alles überstanden war, die persönliche Entscheidung getroffen, diese Kapelle zu bauen, um sich zu revanchieren.

In der Andacht verwies der ­Bischof bei weihrauchschwangerer Luft auf die Bedeutung des Gottvertrauens für den gläubigen Menschen. Die Fliegl-Produkte dienten dem Transport von Lasten und das Tragen einer Last werde nur leichter, wenn einem jemand hilft. „Nicht jeder in Thüringen hat diese Gottesbeziehung“, so Hauke. Er nennt als Beispiele etwa unternehmerische Sorgen hinsichtlich des Erfolgs, der Nachfrage nach Produkten, der steten Entwicklung guter Ideen. Nach katholischem Zeremoniell weihte er sodann die Kapelle.

Als besonderen Gast begrüßten Margit und Helmut Fliegl an diesem Tag auch den Pfarrer aus der oberbayerischen Heimat in Kastl, Landkreis Altötting, Hermann Schächner. Angesichts des lauten, hellen Klangs der eigens gefertigten Glocke im kleinen Turm pries dieser die Kapelle als Ort des Glaubens, des gelebten Zeugnisses. Gemeinsam mit Schächner und einer generationenüberspannenden Reisegruppe war Helmut Fliegl in der Vergangenheit für vier Tage nach Rom gereist. Laut Fliegl hatte man ursprünglich überlegt, die Kapelle weiter hinten im Wald zu errichten, um ein besinnlicheres Umfeld zu haben. Doch dann setzte sich der Gedanke durch, dass die Menschen die Kapelle sehen sollen. Deutschland sei ein christlich geprägtes Land und das will Fliegl auch signalisieren: „Hier sind wir zuhause.“

Diebe haben zugeschlagen

Dazu habe es auch kritische Stimmen gegeben, doch sie haben das Projekt umgesetzt und die Kapelle direkt an der Autobahn von Grund auf bauen lassen. An die Gäste gerichtet hatte Fliegl gesagt: „Die Autobahn ist neben uns. Wir leben davon. Viele schimpfen darüber. Wir finden es cool.“

Auf die Frage, welches Zeichen jemand setzt, der sich eine Kapelle baut, antwortete Weihbischof Reinhard Hauke: „Dankbarkeit. Viele Stiftungen in der Geschichte erfolgten aus diesem Grund.“ Dennoch sei dies in dieser Gegend etwas ganz Besonderes.

Das hat kriminelle Zeitgenossen nicht davon abgehalten, sich den Kapellenneubau vorzuknöpfen. Plötzlich waren die Kupferdachrinnen verschwunden. Gestohlen von Buntmetalldieben, die auch vor einem künftigen Gotteshaus nicht Halt machen. Nun zieren Varianten aus Holz das Dach und verleihen dem Häuschen einen besonders rustikalen Look. Auch im Inneren dominieren Holz und spartanische Einrichtung.

Kapelle steht allen offen

Das Wort Häuschen trifft es gut, denn laut einem Bauverantwortlichen gab es zunächst Schwierigkeiten, im Außenbereich eine Baugenehmigung zu erhalten. So sei das Gebäude zunächst als Wartehäuschen deklariert worden. Ansonsten galt es, bauübliche Hindernisse zu überwinden, fuhr der Mann fort. Nach einem Vermessungsfehler musste bei Baubeginn alles noch etwas verrückt werden. Baumaterialien waren nicht immer ideal. Das Glockentürmchen wurde zweimal umgeplant. „Meistens kommt es anders, als man denkt“, nannte der Mann mit einem Schmunzeln eine Gewissheit des Bauens.

Und für wen ist die Fliegl-Kapelle an der A 9 bei Triptis nun eigentlich gedacht? Als Autobahnkirche? Für Fernfahrer? Das würde angesichts des Trailer-Geschäfts der Fliegls schließlich einleuchten.

Nein. Die Kapelle stehe allen Interessierten aus Triptis und darüber hinaus offen. Laut Margit Fliegl plane man, die Kapelle zunächst über den Sommer an Samstagen und Sonntagen zwischen 14 und 16 Uhr zu öffnen. Damit die Menschen sich einen Eindruck verschaffen, zur Ruhe kommen, beten können.

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