Regelschule Pößneck: Ältere und jüngere Schüler profitieren voneinander

Pößneck.  Die Pößnecker Regelschule Professor-Franz-Huth führt als erste weiterführende Schule im Landkreis altersgemischte Klassen ein.

In dieser altersgemischten Gruppe, Kernstufe II, lernen 12- bis 15-Jährige an der Regelschule in Pößneck zusammen.

In dieser altersgemischten Gruppe, Kernstufe II, lernen 12- bis 15-Jährige an der Regelschule in Pößneck zusammen.

Foto: Marcus Cislak

Die Herbstferien stehen unmittelbar vor der Tür. Zeit um eine kleine Bilanz in der Regelschule Professor-Franz-Huth zu ziehen. Denn seit Beginn des Schuljahres lernen – bislang einmalig im Saale-Orla-Kreis – altersgemischte Gruppen in der weiterführenden Lernanstalt. Das neue Konzept weicht also das eher starre Klassenverbandssystem mit annähernd Gleichaltrigen auf.

Die vormals als fünfte und sechste Klasse bekannte Jahrgangsstufe lernt zusammen (Orientierungsstufe) und die siebte und achte (Kernstufe), aufgeteilt in jeweils vier Gruppen. Die Abschlussjahrgänge sind von dem System bislang ausgenommen, damit die Jugendlichen sich auf das Wesentliche konzentrieren können – ihre Prüfungen. Das mit der Ankündigung zur Umstellung nicht alle Hurra schrien, kann man sich leicht vorstellen.

Während seit vielen Jahren flächendeckend Kindergärten die Altersmischung erfolgreich praktizieren, stecken die Grundschulen (wir berichteten) und weiterführenden Schulen bei diesem Konzept noch sprichwörtlich in den Kinderschuhen. Das System, das im frühkindlichen Alter die Jungen und Mädchen schon prägt, kann so konsequenter weitergeführt werden.

Das sagt die stellvertretende Elternsprecherin Nicole Hofmann. Sie und ihr Kind haben Erfahrungen in der Grundschule Pößneck-Ost sammeln können. „Als es kurz vor den Sommerferien bekannt wurde, hatten viele Eltern Angst, dass die Jüngsten in den Orientierungsstufen nicht mitkommen“, ergänzt Jennifer Kahle, Elternsprecherin der Schule.

Die Befürchtungen hätten sich in den vergangenen Wochen schnell zerstreut. „Es gab keine negativen Stimmen mehr“, spricht Kahle auch für Hofmann. Deren Kinder hätten sogar deutlich mehr Freunde in den verschiedenen Altersstufen gefunden.

Kritische Personallage, Lernen unter Pandemie-Bedingungen, Unterricht mit digitaler Technik und die Verbesserung des selbstständigen Arbeitens nennt Schulleiterin Silke Kühne die derzeitigen Herausforderungen, die zu der Umstellung führten. Obgleich einige neue Elemente schon seit Jahren immer wieder eine Rolle spielten.

Ziel der Umstrukturierung sei es deshalb, eine neue Schul- und Lernkultur, die die individuelle Lernkompetenz der Schüler sowie die Lehrkompetenz und Kooperation der Pädagogen grundsätzlich erhöht, zu schaffen.

Schüler sind zufrieden

„Das stärkt die Gemeinschaft, man hilft sich gegenseitig. Jüngere und Ältere lernen voneinander. Es werden individuelle Lernziele formuliert. Zum Teil werden unterschiedliche Aufgaben gelöst, zum Teil gemeinsam“, zählt sie auf. Schwächere Schüler – „klassische Sitzenbleiber“ – stechen weniger heraus, werden integriert. Und sie ergänzt noch etwas Wichtiges: „Es hilft auch, Konflikte zu entschärfen.“

In der Praxis sieht das zum Beispiel so aus: In einer Gruppe, die Kernstufe II, bestehend aus 22 Schülern, lernen 12- bis 15-Jährige zusammen. In einer Doppelstunde im Fach Deutsch ist am Donnerstagmorgen „Einführung Argumentation“ das Thema. Ausgewählte Texte, die sich mit der Notwendigkeit von Zootieren beschäftigen, haben die Schüler gelesen und sammelten selbstständig Argumente dafür und dagegen, brachten die Ergebnisse zu Papier und präsentieren das als Teamarbeit den Mitlernenden in der Gruppe.

Augenscheinlich kommen die Schüler gut mit der neuen Situation klar. „Ich finde es besser als vorher, man lernt besser“, sagt die 13-jährige Selina Zille. Sie lernt von anderen, auch von Älteren. Gedanken habe sie sich im Vorfeld der Umstellung nicht gemacht, hat es auf sich zukommen lassen, wie sie sagt.

Auch Lee Wacker fühlt sich im neuen Gruppenverband wohl. „Im vergangenen Schuljahr ist viel an Lernstoff ausgefallen“, bezieht er sich auf den Lockdown und das Homeschooling, „jetzt kann ich den Stoff aus der Siebten und Achten gut wiederholen“, ist er zufrieden.

Das Konzept: Doppeljahrgangsstufen 5/6 und 7/8, Praxisklasse in Jahrgangsstufe 7/8, 90-minütige Unterrichtsblöcke, tägliche Freiarbeitstunden für Selbstreflexives, Führen eines Logbuch (erweitertes Hausaufgabenheft). Lehrer arbeiten in richtungsbestimmenden Stufenteams, bessere Vernetzung mittels Konferenzen.