Saale-Orla-Kreis wappnet sich für Afrikanische Schweinepest

Pößneck/Schleiz.  Das Risiko eines Ausbruchs der Tierseuche in Deutschland ist nach wie vor hoch.

Vor dem Hintergrund der Bedrohung durch die Afrikanische Schweinepest sind auch die Jäger zu Wachsamkeit und jagdlichen Anstrengungen aufgerufen.

Vor dem Hintergrund der Bedrohung durch die Afrikanische Schweinepest sind auch die Jäger zu Wachsamkeit und jagdlichen Anstrengungen aufgerufen.

Foto: Jonas Berger

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Die Gefahr eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland besteht fort. Allein im Januar verzeichnet das Friedrich-Loeffler-Institut als Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit bisher insgesamt 327 Fälle im Baltikum, in Belgien und in Ost- und Südosteuropa.

Vor diesem Hintergrund laufen auch im Veterinäramt des Saale-Orla-Kreises seit Monaten umfangreiche Vorbereitungen, um im Falle eines Nachweises des für den Menschen ungefährlichen, aber für infizierte Tiere tödlichen Virus umgehend und zielgerichtet reagieren zu können.

100-prozentige Sicherheit gibt es nicht

Lutz-Peter Klendauer, der Leiter des Fachdiensts Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung, beschreibt zwei mögliche Szenarien für den Landkreis. So könne eine kontinuierliche Ausbreitung des Virus aus Polen über Sachsen oder Brandenburg/Sachsen-Anhalt in den Saale-Orla-Kreis erfolgen. „Bei einem Ausbruch an der deutsch-polnischen Grenze werden umfangreiche Maßnahmen unternommen, um eine Weiterverbreitung der ASP zu verhindern. Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es dafür leider nicht.“

Das zweite Szenario betrifft die Infektion hiesiger Wildschweine durch infektiöse Speiseabfälle. „Die sogenannte Wurstbrotinfektion.“ In Rohwurst oder Speck bleibe das Virus über viele Monate infektiös. Ein weggeworfenes Wurstbrot – etwa durch Lastwagenfahrer aus einem betroffenen Land – könne hier jeden Tag die Seuche ausbrechen lassen.

Auch Drohneneinsatz istin Vorbereitung

Die große Schwierigkeit bestehe in der schnellen Entdeckung der Infektion. Nur ein relativ kleiner Anteil von circa 30 Prozent der Wildschweinpopulation infiziere sich mit dem Virus. Die Tiere verendeten dann aber nicht sofort zum Beispiel in einsehbaren Bereichen entlang von Feldwegen. „Die Erfahrungen aus den Ausbruchsgebieten zeigen leider, dass sich viele der infizierten Wildschweine noch zum Sterben in ihren Kessel oder ins Unterholz zurückziehen können und dort sterben“, erläutert Klendauer.

In dieser Hinsicht sei etwa eine erhöhte Wachsamkeit durch die Jägerschaft zum Auffinden von Fallwild, also verendeten Tieren gefragt. „Mit der Bereitschaft zur Unterstützung sind wir sehr zufrieden. Zum Beispiel hat der Staatsforst von Neustadt an der Orla an diesem Montag ein 60 Kilogramm schweres Wildschwein geborgen, so dass wir sehr schnell und unkompliziert die notwendige Untersuchung einleiten konnten“, hält er fest. Für eine solche Bergung erhielten Jäger in Absprache mit dem Fachdienst eine Aufwandsentschädigung von 50 Euro.

Ferner habe es im Oktober 2019 mit dem Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz (TLV) eine dreitägige Tierseuchenübung gegeben. In 2020 seien zwei weitere Übungen mit den Veterinärämtern geplant. Ebenfalls sei über das TLV eine mögliche Begrenzung des „zentralen Kerngebiets“ eines Ausbruchs durch ein Zaunsystem vorbereitet, außerdem laufe die Erprobung von angeschafften Wildschweinfallen. Das Land bereite demnach ebenfalls den Einsatz professioneller Drohnen mit Wärmebildkamera zum Auffinden toter Tiere, die Ausbildung von Kadaverspürhunden und die personelle Unterstützung bei der Kadaversuche vor.

Leichensäcke, Bergeschlitten, Fässer beschafft

In den vergangenen Jahren habe es drei Schulungsveranstaltungen für Jäger und Landwirte gegeben. Zudem wurde spezielle Ausrüstung für den Fall eines Seuchenalarms beschafft: Zwei Bergeschlitten, Verpackungs- und Transportmaterial zur Versendung von Tierkörpern und Proben an das Untersuchungsamt in Bad Langensalza, Leichensäcke mit einer Belastbarkeit bis 150 Kilogramm und Transportfässer, die sich so verschließen lassen, dass kein infektiöses Material entweichen kann. Hinzu kommen unter anderem Hygiene-Gummistiefel ohne Profil zur effektiveren Desinfektion sowie die Aufstockung des Bestandes an Schutzanzügen und Schilder zur Kennzeichnung der Seuchengebiete. Der Fachdienstleiter unterstreicht, bisher hätten diese Investitionen aus dem Haushalt der Behörde realisiert werden können und für den Landkreishaushalt keine zusätzlichen finanziellen Belastungen verursacht.

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