Schleiz mit wenig Hoffnung auf Pokalsensation gegen FC Carl Zeiss

Schleiz  Gerade weil der FC Carl Zeiss Jena mit dem Rücken zur Wand steht, wird es aus Sicht von Roger Fritzsch für den Außenseiter im Thüringenpokal besonders schwer. Der Trainer des FSV Schleiz im Interview.

Der FSV Schleiz mit Trainer Roger Fritzsch zählt zu den besten Teams der Landesklasse, Staffel 1. Eine ganz andere Hausnummer ist da aber der vier Liga höher spielende FC Carl Zeiss Jena.

Der FSV Schleiz mit Trainer Roger Fritzsch zählt zu den besten Teams der Landesklasse, Staffel 1. Eine ganz andere Hausnummer ist da aber der vier Liga höher spielende FC Carl Zeiss Jena.

Foto: Alexander Hebenstreit

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Für den Verein ist es das Spiel des Jahrzehnts, für einen Großteil der Aktiven das Spiel des Lebens. Im Thüringer Landespokal zog der FSV Schleiz das Traumlos FC Carl Zeiss Jena, über das man sich in der Rennstadt wohl mindestens so freute, wie der FCC als er 2016 im DFB-Pokal den FC Bayern München zugelost bekam. Am Freitagabend ist es soweit, wenn es – wie so oft im Pokal – David gegen Goliath heißt.

Im Vorfeld der Partie sprach FSV-Trainer Roger Fritzsch über die sportliche Mammutaufgabe gegen Thüringens angeschlagene Nummer eins sowie das Zusammenspiel von Kopf und Fuß und blickte noch einmal kurz auf den erfolgreichen Start seiner Elf zurück.

Über 500 Zuschauer sahen den Ligaauftakt des FSV Schleiz gegen den SV Moßbach. Sie meinten im Vorfeld, dass sie die Rivalität beider Vereine nicht einschätzen können. Nun gab es einen ersten Eindruck. Wie war’s?

Ich fand es trotz aller Nickligkeiten sehr fair. Wie schon letzte Saison gegen Neustadt, Bad Lobenstein und Zeulenroda war auch dieses Spiel in absolut fairem Rahmen. Aus Sachsen kenne ich es, dass es in Derbys schon straffer zugeht.

Im Spiel selbst kam der FSV dank des Siegtors in der Nachspielzeit mit einem blauen Auge davon. Wie schätzen Sie die Leistung Ihrer Elf ein?

Ganz so negativ sehe ich es nicht. Wir haben ein sehr schlechtes Spiel gemacht, waren aber trotzdem über 90 Minuten aktiv. Wir hatten Glück, dass wir nicht in Rückstand geraten, aber man muss der Mannschaft zugutehalten, dass sie über die komplette Spielzeit agierte, während Moßbach nur reagierte. Dass es im ersten Saisonspiel vor so einer Kulisse schwierig wird, hatte ich der Mannschaft schon vorher mitgeteilt. Es ist ein Auftaktspiel, keiner weiß, wo er steht, Moßbach hat nichts zu verlieren, während alles außer ein Sieg für uns wie eine Niederlage wäre.

Also drei Punkte eingefahren und damit ist alles gut?

Genau.

Anders sieht es beim kommenden Gegner, dem FC Carl Zeiss Jena aus, der nach vier Spielen ohne Punkte dasteht.

Ich habe mir das Spiel der Jenaer in Zwickau angesehen und meiner Meinung nach haben sie ein sehr gutes Spiel gemacht und sehr, sehr unglücklich verloren. Dass die Niederlagenserie trotzdem Druck auf die Mannschaft ausübt, ist klar, aber es war am Sonntag einfach unverdient.

Hat das auch Auswirkung auf das anstehende Pokalspiel Ihrer Mannschaft mit dem Drittligisten?

Definitiv. Ich denke schon, dass am Freitag die besten Jenaer spielen werden. Sie müssen sich ein Stück weit frei machen und brauchen Erfolgserlebnisse. Das wollen wir versuchen, ihnen so schwer wie möglich zu machen.

Also schließen Sie aus, dass der Gegner den FSV unterschätzt?

Definitiv. Einfach aus dem Grund, weil sie den Erfolg brauchen und nicht frei aufspielen können. Es sind zwar drei, vier, fünf Ligen Unterschied, aber in dieser Situation können sich weder Trainer noch Mannschaft erlauben, die Partie auf die leichte Schulter zu nehmen.

Es sind genau vier Ligen, die der FCC höher spielt. Kommt es bei so einem Qualitätsunterschied noch mehr auf Sie als Trainer an, als in einem normalen Ligaspiel?

Das ist schwierig. Ich denke, bei einem Ligaspiel habe ich mehr Einfluss, weil der individuelle Unterschied nicht so extrem ist. Jetzt geht es um Dinge, die eher den Kopf betreffen. Insofern denke ich, dass es in einem normalen Ligaspiel wichtiger ist, wie man die Mannschaft aufstellt. Es ist etwas ganz Besonderes für die Jungs und den Verein und da geht es vor allem um Sachen, die sich im Kopf abspielen, und weniger das Fußballspezifische und die Taktik, weil man sich da einfach nicht mit dem Gegner vergleichen kann.

Sehen Sie denn irgendeinen fußballerischen Bereich, in dem Schleiz dem FCC ebenbürtig sein kann?

Nein.

Der Pokal war in den letzten Jahren nicht gerade eine Schleizer Stärke. Fünfmal in Folge war bereits in der ersten Runde Schluss, der Fokus galt dem Ligaspielbetrieb. Wie wichtig sind Ihnen als Trainer Pokalwettbewerbe?

Extrem wichtig. Du kannst ein Spiel einfach leben, es gibt auf jeden Fall einen Sieger und einen Verlierer. Der Pokal ist für mich etwas Außergewöhnliches und schöner als der Punktspielalltag. Gerade solche Vergleiche wie am Freitag sind für den Verein gut, für das Umfeld und für jeden einzelnen Spieler.

Rein hypothetisch: Der FSV Schleiz tritt zu 100 Pflichtspielen gegen den FC Carl Zeiss Jena an. Wie viele davon gewinnen die Rennstädter?

Keins.

Gar keins? Sehen sie trotzdem eine minimale Chance?

Die gibt es, aber ich werde im Interview nicht unser geplantes Vorgehen benennen. Es gibt eine minimale Chance und alles Weitere werden wir am Freitag sehen.

Spannen wir noch einmal den Bogen zur Vorwoche: Hat da der SV Moßbach vorgemacht, wie der FSV Schleiz gegen Jena agieren wird?

Nein. Moßbach hat es zwar sehr gut gemacht, aber sehr destruktiv Fußball gespielt. Sie konnten gegen uns einfach leicht verteidigen. Das werden wir nicht können. Wir werden irgendwo auch Aktivität ins eigene Spiel bringen müssen, um Jena ordentlich Paroli zu bieten. Ob uns das gelingt, steht in den Sternen.

Gehen wir einmal vom Idealfall aus: Könnte das Ergebnis im Falle eines FSV-Siegs nur ein dreckiges 1:0 sein oder würden Sie ihrer Elf sogar mehr Tore gegen den Drittligisten zutrauen?

Die Frage ist, wie oft wir überhaupt ins letzte Drittel des Gegners kommen. Ich kann mir vorstellen, dass uns das gelingen wird, wie oft ist aber schwierig zu beantworten. Wir werden auf jeden Fall aktiv sein und nicht nur in der eigenen Hälfte stehen. Ich denke jede Minute, in der sie nicht führen, lässt die Jenaer nervöser werden. Das wissen wir, das wissen sie aber auch selbst.

Haben Sie ein Wunschergebnis?

Das wäre natürlich ein Sieg für Schleiz. Wie das dann zustande kommt, ist egal. Aber lassen Sie uns erst einmal ein gutes Spiel machen und dann sehen wir weiter.

Thüringen-Pokal: FSV Schleiz – FC Carl Zeiss Jena Anstoß Freitag 18 Uhr, Am Fasanengarten, Schleiz

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