Pößnecker Schülerinnen haben Idee für einen Hundeführerschein

Pößneck.  Zwei Schülerinnen aus Pößneck haben eine Idee, wie Allgemeinheit geschützt, Tierwohl gewahrt und Hundehaltern geholfen werden kann.

Marie-Luise Rauh, Hundetrainerin Simone Kreß und Lilou Amalia Schilling (von links) mit dem Labradorrüden Jasper. 

Marie-Luise Rauh, Hundetrainerin Simone Kreß und Lilou Amalia Schilling (von links) mit dem Labradorrüden Jasper. 

Foto: Foto: Marie-Luise Rauh (Selbstauslöser)

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Immer wieder werden Menschen von Hunden angegriffen und immer wieder deshalb, weil Frauchen oder Herrchen ihren Vierbeiner nicht im Griff haben. Mit diesem Problem rund um das zweitbeliebteste Haustier in Deutschland gehen die Bundesländer sehr unterschiedlich um, etwa indem sie per Gesetz gefährliche von vermeintlich ungefährlichen Hunden unterscheiden. Eine solche Regelung wurde in Thüringen vor knapp zwei Jahren abgeschafft, weil Aggressivität und Rasse bei Hunden nicht in einem Zusammenhang stehen, sagen Marie-Luise Rauh und Lilou Amalia Schilling. Was kann man aber tun – zum Schutz der Allgemeinheit, im Sinne des Tierwohls und zur Unterstützung der Hundehalter?

Eine ausführliche Antwort legen die beiden Zwölftklässlerinnen des Gymnasiums „Am Weißen Turm“ Pößneck mit ihrer am Mittwochmorgen vorgestellten und verteidigten Seminarfacharbeit vor. Konkret schlagen sie die Einführung eines amtlichen, verpflichtenden, rasseunabhängigen und am besten bundeseinheitlichen Hundeführerscheins vor.

Beratung schon vor dem Kauf und Hundeschule

Marie-Luise Rauh und Lilou Amalia Schilling zufolge, sollte der Weg zum Hundeführerschein schon vor der Anschaffung eines Tieres beginnen. In einem Beratungsgespräch mit einem zertifizierten Hundetrainer sollte erst einmal geprüft werden, ob der Interessent überhaupt Zeit, Platz und die Mittel für einen Hund hat.

Die weiteren Phasen wären ein Theoriekurs mit Prüfung und der Besuch einer Hundeschule mit dem angeschafften Tier. Am Ende sollen Frauchen und Herrchen einen Schein erhalten, der sie als staatlich anerkannter Hundeführer ausweist.

Ihre Idee testeten die beiden 17-Jährigen in einer Umfrage unter Besitzern und Nichtbesitzern von Hunden, welche bei insgesamt 92 auswertbaren Fragebögen ergab, dass beide Gruppen mit großen Mehrheiten von um die 90 Prozent einen Hundeführerschein grundsätzlich befürworten würden. Der Teufel steckt allerdings im Detail.

Die Schülerinnen haben nämlich auch ausgerechnet, was die Schulung mit allem Drum und Dran kosten würde, und sie kamen auf einen Preis von etwa 455 Euro. Bei diesem Betrag hört die Freundschaft für 75 Prozent aller Hundeführerschein-Befürworter auf.

Warum das zu teuer sein soll, können die beiden Schülerinnen nicht ganz nachvollziehen. Wer sich einen Hund zulege, gehe doch grundsätzlich von dauerhaften Kosten aus. Unterm Strich bleibt es Aufgabe der Gesellschaft festzustellen, was man sich zum Schutz von Mensch und Tier leisten kann, will oder muss. Ihre Gedanken habe die Abiturientinnen schon mal der Landesregierung schriftlich vorgelegt. Das war im November. Eine wie auch immer geartete Reaktion sei bis zum Seminarfachkolloquium leider nicht eingegangen.

Den Prüfern war die Ausarbeitung jedenfalls eine 1 wert. Und die Abiturientinnen wollen Mittel und Wege suchen, um weiter für Idee zu werben.

Hilfe zur Selbsthilfe auf einer neuen Internetseite

In diesem Sinne haben Marie-Luise Rauh und Lilou Amalia Schilling ihre Vorschläge ins Internet gestellt. Auf einer im Zuge der Seminarfacharbeit entwickelten Seite haben sie nicht nur reichlich Informationen rund um den Hund zusammengetragen. In einer Checkliste haben sie auch aufgeschrieben, woran Menschen schon vor der Anschaffung eines solchen Tieres denken sollten.

Lilou Amalia Schilling aus Ziegenrück habe schon immer einen Hund im Haus gehabt, sagte sie. Und Marie-Luise Rauh aus Pößneck will sich einen anschaffen, sobald sie ihr eigenes Geld verdient.

Die beiden Seminarfacharbeiterinnen wurden von der Hundetrainerin Simone Kreß (Hundeschule Canis Amicus Großpürschütz) fachlich betreut. Außerdem hatten sie die Krölpaer Tierärztin Ariane Blöthner befragt.

Drei Fragen an Steffen Heerwagen, Leiter des Gymnasiums „Am Weißen Turm“ Pößneck.:

Am Pößnecker Gymnasium verteidigt der Abi-Jahrgang 2020 in diesen Tagen seine Seminarfacharbeiten. Wie viele Schüler schwitzen denn in diesen Prüfungen?

59 Schülerinnen und Schüler stellen vierzehn Prüfern insgesamt 21 Arbeiten vor. Für die Jugendlichen ist es der Höhepunkt eines zweijährigen Prozesses. Die oft aufwendig präsentierten Seminarfacharbeiten können eine mündliche Abiturprüfung ersetzen.

Womit beschäftigen sich die Schüler?

Die Themen sind auch in diesem Jahr sehr vielfältig und interessant. Sie reichen von A wie Alzheimer-Demenz bis Z wie „Zeitlicher Wandel der Sankt-Veits-Kapelle zu Wernburg“. Schüler stellten das Mindesthaltbarkeitsdatum in Frage, experimentierten zum akustischen Dopplereffekt und verfolgten den Weg der Bio-Milch von der Weide bis zur Molkerei. Viele Seminarfachgruppen kooperierten mit Zeitzeugen, Vereinen und Firmen der Region, um einen Blick über die Grenzen der Schule hinaus ins Leben zu werfen. Ich bedanke mich bei allen Außenbetreuern, die unsere Schüler bei ihren Recherchen umfangreich unterstützten.

Wie kommt die Allgemeinheit in den Genuss der Informationen?

Unsere Lokalzeitung, die OTZ, berichtet ja seit vielen Jahren über die vielfältigen Arbeitsergebnisse von Schülern aus den Gymnasien der Region. Gern können Interessierte die Pößnecker Seminarfacharbeiten der letzten 20 Jahre in unserer Schulbibliothek einsehen oder die Zusammenfassungen in Flyern nachlesen.

https://mein-zukuenftiger2.wixsite.com/hund

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