Schwein ist nicht gleich Schwein

Im Orlatal spüren die Landwirte die Pandemie indirekt

Gunnar Jungmichel

Gunnar Jungmichel

Foto: Dominique Lattich

Von Marcus Cislak

Ludwigshof/Oppurg. Die beiden großen Landwirtschaftsunternehmen des Orlatals zeigen sich insgesamt zufrieden mit dem Jahr 2020. Sowohl die Pflanzen- als auch Tierproduktion waren erfolgreich, Dank guter klimatischer Rahmenbedingungen, sind sich Gunnar Jungmichel von der Agrarprodukte Ludwigshof und Matthias Schein von der Landgenossenschaft Oppurg einig. Wie so oft steckt bei näherer Betrachtung der Teufel im Detail. „Wir liegen zwei Schweine-Schlachtungen hinterher“, sagt Jungmichel. Die Schlachthöfe haben derzeit keine Kapazitäten mehr, kommen nicht hinterher. Deshalb stehen die Tiere länger als üblich in den heimischen Ställen. Das verursacht Mehrkosten für die Bauern. Zudem werden die Schweine zu groß und zu schwer. Die Abnehmer bezahlen deshalb deutlich weniger für die Tiere als üblich. Dabei lag der Preis pro Kilogramm schon vor wenigen Tagen lediglich bei 1,19 Euro für ein „perfektes Schwein“. „Durchschnittlich kann man davon ausgehen, etwa 1,12 Euro zu erhalten“, relativiert Schein. Bei 130 Kilogramm schweren Schweinen – gefordert sind 98 – sei schon ein Verlust von etwa 60 Cent pro Kilogramm zu erwarten.

Eigentlich habe 2020 erfreulich begonnen: „2,02 Euro pro Kilogramm“, so Schein, „wir haben gejubelt. Doch innerhalb eines viertel Jahres brach der Preis ein.“ Coronabedingt sank dieser stark und die Schlachthöfe haben mit starken Personalengpässen zu kämpfen. „Hinzu kam die Afrikanische Schweinepest. China gab deshalb ein Importverbot heraus“, sagt Jungmichel. Dem exportorientierten Handel mit Schweinen fehlt also ein weiterer wichtiger Absatzmarkt. Und: „Die heimische Gastronomie ist zu, Dorffeste fehlen, Urlaube kaum möglich“, gibt er weitere Gründe für einen Nachfrageeinbruch an. Es sei kaum zu erwarten, dass sich der Trend umkehrt, eher weiter fortsetzt. „Man kann sagen, wir spüren die Auswirkungen der Pandemie indirekt. Eigentlich fast gar nicht durch kranke Mitarbeiter. Wir sind abhängig von den Märkten“, fasst es Jungmichel zusammen.