SonneMondSterne 2019: Unterwegs mit dem medizinischen Notfallzentrum

Saalburg  Am Beginn der heutigen Festival-Ambulanz stand vor vielen Jahren lediglich ein „Bastei“-Wohnanhänger. 172 medizinische ehrenamtliche Helfer waren im Einsatz.

DRK-Einsatzleiter Hartmut Jacobi.

DRK-Einsatzleiter Hartmut Jacobi.

Foto: Peter Hagen

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„Nein, das gab‘s noch nicht“, lacht Hartmut Jacobi bei der Frage, ob während des Festivals in Saalburg schon mal ein Kind das Licht von Sonne, Mond und Sterne erblickt hat. Der DRK-Einsatzleiter lässt aber keinen Zweifel daran, dass man selbst für einen solchen Fall gut gerüstet wäre.

172 medizinische Helfer ehrenamtlich im Einsatz

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Hauptportal des Partygeländes, auf dem nachts weithin „XXIII.“ blinkend verkündet, dass es dieses Festival in­zwischen seit 22 Jahren gibt, befindet sich das medizinische Notfallzentrum. Ausgerolltes weißes Vlies hebt das Areal vom staubigen Gelände ringsum ab. Hier ließe es sich vom Boden essen, so der Eindruck. Rund um die Uhr herrscht ein Kommen und Gehen. Ständig rücken Rettungswagen mit Blaulicht aus. Auf den Beinen schwache Gäste werden ins große Zelt zur Liege begleitet. Die Funkgeräte haben kaum eine Pause. Und trotzdem ist das alles Routine. Normal in einem Zeltdorf mit zeitweilig 40.000 Bewohnern.

Mit deutlich weniger Aufwand lief das vor vielen Jahren an, als das DRK erstmals mit einem „Bastei“-Wohnwagen vor Ort kam. Doch die anfängliche Besucherzahl von 2500 wuchs mit jedem zweiten August-Wochenende im Jahr, an dem „SonneMondSterne“ seit 1997 stattfindet.

Inzwischen macht es das DRK wie die meisten Festivalbesucher: Von Mittwoch bis Montag ist man präsent und das Equipment immer umfäng­licher. „Es gibt einen Container für die ambulante Versorgung. Dort werden beispielsweise Schnitt- und Platzwunden behandelt oder Verbände angelegt“, erklärt Hartmut Jacobi das Innenleben der Festival-Ambulanz. In einem Doppel-Container, angenehm klimatisiert, befindet sich das „Medical-Center“. Dort sind „minimalinvasive“ Behandlungen möglich, wie es der medizinische Fachmann beschreibt. Gemeint sind damit kleinere operative Eingriffe wie das Nähen von Verletzungen, das Anlegen von Infusionen oder die schmerzstillende Versorgung von Patienten. Zudem werden hier jene Patienten stabilisiert, wenn sie zur weiteren ­Behandlung schwererer Verletzungen ins Krankenhaus ein­zuliefern sind.

Dann gibt es noch ein großes Patientenzelt, ausgestattet mit 35 Liegen, in dem der meiste ­Betrieb herrscht. Dort kommen jene Patienten zur Ruhe, die beispielsweise unter Dehydrierung leiden oder eine allergische ­Reaktionen erlitten haben.

Ein kompletter Container dient als Büro. Denn lückenlos wird die Arbeit der Helfer von DRK und Johanniter erfasst. „Die Dokumentation ist wichtig, um jederzeit feststellen zu können, welche Patienten wir hier behandelt haben“, erwähnt Hartmut Jacobi den bürokratischen Aufwand, der neben der medizinischen Arbeit ansteht.

An den vier Tagen sind 172 medizinische Helfer im Einsatz, pro Zwölf-Stunden-Schicht rund 25 Leute. Darunter stets zwei bis drei Ärzte. „Alle, die hier beim Festival dabei sind, machen das ehrenamtlich“, ­betont Hartmut Jacobi. Auch jene, die beruflich beim Rettungsdienst arbeiten, oder die Ärzte nehmen ihre Freizeit und sogar Urlaub für den SMS-Dienst in Anspruch. „Der Regel-Rettungsdienst im Saale-Orla-Kreis wird durch das Festival nicht tangiert“, ist von Hartmut Jacobi zu erfahren. Das heißt, niemand muss fürchten, dass womöglich alle Notärzte und Sanitäter beim Festival sind, wenn im Orlatal ein Unfall passiert. Auch die tags vier und nachts fünf Rettungswagen, die für Saalburg bereitstehen, werden nicht aus dem alltäglich üblichen Notfall­system abgezogen. Gleiches gilt sogar für die Wasserwacht: ein Team versieht den üblichen Dienst am Stausee, ein anderes Team hat den speziellen Blick auf den SMS-Badestrand.

Die Mehrzahl der Festival­besucher weiß die Arbeit der Helfer zu schätzen, hat Hartmut Jacobi festgestellt. „Es gab noch keinen Fall von Gewalt gegen unsere Leute. Lieber möchte man ein Selfie machen.“ Kann es einen schöneren Lohn geben, als wenn immer mal zu hören ist: „Ihr macht einen tollen Job!“?

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