Sorgen um medizinische Versorgung im ländlichen Raum

Schleiz  Viele der rund 100 Gäste der Diskussionsrunde „Klartext mit Jens Spahn“ am Montagnachmittag in Schleiz kritisieren das Gesundheitswesen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (rechts) und der Landtagsabgeordnete Stefan Gruhner bei einer Diskussionsrunde am Montagnachmittag in Schleiz.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (rechts) und der Landtagsabgeordnete Stefan Gruhner bei einer Diskussionsrunde am Montagnachmittag in Schleiz.

Foto: Peter Cissek

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Der Chirurg legt den Finger in die Wunde“, sagte der in Bad Lobenstein praktizierende Mediziner Allam Hanna, als Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf Einladung des Landtagsabgeordneten Stefan Gruhner (alle CDU) am Montagnachmittag in Schleiz weilte. Hanna meinte, dass die Bürokratie den schönen Medizinerberuf krank gemacht habe.

Viele der rund 100 Gäste der Diskussionrunde nahmen das Motto „Klartext mit Jens Spahn“ im Saal der Schleizer Werkstätten der Lebenshilfe ernst und äußerten mit ihren Fragen gleichzeitig Kritik am derzeitigen Gesundheitswesen. Judith Weise, die mit ihrer Tochter einen ambulanten Pflegedienst betreibt, beklagte, dass die Kollegen der Diakonie ein Drittel höhere Erlöse für die gleichen Tätigkeiten hätten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Schleiz

„Die Punktwerte für die Kleinpflegedienste in Thüringen, die keine Lobby haben, sind eine Katastrophe. Wir können gute und ältere Pflegekräfte nicht halten. Denn wir können nur bezahlen, was wir einnehmen. Und das ist das Wenigste in ganz Deutschland. Wieso haben die AOK und die Pflegekasse so eine Macht?“ Wenn man wolle, dass Pflegebedürftige im ländlichen Raum in ihren Wohnungen alt werden sollen, müsse sich etwas ändern, so Weise.

„Kassen stehen nicht über dem Recht. Wir sind gerade dabei, dem nachzugehen, wo sich Kassen nicht okay verhalten. Wenn Sie Tarif bezahlen, haben die Kassen das zu refinanzieren“, sagte Spahn und ergänzte: „Seit ein paar Monaten ziehen wir alle Register, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen, auch im Ansehen.“

Wie Landrat Thomas Fügmann (CDU), der sich für den Erhalt der Akutkrankenhäuser in Schleiz und Pößneck stark machte, sorgte sich Uta Eisentraut um die Zukunft ihrer Apotheke in Hirschberg, da es in der Stadt keine der einst zwei niedergelassenen Ärzte mehr gibt. „Apotheken dürfen nicht nur nach der Abgabe der Packung bezahlt werden. Wir müssen Dienstleistungen definieren und honorieren“, sagte Spahn, der aus einem 3700-Seelen-Dorf stamme, die Probleme kenne und angehen will.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.