Spielzeuge für Männer: Alt, aber nützlich

Pößneck/Oberoppurg.  Frank Schmidt und Michael Heintze aus dem Orlatal haben ein Faible für alte Fahrzeuge.

Frank Schmidt aus Oberoppurg (rechts) und Michael Heintze aus Ranis lassen es auf jeder Baustelle mit ihren Baumaschinen – wie dieser russischen Raupe von 1966 – krachen.

Frank Schmidt aus Oberoppurg (rechts) und Michael Heintze aus Ranis lassen es auf jeder Baustelle mit ihren Baumaschinen – wie dieser russischen Raupe von 1966 – krachen.

Foto: Marcus Cislak

„Not macht erfinderisch“, sagt der 51-jährige Frank Schmidt aus Oberoppurg. Er und sein Kumpel Michael Heintze sind selbstständige Bauunternehmer und schrauben gern an alter Technik herum.

Während neue Baumaschinen für Ein-Mann-Betriebe ziemlich teuer sind, tüfteln sie lieber an gebrauchten, deutlich günstigeren Gefährten herum. Diese hören auf kernige Namen wie W50, T174, Tatra T148 oder Raupe T100M. Und das Beste: Sie verrichten ihren Dienst. Netter Nebeneffekt: Sie sind der Hingucker auf jeder Baustelle.

Die ziemlich unkaputtbare Technik ist robust, auch nach vielen Jahrzehnten noch. Obwohl der Werkzeugkoffer regelmäßig zum Einsatz kommt, der ständige Begleiter ist stets griffbereit. „Während der eine arbeitet, schraubt der andere“, sagt Heintze lachend und mit einem Augenzwinkern zu seinem Kumpel. Beide baggern derzeit in der Neustädter Straße und dem Wernburger Weg in Pößneck. Schmidt hat dort mit seiner russischen Raupe, Baujahr 1966, schon dutzende Tonnen Erde bewegt.

Wenn er seine 108 PS starke Maschine anwirft, dauert es einen Moment, bis er sie zum Laufen bringt. Ein wenig Fingerspitzengefühl ist notwendig. Dann ein kleines Stoßgebet. Dann hustet die Maschine. Dunkler Rauch steigt empor. Und los geht es. Mehrere Hebel steuern das Gefährt. Handarbeit ohne Elektronik und darum auch schnell reparierbar. „Ein Spielzeug für Männer“, sagt der 51-Jährige grinsend.

Mit dem Tieflader abgeholt

Und dann beginnt der 51-Jährige zu erzählen: „Ich hatte vorher das gleiche Modell, aber wegen eines Motorschadens habe ich sie abgegeben. Im August habe ich mir diese Raupe bei Ebay-Kleinanzeigen gekauft.“

Ein Mann aus dem nordthüringischen Artern habe sie verkauft, die habe dessen Vater gehört. Er wollte sie loswerden. Schmidt griff zu. Mit einem Tieflader habe er sie abholen lassen. „Ein paar Schrauben waren locker, aber ansonsten bin ich zufrieden“, sagt er.

Was schätzt er daran? „Dass es funktioniert. Sie ist robust“ und „der Sound! Definitiv der Sound!“ Klar habe die Raupe weniger Pferdestärken als heutige Baumaschinen, die Kraft käme eher durch das Drehmoment zustande. „Aber das reicht schon aus“, sagt er und schiebt mit dem Schild Erde zusammen.

Dann pausiert er. Und seine Augen fangen an zu leuchten, als er von weiteren, ziemlich nützlichen Fahrzeugen aus seiner Sammlung erzählt.

Ein anderes Gefährt aus seinem Fuhrpark war auch kürzlich in Pößneck zu entdecken: Ein restaurierter Kran. „Tatra T148 mit einem Kranaufbau CKD AD20“, wie er sagt. „Der Ausleger ist 22 Meter lang, mit zusätzlicher Klappspitze.“ Vor fünf Jahren habe er dieses osteuropäische Gefährt im tschechischen Pilsen gekauft. „Baujahr 1979“, sagt er. „Ich hatte erst einen AD 125 aus DDR-Zeiten.“

Warum hat er ihn ersetzt? „Der Ausleger war zu kurz“, sagt er mit verschmitztem Grinsen. Beide Männer lachen.

„Das sind meine Babys“

Schmidt habe damals eine Probefahrt mit dem Tatra gemacht und sich direkt in ihn verliebt. In seiner Fahrzeughalle in Oberoppurg hat er den Kran mit Hilfe von Bekannten über einen Zeitraum von drei Jahren restauriert. Aus dem schmucklosen Blechgrau haben sie ein tiefblau-schimmerndes Oldtimer-Schmuckstück gezaubert. Und es sieht nun aus wie neu.

„Das sind meine Babys“, sagt Schmidt über seine kleine, aber feine Sammlung an Nutzfahrzeugen. Es sei ein ziemlicher Aufwand, die Boliden zu pflegen, sagt er. Ob er seine Sammlung vergrößern will? „Nö. ich habe keinen Platz und eigentlich auch keine Zeit. Das reicht.“

Obwohl. Sein 32-jähriger Kumpel Michael Heintze aus Ranis sieht das ein wenig anders: „Hättest du eine größere Scheune, würde da mehr drin stehen.“ „Vermutlich“, antwortet Schmidt. „Du hast wenige große Maschinen, ich viele kleine“, sagt Heintze. Und gibt zu, dass er vier Trabis, drei Traktoren und mehr als 20 Mopeds hat. Beide lachen und widmen sich wieder ihrer Arbeit.