Kommunales / Verkehr

Stadt Pößneck schiebt weiterer Abkürzung einen Riegel vor

Pößneck.  Die Hintergründe des Durchfahrtverbotsschildes am unteren Ende des Stengelstales.

An der Einmündung des Stengelstal in die Waldstraße droht Anwohner Bruno Goller (l.) mit der Springerpresse, Rita und Wolfgang Heintz, ebenfalls Anwohner, sowie Bauamtsmitarbeiter Lutz Wagner (r.) hören interessiert zu.

An der Einmündung des Stengelstal in die Waldstraße droht Anwohner Bruno Goller (l.) mit der Springerpresse, Rita und Wolfgang Heintz, ebenfalls Anwohner, sowie Bauamtsmitarbeiter Lutz Wagner (r.) hören interessiert zu.

Foto: Marius Koity / OTZ

In die Straße Im Stengelstal in Pößneck-Nord darf man nur noch von der Orlamünder Straße einfahren. Am unteren Ende des Weges, in der Waldstraße, steht seit dem 28. Oktober das umgangssprachlich als „Durchfahrt verboten“ bekannte Schild.

„Was soll das?“, fragte ein Leser in der OTZ-Lokalredaktion. Im Technischen Ausschuss des Pößnecker Stadtrates hatte man sich auch schon über diese Neuregelung gewundert.

„Wir haben die Verkehrsführung geändert, um dem regen Durchgangsverkehr auf dieser beliebten Abkürzung zwischen nördlichen Wohnquartieren einen Riegel vorzuschieben, und das aus mehreren Gründen“, erläuterte Lutz Wagner aus dem städtischen Bauamt.

So sei die schmale, insgesamt etwa 750 Meter lange Piste nicht dafür ausgelegt, ständig befahren zu werden, schon gar nicht von Transportern aller Art und Lkw, die im Gegenverkehr nicht aneinander vorbei kommen. Dann sei der zu DDR-Zeiten – wohl von den Anliegern mit damaligen Mitteln – grob asphaltierte Straßenabschnitt vielerorts rissig oder löchrig, der Substanzverlust mit dem entsprechenden Verkehrssicherheitsrisiko schreite sehenden Auges fort. Die unteren 250 Meter des Stengelstals seien praktisch ein Feldweg, den die Stadt auf dem schlimmsten Stück erst im August wieder mit Asphaltfräsgut stabilisiert habe, und diese mehr als 3000 Euro teure Reparatur müsse halbwegs geschützt werden.

Schließlich hätten sich alle Jahre wieder Anlieger im Sommer wegen des Staubs und in den feuchteren Jahreszeiten wegen des Drecks beschwert.

Mit der neuen Regelung werde all diesen Belangen Rechnung getragen.

Gerade die Anlieger des Stengelstals hätten keine Nachteile. Sie könnten ihre Grundstücke nach wie vor in beide Richtungen verlassen und würden von der Verkehrsberuhigung profitieren.

Bruno Goller, der an der Einmündung des Stengelstals in die Waldstraße wohnt, bestätigte, dass sich der Verkehr seit der Neuregelung halbiert habe. Allerdings gebe es „noch viele Arschlöcher“, so der Rentner wörtlich, die das Durchfahrtverbotsschild ignorieren würden. Es würde sich lohnen, wenn Ordnungshüter hinter der großen Kurve bergauf in Stellung gehen würden, am besten gleich mit einem Geschwindigkeitsmesser, denn an das vorgeschriebene Tempo-20-Limit halte sich keiner. Alternativ empfahl Goller eine Wildkamera. Ihm sei klar, sagte er, dass auf die Stadt Druck mit dem Ziel ausgeübt werde, das Durchfahrtverbotsschild wieder wegzumachen. So wurde Wagner vom diskussionsfreudigen Rentner während des Vor-Ort-Termins mit dieser Zeitung immer wieder die Devise „Keine Kompromisse!“ eingeschärft. Sollte die Stadt einknicken, dann gehe er „an die Springerpresse“, sagte Goller.

Ganz anderer Meinung waren während der spontanen Diskussion in der Waldstraße Rita und Wolfgang Heintz, die in der Mitte der Stengelstalstraße wohnen. Die Neuregelung sei „keine optimale Lösung“, finden sie. Um auf ihr Grundstück zu kommen, müsse die Familie mit ihrem Wohnmobil von unten kommen. Sie verwies auch darauf, dass Ortsfremde egal mit welcher Fahrzeuggröße von ihren Navigationssystemen auch von unten durchs Stengelstal geschickt werden. Besser wäre es, die Straße gründlich instandzusetzen.

Für eine Stadtrandstraße in einem wild bebauten Gebiet mit gerade mal elf Häusern komme das nicht in Frage, so Wagner mit Verweis aus stadtverwaltungsinterne Abwägungen. Im Falle eines Falles würde das Stengelstal mehr Geld kosten, als dem Bauamt jährlich für Straßenreparaturen in ganz Pößneck zur Verfügung stünden. Der Handlungsbedarf sei an anderen Stellen zwischen Schweinitz und Schlettwein einfach akuter.

Ähnlich heftige Diskussionen habe es auch bei der Einführung der „unechten Einbahnstraße“ im Schlettweiner Steig gegeben, heute rede keiner mehr darüber. Das werde in wenigen Wochen nach Wagners Überzeugung auch für das Stengelstal zutreffen.

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