Sturm „Sabine“ war weniger heftig als befürchtet

Pößneck.  Umgestürzte Bäume blockieren zeitweilig Straßen. Feuerwehren haben gut zu tun. Von Waldspaziergängen sollte man erst einmal absehen.

Sturm „Sabine“: Der erste Zug  vom Unteren Bahnhof in Pößneck in Richtung Jena fuhr am Montag gegen 9.20 Uhr ab.

Sturm „Sabine“: Der erste Zug vom Unteren Bahnhof in Pößneck in Richtung Jena fuhr am Montag gegen 9.20 Uhr ab.

Foto: Marcus Cislak

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Sturmtief „Sabine“ fegt derzeit über Deutschland hinweg. In einigen Landesteilen gibt es erhebliche Schäden. Die Bahn stellte bis in den Montagmorgen hinein den Fernverkehr ein.

Das Orlatal kam bislang „mit einem blauen Auge davon“, wie Sören Sterzik, Leiter des Forstamtes Neustadt, am frühen Montagnachmittag die Lage zusammenfasste. Ans Aufatmen denken er und seine Mitarbeiter allerdings noch nicht.

„Der Sturm ist abgeflaut und wir schneiden Wege frei. Die Räume Lemnitz, Weira und Knau waren Schwerpunkte. Es sind einige Bäume und größere Äste abgeknickt“, weiß Sterzik. Es sei noch immer größere Vorsicht geboten. An vielen Orten liegen Stämme über den Forstwegen. Er empfiehlt, in den kommenden zwei Tagen die Wälder zu meiden, weil loses Astwerk und Nachbrüche jederzeit möglich sind. Bis zum Dienstagmittag könnten jederzeit noch Sturmböen auftauchen, welche gefährlich werden könnten. Er rechnet mit einem Verlust von 2000 bis 3000 Festmetern Holz im Forstamtsgebiet.

„Wir haben es aber noch nicht überstanden“, warnt Sterzik vor weiteren stürmischen Tagen bis in den März hinein. „Die Großwetterlage deutet das an. Es ist ungewöhnlich warm.“ Der große Temperaturunterschied zwischen den einzelnen Regionen, lassen immer wieder Stürme, schlimmstenfalls Orkane entstehen. Und sorgen unter anderem für abknickende Bäume und herabfallende Äste, wie auf der Landesstraße zwischen Moxa und dem Abzweig Bahren am Montagmorgen gegen 6 Uhr. Feuerwehrleute räumten unter Vollsperrung umgestürzte Bäume von der Straße.

Neustädter und Knauer Wehr unterwegs

Bereits am Sonntagabend wurde die Neustädter Feuerwehr zum ersten Einsatz wegen des Sturms gerufen. Gegen 19.45 Uhr rückten 16 Kameraden in die Pößnecker Straße 1 in Neustadt aus. Dort drohte es, dass sich Dachbleche auf eine Länge von etwa 15 Metern lösen, die es zu sichern galt.

Gegen Mitternacht ging der nächste Alarm ein. Dieses Mal waren die Ortsteilwachen Knau und Posen gefragt, die wegen umgestürzter Bäume in Richtung Bankschenke gerufen wurden. Die Feuerwehr Knau musste dann gegen 3 Uhr erneut ausrücken, da in der Nähe des vorherigen Einsatzortes erneut Bäume umgefallen waren und die Straße blockierten.

Zu Ende war die Nacht gegen 4 Uhr dann auch für Feuerwehrleute der Neustädter Wehr. Auf der Straße zwischen Linda und Köthnitz waren den heftigen Sturmböen wiederum Bäume zum Opfer gefallen. „Als wir vor Ort waren, hat sich herausgestellt, dass mehre Bäume über die Straße lagen. Gleichzeitig hat zu diesem Zeitpunkt starker Regen eingesetzt. Da die Gefahr sehr groß war, dass durch Wind und Regen weitere Bäume umstürzen, haben wir beschlossen, diese nicht wegzuräumen, sondern die Straße beidseitig zu sperren“, erklärt Marco Hain, amtierender Stadtbrandmeister von Neustadt. Am Montagvormittag wurden die Bäume dann durch die Thüringer Straßenwartungs- und Instandhaltungsgesellschaft entfernt und die Straße wieder freigegeben.

Von zwei Seiten zum Einsatzort

Auch am Montag blieben weitere Einsätze nicht aus. Gegen 10.30 Uhr beschäftigten Bäume, die auf Höhe der Sachsenburg die Straße blockierten, die Neustädter Wehr. „Wir haben beschlossen, von zwei Seiten an den Einsatzort zu fahren“, schildert Marco Hain. Während ein Fahrzeug vom Feuerwehrgerätehaus in der Rodaer Straße durch die Stadt in Richtung Wolfersdorf fuhr, machte sich ein weiteres über die Ortsverbindung von Molbitz nach Strößwitz auf den Weg. „Auf der Strecke sind wir auf weitere umgestürzte Bäume gestoßen, die wir von der Straße räumen mussten“, erklärt Marco Hain. Als man dann nach diesen Arbeiten schließlich zu den anderen Kameraden vorgestoßen war, hatten diese bereits die Straße zwischen Neustadt und Trockenborn-Wolfersdorf wieder frei geräumt.

„Währenddessen kamen auch noch andere Einsätze rein, die dann abgearbeitet wurden“, so der amtierende Stadtbrandmeister. Unter anderem musste die Neustädter Feuerwehr mit der Drehleiter zum Rittergut Knau anrücken, um am Dach Bitumenwellplatten zu sichern. Zudem waren erneut Bäume auf der Ortsverbindung zwischen Linda und Köthnitz auf die Straße gefallen. Die Ortsteilwache Knau wurde um 12.25 Uhr noch einmal in Richtung Plothen alarmiert. Auch dort blockierten Bäume die Straße. Diese hatten allerdings beim Eintreffen der Kameraden schon Dritte entfernt, sodass die Knauer Feuerwehrleute umkehren konnten. Der nächste Einsatz wartete allerdings bereits, denn in Richtung Bankschenke waren erneut Bäume umgestürzt. „Die Feuerwehr Neustadt wurde zu insgesamt neun Einsätzen gerufen, die Ortsteilwache Knau kam auf vier Einsätze, Posen auf einen Einsatz“, zog Marco Hain Bilanz.

Pößneck, Krölpa und Triptis kamen glimpflich davon

Relativ ruhig war es für die Freiwillige Feuerwehr in Triptis. Ortsbrandmeister Uwe Eitner teilte auf Nachfrage mit, dass man am Montagmittag zur Unterstützung ins benachbarte Schwarzbach (Landkreis Greiz) gerufen worden ist. „Gegen 11 Uhr waren wir vor Ort, weil ein umgestürzter Baum ein Wohnhaus gestriffen hat. Die dortigen Kameraden hatten die Lage unter Kontrolle und benötigten unsere Hilfe deshalb nicht.“

Ähnlich ruhig blieb es auch in der Einheitsgemeinde Krölpa. Bürgermeister Jonas Chudasch sagte, dass gegen Montagmittag zwischen Trannroda und Herschdorf ein Baum über der Straße lag, der schnell mithilfe der freiwilligen Feuerwehrleute entfernt werden konnte.

„Wir sind froh, dass es relativ ruhig im Bereich Pößneck blieb“, bilanziert der stellvertretende Ortsbrandmeister von Pößneck, Nico Schwenke, am Montagabend. Am Sonntag schnitten die Kameraden einen Baum von der Rudolf-Breitscheid-Straße und am Montagmittag unterstützten sie die Döbritzer Wehr beim Entfernen eines umliegenden Baums hinter der Bahnquerung. Neben einem glimpflich verlaufenen Wohnungsbrand um Mitternacht beschäftigte die Feuerwehrleute am Sonntagabend herabfallendes Glas aus dem Gebäude Breite Straße 15. Lose Fensterteile fielen aufgrund des Sturms auf die Straße. Am leerstehenden Gebäude nahmen sie mit der Drehleiter entsprechende Sicherungsmaßnahmen vor.

Flug verzögert, Züge fuhren später

Weil es auch flächendeckende Unwetterwarnungen in Deutschland gab, war es Fernreisenden nur schwer möglich zu reisen. Die Inhaberin des Reisebüros Traeger, Wena Zeitler, berichtete von wenig Sorgen unter ihren Kunden. Einzig ein Pärchen aus dem Orlatal sollte am Sonntagabend aus Singapur mit dem Flugzeug wieder gen München starten. „Mit knapp zehn Stunden Verspätung hob der Flieger heute Morgen um 6 Uhr ab“, berichtet sie. Sie stehe im Kontakt mit den Urlaubern und unterstütze sie beratend. Die Reiseveranstalter und die Fluglinien würden gut auf ungeplante Situation reagieren. „Extra dafür werden SMS-Systeme freigeschalten, die die Kunden regelmäßig informieren.“ Sie empfiehlt, in jedem Fall zum Flughafen zu fahren, solange der Flug nicht abgesagt sei.

Auf kürzere Wege wollten sich am Montagmorgen zugfahrende Pendler begeben. Fährt wochentags die Orlatalbahn in Richtung Jena bereits ab 5.22 Uhr ab Pößneck, verkehrte bis zum Eintreffen des ersten Schienenfahrzeugs gegen 9.15 Uhr keiner der Züge. „Ich warte seit einer Stunde hier, der vorherige sollte laut Bahn-App fahren, kam aber nicht“, meint Nils Manheller, der berufsbedingt täglich auf den Zug nach Jena angewiesen ist. Er nahm es locker, als er endlich gegen halb zehn in die Eisenbahn steigen konnte. Die Verspätung sei nicht weiter schlimm, sein Arbeitgeber habe Verständnis gezeigt. Und: „Das ist noch harmlos, ich habe im Ruhrpott gelebt, da wirken sich Zugausfälle sehr viel schlimmer auf den Öffentlichen Nahverkehr aus.“

Mit ihm und mehr als ein Dutzend andere wartete auch Karin Vogel auf den ersten Zug der Erfurter Bahn. Sie sie ist extra aus Remptendorf mit dem Auto zum unteren Bahnhof gefahren, um entspannt nach Jena zu einem Arzttermin fahren zu können. „Es ist jetzt nicht zu ändern, aber allemal besser als bei dem Sturm auf der Autobahn unterwegs zu sein“, gibt sie zu verstehen. Der Zugführer Thomas Weidermann entschuldigte sich für das einige Minuten spätere Ankommen mit den Worten: „Ich bin etwas langsamer und auf Sicht gefahren.“ Kurz angebunden fügt er hinzu: „Es war alles in Ordnung, die Strecke ist frei.“

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