Tag der deutschen Sprache in Schleiz: Bissige Auseinandersetzung mit Sprachverhunzungen

Schleiz.  Der Verein Deutsche Sprache hat in Schleiz den 20. Tag der deutschen Sprache gefeiert – an dem Ort, an dem Konrad Duden einst gewirkt hat.

Manfred Eckstein von der Schleizer Arbeitsgruppe  Dudenker als Dr. Konrad Duden mit zeitweise aufgesetztem Nasen-Mund-Schutz.

Manfred Eckstein von der Schleizer Arbeitsgruppe Dudenker als Dr. Konrad Duden mit zeitweise aufgesetztem Nasen-Mund-Schutz.

Foto: Marius Koity

Der weltweit aktive Verein Deutsche Sprache (VDS) mit Sitz in Dortmund hat am Samstag ganz bewusst in der Dudenstadt Schleiz den 20. Tag der deutschen Sprache gefeiert. Und diese Gelegenheit nutzte Festredner Josef Kraus für einen Aufruf zu einer gewissen Revolution.

„Machen Sie mit bei einer Revolte gegen sprachliche Verirrungen und gegen so manche Sprachgouvernanten!“, rief Kraus seinen Hörern in der Aula des Dr.-Konrad-Duden-Gymnasiums zu, in welche aus Infektionsschutzgründen nur etwas mehr als 70 teils weit gereiste Interessierte und ein Schoßhund eingelassen wurden.

„Sorgen wir dafür, dass unsere Sprache nicht noch weiter zerschreddert wird!“, appellierte der pensionierte bayerische Oberstudiendirektor, ehemalige langjährige Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, zeitweilige CDU-Schattenkultusminister in Hessen und konservative Publizist.

Bildungssystem macht aus den Digital Natives digitale Naivlinge

Für die deutsche Sprache einzutreten, sei eine „patriotische Selbstverständlichkeit“, die nichts mit Nationalismus zu tun habe, so Kraus. Er fragte sich, warum Österreich und andere Länder Deutsch als Staatssprache in ihren Verfassungen verankern können, ausgerechnet Deutschland aber nicht.

„Wir geben den Reichtum unserer Sprache preis, wenn wir sie einer anderen Sprache unterwerfen“, postulierte Kraus und fragte sich, warum wir Begriffe wie Jobcenter, Bratwurst-Corner oder Kids brauchen. Der Pädagoge machte seinem Ärger Luft, dass sich nicht einmal Bildungsministerien zu schade seien, um von Soft Skills zu reden.

Durch die Kürzung des Deutschunterrichts in der Grundschule etwa zugunsten von Frühenglisch mache das Bildungssystem aus den Digital Natives nur digitale Naivlinge.

Briten würden das von den Deutschen erfundene Englisch kaum nachvollziehen, erinnerte Kraus mit dem kapitalen Beispiel Public Viewing, das bei uns für eine öffentliche Spaßveranstaltung, im Englischen für die öffentliche Leichenschau steht.

Der Shootingstar sei nur bei den Deutschen ein Senkrechtstarter, originalsprachlich hingegen ein verglühender Himmelskörper. Für Tausende Anglizismen und Pseudoanglizismen gebe es gute deutsche Begriffe, man müsse nur den Mut haben, diese auch zu benutzen.

Josef Kraus rechnete mit einer ganzen Reihe von Erscheinungen ab, unter anderem mit den „Sprachdiktaten“ der politischen Korrektheit. Ein besonderes Anliegen des VDS wie des Festredners schien allerdings der geharnischte Widerspruch gegen die „Gender-Ideologie“ in all ihren Erscheinungen – Binnen-I und Gender-Stern, Unter- und Schrägstrich, zwanghafte Geschlechtsneutralität.

Kraus wunderte sich, dass sich der Wissenschaftsstandort Deutschland 212 Professuren für die „Erforschung des Gender-Irrsinns“, aber nur 190 für Pharmazie leisten könne. Und angesichts von Begriffsschöpfungen wie Backendenhandwerk oder Fußgehendenbrücke fragte er sich, welche geschlechtergerechte Konstruktion für Bankräuber anstehe und ob man die Muttermilch künftig Elternmilch nennen werde.

Schleizer sind so sprachkonservativwie die meisten Deutschen

Seine denkwürdigen wie unterhaltsamen, mit entsprechendem Beifall bedachten Ausführungen schloss Kraus mit der Feststellung, dass die Mehrheit der Bundesbürger „an Sprachmanipulationen mit dem Ziel einer sprachlichen Neutralisierung von Männern und Frauen nicht interessiert“ sei. Das passte zu Feststellungen der Arbeitsgruppe Dudenker im Geschichts- und Heimatverein zu Schleiz, die Manfred Eckstein in einem der insgesamt fünf Grußworte des Festaktes anbrachte.

So habe eine „anonyme Stichprobenbefragung der Schleizer Kernstadtbewohner“ im vergangenen Jahr ergeben, dass die große Mehrheit kein Interesse am Gendern habe oder dieses für völlig falsch halte. Selbst die wenigen Befürworter könnten keinen Nutzen für die Gleichberechtigung von Mann und Frau erkennen. „Schleizer, ich gratuliere euch!“, rief Eckstein erfreut.