Teure oder Theure? Ein Berg mit einem rätselhaften Namen

Lausnitz bei Neustadt.  Wie heißt der in der Sanierung stehende Abschnitt der B 281 bei Lausnitz richtig?

Diese undatierte historische Aufnahme mit der Urheberangabe „Foto: Näder“ wohl aus der Zwischenkriegszeit zeigt die Herstellung des heutigen Bundesstraßenverlaufes unterhalb der Theure.

Diese undatierte historische Aufnahme mit der Urheberangabe „Foto: Näder“ wohl aus der Zwischenkriegszeit zeigt die Herstellung des heutigen Bundesstraßenverlaufes unterhalb der Theure.

Foto: Foto Näder, aus dem Archiv von Manfred Lange

Die Bundesstraßenbaustelle zwischen Lausnitz/N. und Kolba ist im Orlatal in aller Munde. Und wenn man eine Nachricht dazu bekommt, wird der kurvige Abschnitt der B 281 mal als Teure, mal als Theure beschrieben. Beide Schreibweisen haben es auch in die Zeitung geschafft. Wie schreibt sich die Flur aber richtig?

Es heißt Theure, teilt Manfred Lange aus Neustadt mit und verweist auf das 2011 erschienene Buch „Heimatkundliche Streifzüge durch das obere Orlagebiet“ mit ausgewählten Aufsätzen des Pädagogen und Forschers Helmut Pfannenschmidt (1921-1999). In dem Band 8 der Reihe „Beiträge zur Geschichte und Stadtkultur“ des Fördervereines für Stadtgeschichte Neustadt, den Günter Helmrich herausgebracht hatte, ist die Bezeichnung der Flur auf anderthalb Seiten auch erläutert. Erstveröffentlicht wurde Pfannenschmidts Text 1979 in der „Volkswacht“.

Pfannenschmidt zufolge wurde die Theure 1573 erstmals urkundlich erwähnt. Mitte des 17. Jahrhunderts tauchen in Kaufverträgen die Flurbezeichnungen Unter der Theuer und Auf der Theuer bei Neunhofen auf. Demnach steht die Theure für mehr als nur den Berg.

Ursprünglich führte die Straße direkt über den Berg

Der heutige Verlauf der B 281 entspricht nicht der ursprünglichen Wegführung durch dieses Gebiet, ist bei Pfannenschmidt weiter zu lesen. Einer gezeichneten Karte von 1823 sei zu entnehmen, dass die Fernverkehrsstraße einst „S-förmig den Höhenunterschied überwunden hat“. In alten Zeiten hat man wichtigere Ortsverbindungen quasi aus Verkehrssicherheitsgründen beziehungsweise wegen des festeren Bodens eher über Höhenzüge als durch sumpfige Niederungen – in diesem Fall jene der Orla – geführt, wenn es die Alternative eines sogenannten Kammweges gab.

Und woher hat die Theure nun ihren Namen? Da sind wohl mehrere Erklärungen möglich.

Die Theure ist ein Teil der Zechsteinriffkette im Orlatal und zählt zur Reihe vor- und frühgeschichtlicher Siedlungsstätten in der Region, was durch archäologische Grabungen belegt sei. Der aus Schleiz stammende Regionalhistoriker Alexander Blöthner markiert die Theure im Band I seiner 2017 veröffentlichten „Sagenhaften Wanderungen im Saale-Orla-Raum“ zudem als mögliche Kultstätte, und Blöthner schreibt übrigens Teure, ohne h.

So könnte die Anhöhe von einer Generation zur nächsten als besonderer Platz überliefert worden sein. Im Mittelhochdeutschen, der hierzulande zwischen 1050 bis 1350 verwendeten Sprache, stand das Wort tuire für das, was wir heute wertvoll oder kostbar nennen. Das könnte sich letzten Endes, nach Sprach- und Bedeutungswandel, in Theure niedergeschlagen haben. Das gibt zumindest Pfannenschmidt zu verstehen. Blöthner hingegen sieht den sprachlichen Ursprung des Flurnamens im keltischen Wort tavros, welches unter anderem für ein Hochland stehe. Hiervon würde sich etwa auch der Teurich(s)berg bei Ranis ableiten.

Pfannenschmidt bietet – auf eine Veröffentlichung aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verweisend – eine weitere Erklärung an. Es könnten auch die Teuriochämen gewesen sein, die im Flurnamen verewigt sind. Dieser Volksstamm, der von Blöthner als „rätselhaft“ bezeichnet wird, soll vor Christus unter anderem auch im Landstrich zwischen Saalfeld und Neustadt gelebt haben und spätestens im ersten Jahrhundert nach Christus in den germanischen Hermunduren aufgegangen sein. Die wiederum werden mitunter als Ur-Thüringer bezeichnet, wofür es laut neuerer Forschung allerdings keine wissenschaftlichen Grundlagen gibt.