Tierisch viele Möglichkeiten auf dem Ziegenhof Neumannshof

Neumannshof  Auf dem Ziegenhof Neumannshof entsteht eine große Halle als Spiel- und Lernort

Der Rohbau für eine Mehrzweckhalle steht seit Kurzem. Sie soll als Verkaufsfläche, Unterstellplatz, Spiel- und Lernort ­genutzt werden.

Der Rohbau für eine Mehrzweckhalle steht seit Kurzem. Sie soll als Verkaufsfläche, Unterstellplatz, Spiel- und Lernort ­genutzt werden.

Foto: Marcus Cislak

Schon ein Jahrzehnt lang meckern große und kleine Ziegen auf dem Neumannshof. 110 Tiere leben hier und produzieren leckere Milch. Mit dem daraus selbst hergestellten Käse und dem Eis, die Familie ­Hatzel direkt vermarkten, hat sich der einst marode Hof zu einem beliebten Ausflugziel für die ganze Familie entwickelt.

Eine noch im Rohbau befindliche Mehrzweckhalle am Gebäudeensemble werde demnächst noch mehr Möglichkeiten bieten, der steigenden Nachfrage zu entsprechen. Klaus-Dieter Hatzel beauftragte den Bau eines Verkaufs-, Bildungs-, Spiel- und Lernortes. Insgesamt investiert er dafür 117.041,45 Euro. Die EU fördert dies – laut Leader-Gruppe des Saale-Orla-Kreises – mit 58.520,78 Euro. Der Bau begann am 19. August, Fertigteile wurden montiert und das Dach ist fertig. Derzeit lagert Heu und Stroh für die Ziegen im hinteren Gebäudeteil. Im kommenden Jahr soll der noch fehlende Fußboden verlegt werden.

„Wir werden mit der zwölf mal 30 Meter großen Halle ­wetterunabhängiger sein“, blickt der Unternehmer in die nahe Zukunft. Kindergärten und Schulen, Besuchergruppen, Übernachtungsgäste und Verkaufsstände haben genügend Platz, um sich fernab von feucht-kaltem Wetter aufzuhalten. „Hier kann nach Herzenslust ­gespielt, geshoppt und gelernt werden“, ergänzt er.

Schulklassen und Kindergärten aus der Region schauen beispielsweise öfter vorbei, um sich über seltene Nutztierarten zu informieren. Denn die von den Hatzels liebevoll gepflegten Thüringer Waldziegen sind ex­trem gefährdet und stehen auf der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen.

Sie sind robust und haben eine hohe Milchleistung. Die Muttertiere werden zweimal pro Tag gemolken. Das ist auch im Inneren der Mehrzweckhalle auf Tafeln zu lesen. Ebenso über die wechselvolle Geschichte des Neumannshofs. So liegen die Ursprünge des Objektes im Jahr 1919, als der damalige Pößnecker Schokoladenfabrikant und Jäger Julius Neumann ein Gebäude unweit der Saale errichten ließ.

Streuobstwiese als Ausgleich geplant

Nach der politischen Wende habe ein Investor versucht, ein Hotel einzurichten, erzählt Hatzel weiter. Doch es sollte nie dazu kommen, so dass das Anwesen zu verfallen drohte. Der gelernte Elektriker aus Gössitz erwarb schließlich das Gelände und kann seit 2012, neben der Ziegenzucht, zwei Ferienwohnungen anbieten. Regelmäßig stattfindende Feste, wie zu Himmelfahrt oder der Weihnachtsmarkt, locken nicht nur zahlreiche Gäste an, sondern auch regionale Händler. Auch wenn der Fußboden in der neuen Halle noch fehlt, könne sich Klaus-Dieter Hatzel gut vorstellen, dass sich am Samstag, 30. November, die regionalen Anbieter zum Adventsmarkt dort hinein stellen.

Für die neu bebaute Fläche werde die Familie Hatzel zeitnah Ausgleichspflanzungen vornehmen. Eine Streuobstwiese wird entstehen, darauf einigten sich der Bauherr und die Genehmigungsbehörden.

Wer sich für weitere Produkte aus der Umgebung interessiert, der kann den vom Regionalmanagement der Leader-Gruppe ausgearbeiteten Saale-Orla-Einkaufsführer nutzen. Dieser erreichte im November 2018 die Haushalte in der Saale-Orla-Region. Um viele Produzenten geballt zu erleben, kann man am kommenden Sonntag, 13. Oktober, an der Orangerie im Schlosspark Ebersdorf über den ersten Ebersdorfer Landmarkt spazieren.

Leader – was ist das?

Leader ist ein Maßnahmenprogramm der Europäischen Union, mit dem seit 1991 innovative Aktionen im ländlichen Raum gefördert werden.

Lokale Aktionsgruppen erarbeiten vor Ort Entwicklungskonzepte. Ziel ist es, die ländlichen Regionen Europas auf dem Weg zu einer eigenständigen Entwicklung zu unterstützen.

Weil es erfolgreich als Gemeinschaftsinitiative zwischen 1991 und 2005 lief, ist Leader seit 2006 als eigenständiger Schwerpunkt in die EU-Förderung aufgenommen worden.

Zu den Kommentaren