Umgehört: Pößnecker Kinder verbringen einen guten Teil der Woche am Handy

Pößneck  Im Schnitt zweieinhalb Stunden täglich nutzen junge Menschen ihr Smartphone. Wir haben gefragt: Wie sieht es in Pößneck aus?

Diese jungen Mountainbiker im Pößnecker Lutschgenpark nutzen ihre Smartphones auch tagtäglich für einige Stunden.

Diese jungen Mountainbiker im Pößnecker Lutschgenpark nutzen ihre Smartphones auch tagtäglich für einige Stunden.

Foto: Martin Lücke

Auf die Frage, wie oft sie auf ihr Handy schaue, sagt Sarah sofort: „Alle zwei Minuten.“ Die 15-Jährige sitzt mit Freunden in einer Ecke des Pößnecker Altstadtplatzes und schätzt, dass am Tag bestimmt vier Stunden Bildschirmzeit am Handy zusammenkommen. „Man muss immer erreichbar sein“, betont sie. Ihre Freunde nicken und schätzen ebenfalls, wie viel Zeit sie am Tag für Instagram, Snapchat und Whatsapp verwenden. Bei Johannes (17), Alia (15) und Nico (16) reicht die geschätzte Zeitspanne von einer oder zwei Stunden täglich bis etwa sechs Stunden. Whatsapp sei mittlerweile quasi die Standard-Nachrichten-Anwendung für den Austausch mit dem eigenen Umfeld, meint ­Johannes.

Mit aktuellen Smartphones hat der Nutzer eine Lösung zur Hand, mit der er ganz genau erfährt, wie viele Stunden er tagtäglich auf dem Taschengehirn herumtippt. So wird die Probe aufs Exempel möglich. Smartphones mit modernem Android-Betriebssystem haben in den Einstellungen die Funktion „Digitales Wohlbefinden“. Bei Apple-Geräten mit iOS-System heißt die Funktion „Bildschirmzeit“. Diese Anwendungen listen minutengenau auf, wie oft und wie viel Inhalte im Netz gelesen oder nachgeschlagen, soziale Netzwerke beobachtet oder Spiele gespielt werden.

Auf dem Skatepark im Lutschgenpark sind unterdessen einige junge Mountainbiker unterwegs, um an der frischen Luft ihrem bewegungsintensiven Hobby nachzugehen. Doch auch sie verbringen am Tag einige Zeit mit dem Smartphone. Einige von ihnen haben Telefone, die über die entsprechende Anwendung verfügen. Leanders (13) Telefon zeigt als Wochenwert 16 Stunden und 48 Minuten an. „Wohl eher 20 Stunden“, sagt er. Hier sei noch keine ganze Woche gezählt. Leander hatte gleich zu Beginn auf die Frage nach der Häufigkeit seiner Handynutzung schlicht geantwortet: „Zu viel.“ Ähnliche Werte auch bei Clemens (13). „16 Stunden“, sagt er nach dem Blick aufs Smartphone, rundet dann aber auch auf 20 auf. Richard (10) nennt 16 Stunden 31 Minuten und verweist auf die Nutzung des Foto-/Videodiensts Insta­gram, des Instant-Messenger-Diensts Snapchat, der Video-App TikTok oder eben von Whatsapp. Auch Videos auf Youtube spielen bei der Nutzung eine große Rolle. Der zehnjährige Colin sagt, er komme auf circa anderthalb Stunden Smartphone am Tag.

Einige Meter entfernt steht ­Nicole Walther und beobachtet Sohn Phil (7, noch kein Handy) auf seinem Rad. Er will ihr heute den Skatepark zeigen. Sie schätzt, auch zwischen anderthalb und zwei Stunden täglich aufs Handy zu schauen. „Ich bin im Schichtdienst. Wenn ich arbeite eher weniger, wenn ich frei habe vielleicht etwas mehr.“ Man könne das Digitale heute nicht ganz aus der Erziehung herauslassen, auch in den Schulen würde ja heute viel am Computer gemacht. „Aber es kommt ­darauf an, einen ausgewogenen Umgang zu finden“, hält sie fest. „Das ist schwer.“ Selbst viele Spielzeuge verfügten heute über eine App-Integration.

Zweieinhalb Stunden am Tag seien bei jüngeren Menschen heute Durchschnitt, heißt es im Digitalpodcast „Wird das was?“ auf www.zeit.de , in dem der ­Psychologe Christian Montag empfiehlt, Kindern erst ab 12 Jahren ein eigenes Smartphone zu geben. Vorher sollte man es eher nur mit den Kindern gemeinsam nutzen.

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