Vermächtnis einer Pößnecker Legende in Holz

Pößneck  Bildhauerschüler stellen bei Pharmachem in Pößneck-Ost fünfzehn Entwürfe für den künftigen städtischen Dr.-Eduard-Weißer-Preis vor

Julian Rahn mit seiner dynamisch wirkenden Holzskulptur.

Julian Rahn mit seiner dynamisch wirkenden Holzskulptur.

Foto: Marius Koity

Vor etwa drei Jahren stellte der Pharma-Unternehmer Ernst-J. Strätling in einem Gespräch mit dem Pößnecker Bürgermeister Michael Modde (parteilos) in den Raum, dass er einen Preis der Stadt Pößneck mit 1000 Euro pro Jahr dotieren würde. Die Auszeichnung sollte Leistungen Einzelner oder auch von Vereinen im sozialen Bereich würdigen. Mit seiner Initiative will sich der Eigen­tümer des Arzneimittelbetriebes Pharmachem aus Pößneck-Ost für die anderenorts so nicht erlebbare kommunale Unterstützung seiner Firma bedanken.

In einem nächsten Schritt einigte man sich, die Auszeichnung Dr.-Eduard-Weißer-Preis zu nennen. Eduard Weißer (1835-1910) war, zur Erinnerung, ein als Impf- und Armenarzt bekannter legendärer einheimischer Me­diziner, der sein Haus, das heutige Gebäude Oberer Graben 21, der Stadt vermacht hatte. Pößneck dankte ihm mit der Ehrenbürgerschaft und der Weißerstraße.

Im Foyer von Pharmachem wurde nun eine Ausstellung mit fünfzehn Entwürfen für die Gestalt der neuen Auszeichnung eröffnet. Demnächst sollen die Holz­figuren auch im Innenhof des Stadtmuseums präsentiert werden, teilte die Kulturamts­leiterin Julia Dünkel mit.

In einem noch nicht abschließend festgelegten Verfahren, möglicherweise in einer Mischung aus Abstimmung und Jury-Entscheidung, soll dann die Skulptur ermittelt werden, die künftig im Original als Dr.-Eduard-Weißer-Preis verliehen wird. Ernst-J. Strätling wünscht sich, dass die Auszeichnung in der Art eines Wanderpokals jährlich von einem Preisträger zum nächsten wechselt und im Rahmen des Stadtfestes überreicht wird – erstmals 2020.

Die fünfzehn Entwürfe stammen aus der Schnitzschule Empferts­hausen, einer staatlichen Ausbildungsstätte für Holzbildhauer von bundesweiter Bedeutung aus der thüringischen Rhön. Dort hatte Ernst-J. Strätling nachgefragt, ob man denn im Rahmen der Aus­bildung nicht einen Wettbewerb um eine handliche Figur für den Dr.-Eduard-Weißer-Preis veranstalten könnte.

Schnitzschulleiter Fred Rottenbach und Fachpraxislehrer Steffen Kranz gaben zu verstehen, dass sie über dieses Angebot sehr froh gewesen seien. Gerade wegen des sozialen Hintergrunds hätten sie sofort zugesagt, zumal solche Projekte nicht alltäglich seien. Die Schule habe sich zwar schon etwa an Krippenschnitzwettbewerben beteiligt, aber eine so komplexe Zusammenarbeit wie nun mit Pharmachem und der Stadt Pößneck sei neu gewesen.

Die Plastiken seien von Holzbildhauern des zweiten Lehrjahrs als Klassenarbeit gefertigt worden. Dass es so gut wie keine Vorgaben gegeben habe, sei ideal für die Kreativen gewesen. Nach Recherchen über Eduard Weißer seien auf dem langen Weg zur fertigen Skulptur ­Entwürfe skizziert, Modelle ­geformt, Ideen verworfen worden, erzählte Fred Rottenbach und stellte fest: „Für uns als Schule war der Prozess sehr wichtig.“ Steffen Kranz ergänzte: „Formen zu einem Menschen, über den uns nur wenig bekannt war, und zu seinem Wesen zu finden, war schon eine sehr interessante Aufgabe.“ Erst als die Figuren fertig waren, sei angesichts der vielen ansprechenden Arbeiten die Entscheidung getroffen worden, diese komplett in Pößneck zur Diskussion zu stellen.

Mehrere Arbeiten sind vom Bildnis Eduard Weißers mit Melonenhut inspiriert und zeigen ihn unter anderem auf Augen­höhe mit einem Kind, welchem er Trost spendet, als klassische Büste oder als Torso mit einem Knaben, welchem er Halt gibt. Das Motiv des Schutz und Wärme gebenden Weißerschen Mantels hat Julian Rahn in einer der eindrücklichsten Arbeiten der Empfertshausener Sammlung in Holz gehauen. Abstrakte Arbeiten runden die realistischen Darstellungen ab. Manche Besonderheit der Skulpturen versteht man erst durch die Erläuterung und so war es gut, dass die meisten Nachwuchskünstler ihre Arbeiten im Foyer von Pharmachem selbst vor­stellten. So wurde es klar, dass nichts zufällig und alles ein engagierter Versuch war, dem Werk Weißers ein möglichst würdiges Denkmal zu setzen.

Der ursprüngliche Plan lautete, drei der fünfzehn Entwürfe für den Dr.-Eduard-Weißer-Preis als die besten zu küren und mit einer kleinen finanziellen Anerkennung zu würdigen. Bürgermeister Michael Modde war allerdings so beeindruckt von den vielfältigen Herangehensweisen an das Thema („es ist schwer zu sagen, das ist es und das ist es nicht“), dass man sich neben der Ausstellung im Stadtmuseum noch überlegt, wie man der überraschend guten Gesamtleistung gerecht werden kann.

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