Zu wenige Bewerber: Volkssolidarität Pößneck stellt Lehrlinge aus Albanien ein

Pößneck.  Bei der Volkssolidarität Pößneck haben drei junge Frauen aus Albanien einen Ausbildungsvertrag unterschrieben und werden ab Herbst zu Altenpflegerinnen ausgebildet.

Volkssolidaritäts-Geschäftsführer Jürgen Zörcher von links mit Elia Dinoshi, Kristina Vako und Borjana Killo aus Albanien sowie Anika Kriegel (rechts) von Beck International Recruitment und Volkssolidaritäts-Personalleiterin Anke Ruß-Broders (im Hintergrund).

Volkssolidaritäts-Geschäftsführer Jürgen Zörcher von links mit Elia Dinoshi, Kristina Vako und Borjana Killo aus Albanien sowie Anika Kriegel (rechts) von Beck International Recruitment und Volkssolidaritäts-Personalleiterin Anke Ruß-Broders (im Hintergrund).

Foto: Marius Koity

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Im Gemurmel letzter Erläuterungen und Geblätter in umfangreichen Unterlagen vollzog sich am Donnerstagabend in der Geschäftsstelle der Volkssolidarität Pößneck so etwas wie ein historischer Akt. Drei junge Frauen aus Albanien unterschrieben nach und nach Verträge, wonach sie ab Herbst im Wohlfahrtsverband zu Pflegefachkräften ausgebildet werden.

Volkssolidaritäts-Geschäftsführer Jürgen Zörcher war zufrieden und Elia Dinoshi, Borjana Killo, Kristina Vako, seine künftigen Lehrlinge, erst recht. „Wir wollen hier arbeiten und hier leben“, sagte die Letztgenannte in gutem Deutsch. Jürgen Zörcher nickte, genau das wollte er hören.

Auf die Vertragsunterzeichnung hatten sowohl die jungen Frauen als auch die Volkssolidarität lange hingearbeitet. So haben die 18 bis 20 Jahre alten Albanerinnen aus der 20.000-Einwohner-Stadt Pogradec ein Jahr lang bei einer deutschen Stiftung in ihrer Heimat und auf eigene Kosten Deutsch gelernt. Nach einer Prüfung ist ihnen das Niveau B2 bescheinigt worden, das ist die vierthöchste unter insgesamt sechs Sprachkenntnisstufen für Ausländer.

Davon überzeugte sich Jürgen Zörcher vor ein paar Wochen in Bewerbungsgesprächen der drei jungen Frauen, die per Skype geführt wurden. In einem weiteren Schritt beziehungsweise in den vergangenen Tagen kam es zum persönlichen Kennenlernen.

In Pößneck sehr freundlich empfangen und viel erlebt

Die drei jungen Frauen testeten seit Sonntag in Pößneck nicht nur das Lehrlingswohnheim der Volkssolidarität, wo sie für die Dauer der Ausbildung leben werden, sie hospitierten auch im Pflegeheim, wo sie in verschiedene Tätigkeiten eingebunden wurden. Das war für beide Seiten wichtig, denn eine Pflege-Infrastruktur wie in Deutschland kenne man in Albanien nicht, es gebe auch keine Altenpflege-Ausbildung.

Wer kümmert sich denn dort um ältere Menschen? „Die Kinder“, lautete die Antwort.

Ihre Familien seien sehr stolz darauf, dass sie es zu einem Ausbildungsvertrag in Deutschland geschafft haben, versicherten Elia Dinoshi, Borjana Killo und Kristina Vako. Sie seien in Pößneck sehr freundlich aufgenommen worden und hätten hier viel erlebt, sagten sie. Vor dem am Samstag erfolgenden Heimflug hoffen sie, dass es in den nächsten Monaten auch mit Formalitäten wie Aufenthaltsgenehmigungen und der Anerkennung ihrer Schulabschlüsse klappt.

Hier lässt sich die Volkssolidarität Pößneck vom Personaldienstleister Beck International Recruitment aus Mainz helfen. Die Firma vermittelt seit 2015 junge Albaner beider Geschlechter zu einer Altenpflege-Ausbildung nach Mitteldeutschland. Was schon in Chemnitz und in Erfurt geklappt habe, soll nun auch in Pößneck entwickelt werden, gab Projektmanagerin Anika Kriegel zu verstehen. Die Dienstleistungen ihrer Firma bezahlt die Volkssolidarität.

Für Einheimische und Ausländer gleiche Recht und Pflichten

Nach jetzigem Stand werde der Wohlfahrtsverband im Herbst insgesamt elf neue Altenpflege-Azubis beschäftigen. Jürgen Zörcher betont: „Für die ausländischen Kräfte gelten dieselben Bedingungen, dieselben Rechte und Pflichten wie für die einheimischen.“

Die Volkssolidarität würde in diesem Bereich gern ein paar Lehrlinge mehr einstellen, es würden aber keine weiteren Bewerbungen vorliegen. „Bei unserem Bedarf bleibt uns gar nichts anderes übrig, als uns im Ausland umzusehen“, stellte Jürgen Zörcher fest.

Die Verpflichtung der Albanerinnen sei für die Volkssolidarität ein „viel größerer Gewinn“ als für die drei jungen Frauen selbst, war der Vorstandsvorsitzende Christian Herrgott überzeugt. Was nun gestartet wurde, sei ein Test, und wenn alles gut verlaufe, dann werde man sicher weitere junge Menschen aus Albanien oder anderen Ländern ausbilden.

Man werde nichts unversucht lassen, um das Projekt zum Erfolg zu führen, gab Jürgen Zörcher zu verstehen. So werde Volkssolidaritäts-Ausbilderin Judith Lauterbach im Laufe des Jahres nach Albanien fliegen, um vor Ort etwa die Lebensumstände ihrer künftigen Schützlinge kennenzulernen, damit Ausbildung und Integration nicht an kulturellen Missverständnissen scheitern können.

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