Vorsichtsmaßnahme wegen Coronavirus: Leitungswasser im Orlatal wird gechlort

Pößneck.  Im Gebiet des Zweckverbandes Wasser und Abwasser Orla Pößneck wird das Leitungswasser seit etwa zwei Wochen vorsorglich leicht gechlort.

Zweckverband Wasser Abwasser Orla: Abwassertechniker Christian Müller hat die Vorgänge in der Pößnecker Kläranlage im Blick und Griff.

Zweckverband Wasser Abwasser Orla: Abwassertechniker Christian Müller hat die Vorgänge in der Pößnecker Kläranlage im Blick und Griff.

Foto: Marius Koity

„Der Coronavirus lässt sich nachweislich nicht über das Trinkwasser verbreiten“, sagt Volkmar Göschka, Werkleiter des Zweckverbandes Wasser und Abwasser Orla mit Sitz in Pößneck. Dennoch werde dem Leitungswasser in der Region seit etwa zwei Wochen Chlor zugegeben. Alle aktuellen Infos im kostenlosen Corona-Liveblog

Es handele sich um 0,05 Milligramm Chlor pro Liter. Das sei eine freiwillige und rein vorsorgliche „Desinfektionsmaßnahme“, die mit dem Gesundheitsamt der Schleizer Kreisverwaltung abgestimmt sei, so Göschka. „Das ist noch keinem aufgefallen, weil man diese sehr geringe Menge weder schmecken noch riechen kann“, so der Werkleiter.

Der gesetzlich zulässige Grenzwert für das „meistkontrollierte Lebensmittel“, wie Göschka zu sagen pflegt, liege sechsmal höher, bei 3 Milligramm Chlor pro Liter Trinkwasser. An der Chlorung werde man wohl bis zum Ende der Corona-Krise beziehungsweise so lange der Vorrat reiche festhalten.

Keine Auffälligkeiten beim Wasserverbrauch

Sowohl die Wasserver- als auch die Abwasserentsorgung verlaufe „völlig normal“, versichert der Werkleiter. Die Corona-Pandemie schlage sich bisher weder in einem erhöhten Wasserverbrauch, noch in auffälligen Abwasserwerten nieder.

„Auch wenn jetzt mehr Desinfektionsmittel als vorher in der Kanalisation landen sollten – auf dem Weg in die Kläranlagen verdünnt sich das so sehr, dass wir das nicht merken“, so Göschka. „Wir sind in der Abwasseraufbereitung stabil unter allen Grenzwerten, wegen Corona mussten keinerlei Eingriffe in die Prozesse vorgenommen werden.“

Regenfälle hätten auf das Abwassersystem eine größere Wirkung als das regelmäßige Händewaschen. Für die Orla und die anderen Bäche, in welche das geklärte Nass abgeleitet wird, bestehe keinerlei Gefahr.

„Wir sind ja ein Lebensmittelbetrieb und müssen daher ständig auf Fälle, wie wir sie jetzt erleben, vorbereitet sein“, sagt Göschka. „Seuchenhygienisch relevante Maßnahmen treffen wir ständig“, erklärt der Werkleiter.

Es müsse keiner befürchten, dass kein Wasser mehr aus der Leitung kommt. Im allerschlimmsten Fall, dass der Zweckverband Orla nicht mehr vom Fernwasserzweckverband versorgt werden kann, reichen die eigenen Reserven und jene des Trinkwasserlieferanten für bis zu 72 Stunden, also drei Tage. Aber von solchen Eventualitäten sei man doch bei nüchterner Betrachtung weit entfernt, findet Göschka.

„Wir sind für alle Fälle gerüstet“, versichert auch der Neustädter Bürgermeister Ralf Weiße (BfN) in seiner Eigenschaft als Vorsitzender und damit politischer Kopf des Zweckverbandes. „Es muss keiner Wasser hamstern. Auch im Zweckverband ist natürlich ein Krisenstab gebildet worden und hier setzt man sich mit den auftretenden Situationen so auseinander, dass die Versorgungssicherheit für die Bürger jederzeit gewährleistet werden kann.“

Fäkalschlammabfuhr wird aufrechterhalten

Um die Mitarbeiter keinen unnötigen Infektionsgefahren auszusetzen, sei beispielsweise bis auf weiteres der Wasserzählerwechsel und die Wartung der Kleinkläranlagen eingestellt worden. Insgesamt habe man alle Aufgaben auf kleine Teams verteilt und diese sowohl räumlich als auch zeitlich getrennt, damit in einem Erkrankungsfall so wenige Mitarbeiter wie möglich von Quarantäneanordnungen betroffen sind.

Die Fäkalschlammabfuhr werde aufrechterhalten, so lange der entsprechende Subunternehmer seine Fahrer losschicken könne und dürfe. Etwaige Rohrbrüche wie zurzeit einer im Bereich Am Teichrasen in Pößneck behebe man routinemäßig.

Die Arbeit auf den verbandseigenen Baustellen soll in Abhängigkeit der Kapazitäten in den verpflichteten Baubetrieben so normal wie möglich weitergeführt werden. „Das Leben muss ja weiter gehen“, resümiert Volkmar Göschka, der gerade die wohl letzte große Herausforderung seiner langen Laufbahn im Zweckverband Wasser und Abwasser Orla managt.