Wenn in Pößneck Nachbarn wegen Fallobst streiten, ist manchmal die Schiedsstelle gefragt

Marius Koity
| Lesedauer: 2 Minuten
Für die Schiedsstellen in Thüringen, auch für jene in Pößneck, sind Ehrenamtliche noch gefragt

Für die Schiedsstellen in Thüringen, auch für jene in Pößneck, sind Ehrenamtliche noch gefragt

Foto: Jens Wolf / dpa / Symbolfoto

Pößneck.  Thüringenweit wird die Wahl neuer Schiedsfrauen oder -männer vorbereitet. In Pößneck gibt es allerdings nur einen Bewerber.

Thüringenweit wird gerade eine Wahl vorbereitet, die kaum jemand wahrnimmt – jene der Schiedsfrauen oder -männer für die Jahre 2022 bis 2027. Bewerbungsschluss ist in wenigen Tagen, am 30. Juni. Wie sieht es in Pößneck eigentlich mit Bewerbern aus?

„Es gibt leider nur einen“, antwortet Hauptamtsleiter Andreas Blümel, an dessen Fachbereich die Schiedsstelle der Stadt Pößneck angegliedert ist. Schiedsmann Thomas Reich steht nach drei Wahlperioden für eine weitere zur Verfügung. Mindestens eine Stellvertretung wäre aber nicht schlecht.

Was macht eine Schiedsperson? „Schlichten und vermitteln. so dass Konfliktsituationen nicht vor Gericht landen“, antwortet Reich. Seit 2017 habe die Schiedsstelle drei bis sieben Fälle pro Jahr bearbeitet. In manchen sei es nur zur Darlegung der gesetzlicher Rahmenbedingungen gekommen, in anderen zu formellen Verhandlungen, mit oder ohne Erfolg. „Wir sprechen kein Recht“, sagt Reich. „Wir verhandeln bei Streitigkeiten zivilrechtlicher oder strafrechtlicher Art Lösungen für ein Problem. Einigen müssen sich die Leute schon selbst.“

Jede Menge Nachbarschaftsstreitigkeiten

Früher scheint in der Schiedsstelle mehr los gewesen zu sein, oder? „Ich weiß nicht, ob die Pößnecker jetzt weniger miteinander streiten oder aber gleich zum Anwalt laufen“, kommentiert Reich.

Auf seinem Tisch landen vor allem Nachbarschaftsstreitigkeiten. „Pflanzen sind ein großes Thema“, heißt es. „Mal sind Bäume zu hoch, mal stehen sie zu nah am Nachbargrundstück, so dass man sich dann wegen Fallobst oder Herbstlaub nicht mehr grün ist.“ Ruhestörungen und Ärger mit dem Vermieter, aber auch Beleidigungen und leichte Körperverletzungen, bei welchen eine ernst gemeinte Entschuldigung mit einer Wiedergutmachung ausreichen, müssen nicht unbedingt Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte beschäftigen.

„Es ist eine interessante Arbeit“, sagt Reich. „Wer das Ehrenamt einer Schiedsperson bekleiden will, sollte ein bisschen Lebenserfahrung und Verhandlungsgeschick mitbringen, ansonsten zuhören und in schwierigen Gesprächssituationen ruhig bleiben können.“ Fachliches Rüstzeug erhält man in Seminaren.

Nähere Informationen gibt es unter www.schiedsamt.de oder in der Stadtverwaltung Pößneck, Neustädter Straße 1, Telefon 03647/50 02 31.