Wie die Pößnecker Tafeln mit der steigenden Zahl Bedürftiger umgehen

Clara Weiland
| Lesedauer: 5 Minuten
Die ehrenamtliche Helferin Waltraudt Schmidt bei der Essensausgabe für Annett Hammerschmidt in der Tafel Pößneck.

Die ehrenamtliche Helferin Waltraudt Schmidt bei der Essensausgabe für Annett Hammerschmidt in der Tafel Pößneck.

Foto: Clara Weiland

Pößneck.  Neben Kriegsflüchtlingen und Senioren stehen immer öfter junge Leute um Lebensmittel an. Die Leiterin hat Angst vor dem Tag, an dem die Spenden nicht mehr ausreichen.

An der Tafel in der Saalfelder Straße in Pößneck stehen immer mehr Menschen um Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs an. Auch die Tafel der Volkssolidarität im Übergangswohnheim Am Teichrasen meldet, dass die Zahl Bedürftiger so hoch wie noch nie sei, auch wenn das nicht so auffällt wie im Zentrum.

Laut Carola Blumenstein, Leiterin des Übergangswohnheimes und damit auch der dortigen Tafel, seien die erhöhten Energie- und Mietkosten der Grund des Ansturms auf die Lebensmittelausgabestelle. Offenbar steige auch die Altersarmut. Ihrem Eindruck nach steige auch die Zahl der Hartz-IV-Empfänger.

Außerdem werden die Tafeln immer häufiger von Ukrainekriegsflüchtlingen aufgesucht. „Momentan sind etwa 80 Prozent der Bedürftigen Ukrainer, die Deutschen ziehen sich eher zurück“, berichtet Ina Wagner, Chefin der Tafel in der Saalfelder Straße. Derzeit seien es um die 70 Menschen, die dreimal pro Woche zu den Öffnungszeiten um Gemüse, Obst und andere Dinge anstehen. Wagners Kunden stammen nicht nur aus Pößneck, manche reisen auch extra aus Neustadt an, versichert sie.

Immer öfter stehen auch junge Leute um Lebensmittel an

Im Übergangswohnheim sehe die Verteilung der Hilfsbedürftigen laut Blumenstein ganz anders aus. „Bei uns sind nur etwa 20 Prozent der Leute Ukrainer. Die anderen Kunden sind Betreuer mit jüngeren Leuten, die sich arbeitslos melden mussten, und viele ältere Leute“, berichtet sie. Gerade die Zahl jüngerer Hilfsbedürftiger werde noch steigen, schätzt Blumenstein ein. Die Ukrainekriegsflüchtlinge würden meist samstags vorbeischauen – weil viele unter der Woche am Deutschunterricht teilnehmen oder Ausbildungen absolvieren würden.

Um etwas von Tafeln zu bekommen, müssen die Bedürftigen nachweisen, dass sie einen Anspruch auf soziale Hilfen haben. Und nicht alle dürfen mehrmals pro Woche Lebensmittel der Tafel beziehen. Darüber entscheide die momentane soziale Lage der Bedürftigen. „Immer mehr Leute, die Hartz IV beziehen, müssen in Zukunft einen Mehrbedarf beantragen, da das Geld nicht mehr ausreicht“, weiß Blumenstein aus Gesprächen mit den Betroffenen. Trotz allem habe das Übergangswohnheim bisher jeden versorgen können, der um Hilfe gebeten habe. Statt einer Person geben nun zwei Helfer die Lebensmittel der Tafel aus.

Blumenstein sieht allerdings ein großes Problem in der weiteren Versorgung mit Molkerei- und Fleischprodukten. Den Supermärkten sei es beispielsweise verboten, zwar abgelaufene, aber grundsätzlich noch genießbare Tiefkühlwaren an Tafeln herauszugeben, weshalb da ein Mangel herrsche. Auch Wagner sieht in diesem Punkt ein Problem. Ihre Tafel besitze zudem kein Kühlauto zur Abholung solcher Produkten. Auch könne man sich momentan nur einen Lieferwagen leisten. Mit diesem fahre man regelmäßig verschiedene Geschäfte ab, um meist kleinere Mengen an noch brauchbaren Lebensmitteln und andere Dinge zu bekommen.

Neben Lebensmitteln gibt die Tafel in der Saalfelder Straße auch Blumen, Bücher, Kinderspielzeug, Kleidungsstücke und Körperpflegeprodukte an Bedürftige ab. Diese können sich das Notwendige für den symbolischen Preis von zwei Euro mitnehmen. Neue Spender seien bei Ina Wagner und den insgesamt zwölf Ehrenamtlichen in der Saalfelder Straße jederzeit mit ihren Hilfsangeboten willkommen.

Angst vor dem Tag, an dem die Spenden nicht mehr ausreichen

Im Übergangswohnheim wurde der symbolische Preis auf drei Euro erhöht. Fahrer der Volkssolidarität holen bei regionalen Sponsoren wie Lidl oder Kaufland Nachschub für die Tafel ab. Auch die Tafelgärten der Kleingärtner liefern regelmäßig frisches saisonales Obst und Gemüse.

Mitunter würden Leute im Übergangswohnheim vorbei kommen, um etwa Bücher oder Kalender zu spenden. Solche Gaben werden in die Weihnachts- oder Osterbeutel gesteckt, so Blumenstein. Sie fürchte sich allerdings schon vor dem Tag, an dem die Spenden nicht mehr ausreichen. Denn die Zahl der Bedürftigen werde mit den Lebenshaltungskosten steigen. „Oft ist die Rente viel zu gering“, spricht sie etwa die Not älterer Menschen an.

Aus diesem Grund führe die Tafel der Volkssolidarität über den Landesverband Gespräche, um mehr Einrichtungen als Spender gewinnen zu können. Doch als Tafel könne man da nicht groß planen. Wie gut die Sponsoren aufgestellt sind, könne man nicht vorhersehen.

Carola Blumenstein appelliert allerdings auch an die Bedürftigen: „Die Tafeln sind kein Hauptversorger der Bevölkerung, wir sind lediglich Zuversorger“. Es sei nicht selbstverständlich, dass es die Tafeln gebe. Dafür sollte man auch mal dankbar sein.

Pößnecker Tafel, Saalfelder Straße 13, Pößneck,Telefon 0 36 47 / 50 59 02

Tafel im Übergangswohnheim der Volkssolidarität Pößneck,Am Teichrasen 70, Pößneck,Telefon 0 36 47 / 41 86 85.