Seminar in Bodelwitz: Wie man Obstbäume besser pflegt

Bodelwitz.  Volkshochschule Saale-Orla-Kreis bietet Seminarreihe an. Interesse an der Auftaktveranstaltung in Bodelwitz war sehr verhalten.

Ariane Viller (rechts) referiert zur Streuobstwiese. Leiterin der VHS Anja Haller, Wiebke Preußer, Geschäftsführerin Landschaftspflegeverband Obere Saale und Gast Lothar Patzer aus Birkenhügel hören gespannt zu.

Ariane Viller (rechts) referiert zur Streuobstwiese. Leiterin der VHS Anja Haller, Wiebke Preußer, Geschäftsführerin Landschaftspflegeverband Obere Saale und Gast Lothar Patzer aus Birkenhügel hören gespannt zu.

Foto: Marcus Cislak

„Man muss junge Obstbäume streng erziehen, wie Hunde“, sagt Baumwartin Ariane Viller zum Auftakt der Seminarreihe Streuobstwiese der Volkshochschule Saale-Orla-Kreis in Kooperation mit dem Streuobstnetzwerk Ostthüringen und dem Landschaftspflegeverband Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale. In Bodelwitz traf man sich am späten Donnerstagnachmittag, um grundlegendes Wissen zum Lebensraum, den Anbaumethoden und den erntefrischen Äpfeln selbst zu vermitteln.

Optimistisch für das Jahr 2021

Lothar Patzer hat auf seinem eigenen Grundstück vor Kurzem 27 Obstbäume anpflanzen lassen. Er hat sich zwar schon dazu belesen, verspricht sich aber noch mehr Hintergrundwissen. „Wie ich mich darum kümmern kann“, sagt der Fast-Rentner, der sich mit dem Obstbau ein neues Hobby gesucht hat. Er fragt sich, wie man sie richtig beschneidet. Jungbäume ziemlich viel und oft, wie Viller andeutet.

Äpfel verfaulen am Baum, sehr wenig sei dieses Jahr dran, wie Patzer bemerkt. Gab es 2018 eine Fülle an Obst, machte sich die Trockenheit im selben Jahr bei der 2019er Ernte extrem bemerkbar. „Es war ein schlechtes Jahr“, kommentiert die Baumwartin. 2020 sei ein wenig besser, aber auch nicht gut. Trotz vielerorts erfrorener Blüten in diesem Frühjahr, konnte man noch mal eine zweite Blüte im Juli beobachten. In Bodelwitz bietet sich ein augenscheinlich trauriges Bild: Weit und breit ist kein Apfel zu sehen. Man muss schon genau suchen und entdeckt zwei rote Äpfel an einem Baum. Ariane Viller urteilt: „Wenn man die krummen Bäume beguckt, merkt man keine wirkliche Pflege, junge Bäume wachsen zu langsam.“ Und doch ist sie vorsichtig optimistisch: „Es war dieses Jahr relativ feucht, nicht so warm, eine gute Grundlage für 2021.“

Die kostenfreien, monatlichen Streuobstwiesen-Veranstaltungen werden mit europäischen Fördergeldern finanziert – von der Aufzucht und Pflege bis zur Verwendung der leckeren Früchte, die an Einzelbäumen im eigenen Garten, Feld oder auf kommunalen Wiesen an Ortsrändern und Straßen wachsen. Das eigentliche Problem ist: Das Wissen um die Jahrhunderte alten Nahrungslieferanten ist zusehends verloren gegangen. Es sei an der Zeit, dem entgegenzusteuern

Im Streuobst stecke viel Potential, es sei deutlich besser als das Bio-Obst aus dem Supermarkt, ergänzt die Obstbaum-Expertin. Und das Allerbeste, es wächst direkt vor unserer Haustür.

Die knochigen, hochstämmigen Bäume, die locker über einhundert Jahre alt werden können, liefern nicht nur qualitativ hochwerte Äpfel, Birnen und Kirschen, sondern beeinflussen das Mikroklima, liefern Brennholz, schützen weidende Nutztiere vor Sonneneinstrahlung und Greifvögeln, beschatten Ackerflächen und das Laub als Futter für pflanzenfressende Haustiere. Blüten dienen den Insekten als Nahrung und bieten natürlich auch Lebensraum für diese. Doch die Kulturgewächse benötigen die richtige Pflege, um ihren primären Nutzen – die Obst-Ernte – für den Menschen zu optimieren.

Geschnittener Baum wie Rotweinglas

Der Altbestand breche langsam weg, verdorre, gehe kaputt. Habe man über Generationen hinweg beständig nachgepflanzt, begann vor etwa 60 Jahren ein Loch zu klaffen, meint Viller. Die Pflege ließ nach, man konzentrierte sich eher auf großflächige Plantagen.

Mit vielen Fördergeldern sind nach der Wende Streuobstwiesen entstanden, „der Ansatz ist wichtig und richtig“, dass sich jedoch nachhaltig darum gekümmert werde, sei vielerorts nicht zu beobachten. In Größenordnungen wurden „Steuergelder sinnlos verbrannt“, wie Baumwartin Viller angesäuert sagt. Vor wenigen Tagen sprach sie erst bei einem Treffen im zuständigen Thüringer Ministerium vor, weil man sich hohe Verluste an Streuobstgehölzen kaum erklären könne und dem entgegenwirken möchte.

Derzeit entstehe ein landesweit geltendes Konzept für Streuobstwiesen, informiert sie. Denn anhaltende Trockenheit, Pilzbefall und Käfer vernichten große Bestände. Doch das sei gar nicht so das Problem, findet Viller. Gesunde, kräftige Bäume würden das im gewissen Maße gut aushalten. Vielmehr gehe es darum, sich um die Kulturpflanzen regelmäßig zu kümmern. Und nicht über Jahrzehnte sich selbst zu überlassen sowie den Neubestand zu vernachlässigen. Denn dann bräuchte man sich nicht darüber zu wundern, dass sie absterben, Kronen abbrechen, kaum Ertrag liefern.

„Das Drumherum, wie Rasen, wird gut gepflegt, aber die Bäume selbst nicht“, beobachtet sie. Sie benötigen regelmäßige Bewässerung, Dünger, einen Schnitt.

Sie empfiehlt, frei stehende Jungbäume bis zum siebten Lebensjahr jährlich radikal zu kürzen, um die Kraft in wichtige Teile der Pflanze zu lenken: Die wenigen Äste und der Stamm sollen dick werden, damit das Bäumchen stabil wird, sich selbst tragen kann. Am besten in der laubfreien Zeit. „Der geschnittene Baum soll einem Rotweinglas gleichen“, beschreibt sie die Form. Und man dürfe keine Angst haben, zuviel wegzuschneiden.