Wie sich die letzte Videothek in Pößneck über Wasser hält

Pößneck.  Mandy Wöllner betreibt die einzige Videothek in Pößneck. Sie spricht über die schwierige Situation der Filmbranche, über einen verlorenen Kampf und Pornografie

Mandy Wöllner und ihr Filmparadies.

Mandy Wöllner und ihr Filmparadies.

Foto: Marcus Cislak

„Ich gebe nicht auf“, sagt die Herrin über etwa 23.000 Medienträger und Chefin der einzigen verbliebenen Videothek im Saale-Orla-Kreis, Mandy Wöllner. Die Pößneckerin ist leidenschaftliche Sammlerin und Filmfan. Stammkunden aus nah und fern besuchen das seit 30 Jahren existierende Geschäft in der Neustädter Straße, leihen Filme oder kaufen Videospiele. Treue Kunden wie Stefan Kästner verweilen gern in dem Archiv, einem Relikt vergangener Tage, möchte man fast meinen.

Kampf gegen Mediatheken und Film-Plattformen verloren

Denn viel Neues gibt die seit der Corona-Krise arg gebeutelten Kreativwirtschaft nicht her. Aktuelle Filme, die ständig verschoben werden, lieber auf Netflix, Amazon prime oder Disney plus veröffentlicht werden, sind nur noch sporadisch auf Trägermedien zu haben. „Es wird immer wieder nachgefragt, wir vertrösten immer wieder die Kunden“, sagt sie. Auch mit Werbeplakaten und Ähnlichem gehen die Verleiher-Firmen sehr stiefmütterlich um. Seit der beginnenden Corona-Krise ist vieles anders geworden. Der Kampf gegen die Mediatheken und Film-Plattformen im Internet ist längst verloren. Und so eroberte sich Wöllner auch seit einiger Zeit den Videospiele-Sektor.

Wenn gerade keiner sich im Geschäft aufhält, bastelt sie an gebrauchter Technik herum. Joysticks und Kabel, bereitet Videorekorder auf, säubert angekaufte Spiele. „Mich interessiert, wie es funktioniert“, sagt sie. Altehrwürdiges sei im Trend, viele erinnern sich an die früheren Tage. Entdecken scheinbar Verlorenes aus der Jugendzeit wieder. Oder blieben dabei, seit 15 Jahren: „Ich entspanne mit nach der Arbeit, zocke, bin fast wöchentlich da und kaufe gebrauchte Spiele“, sagt der 30-jährige Stefan Kästner aus Knau. Heute kaufte er Call of Duty, eine Kriegssimulation. Manchmal bringe er was mit, verkauft es Wöllner oder tauscht es gegen ein anderes Spiel aus, das er noch nicht hatte. „Sie ist die einzige in der Gegend“, sagt er. Andere Elektro-Geschäfte haben längst ihr Angebot reduziert. Hier findet er immer etwas, teilt seine Wünsche mit. Während seine Mutter zum samstäglichen Einkaufen um die Ecke ist, verbringt er lieber die Zeit im „Spieleparadies“, wie er die Videothek grinsend nennt.

Die Regale und Vitrinen sind nicht nur rappelvoll mit Videospielen, sondern auch mit Kinderfilmen und Actionklassikern, Liebe, Dramatik und Horror, natürlich auch mit Pornografie. Letzteres gehe immer, ein wichtiges Standbein, wie sie lachend sagt. Ältere Kunden sei das unübersichtliche Online-Angebot zu viel, unkomplizierter sei für das Klientel der Gang in die Videothek um die Ecke.

Freilich würde sie schwerlich allein davon leben können, gibt sie zu. Wenn ihrem Ehemann nicht das Haus gehören würde, sähe die Situation deutlich schlechter aus. Kunden gehen, neue kommen. Es sei nicht einfach, besonders jetzt nicht. „Corona hat auch was Gutes, der Kauf von DVD’s ist günstiger geworden.“ Selbst der Lockdown habe sie nicht aus Bahn geworfen. Natürlich sei es ein idealistisches, sehr persönliches Projekt, aber aufgeben gilt für sie nicht.

Einen Lieferservice habe sie etabliert gehabt, sogar über eine mobile Videothek wurde nachgedacht, falls der zweite Lockdown härter ausgefallen wäre. Ein Weg hätte sich gefunden. Denn das Geschäft besteht sei dem 13. März 1990 und soll noch weitere 30 Jahre in Pößneck zu finden sein. Weil: „Mein Leben ist die Videothek.“