Wo in Pößneck rohe Kräfte sinnlos walten

Pößneck  Die Geschichte hinter der Meldung: Mit großem Aufwand haben Unbekannte in Pößneck eine Rehraufe zerstört

Die Stützpfeiler der Dachkonstruktion der Rehraufe waren angesägt worden.

Die Stützpfeiler der Dachkonstruktion der Rehraufe waren angesägt worden.

Foto: Jörg Nitschke

Am Montagmittag hat sich in Pößneck eine fröhliche Runde aus Männern und Frauen in dem kleinen Park zwischen Shedhalle und Neustädter Straße niedergelassen. Es wird geraucht und Bier getrunken. Die sechs Leute genießen dort direkt an der Kotschau das milde Wetter und die launige Gesellschaft. Doch die Stimmung dreht sich abrupt, spricht man die Runde auf die freie Stelle an, auf der noch bis zum Wochenende eine hölzerne Sitzbank mit Dach und Tisch zum Erholen einlud. Denn diese im Volksmund auch „Rehraufe“ genannte Einrichtung ist am Samstag oder Sonntag von einem oder mehreren Unbekannten derart zielgerichtet beschädigt worden, dass Stadt und Polizei nur noch eine Lösung blieb: Der vollständige Abriss.

Insgesamt neun Stützpfeiler angesägt

Eine kurze Mitteilung der Polizei vom Montag verrät Details: Demnach sei die Polizei am Sonntagvormittag um 9.57 Uhr in den Park gerufen worden. „Vor Ort stellte sich heraus, dass unbekannte Täter im Tatzeitraum vom 5. Oktober, 13.30 Uhr, bis zur Mitteilungszeit insgesamt neun Stützpfeiler der Waldschenke angesägt hatten.“ Das Ordnungsamt der Stadt Pößneck wurde informiert und übernahm die Absicherung der beschädigten Sitzgelegenheit. Die Polizeiinspektion Saale-Orla ermittele nun wegen Sachbeschädigung, schließt die Polizeimeldung.

Nur noch vier Steinplatten im Boden zeugen am Montag von der Existenz der Rehraufe und die gesellige Truppe vor Ort hat nur Empörung und Unverständnis übrig für derartige Zerstörungswut. Jörg Nitschke etwa zückt sein Telefon und zeigt die Bilder, die er von dem zerstörten Objekt gemacht hat. „Wir haben am Sonntagvormittag die Polizei gerufen und waren hier, als die zusammen mit Leuten vom Bauhof die Sache untersucht haben“, sagt er.

Sie kämen dort am Sonntag zum Stammtisch zusammen, hätten die Rehraufe auch sonst oft genutzt, zum Skat spielen oder Würfeln. Es sei ein gemütlicher Ort und die Gruppe habe stets versucht, dort Ordnung zu halten, sagt er. Ein anderer aus der Gruppe, Silvio, meint, der Täter müsse einen scharfen Fuchsschwanz benutzt haben. Er sei Zimmermann und erkenne das an den Schnitten und den Spänen. „Eine Bügel­säge kann es nicht sein, die greift anders ein“, sagt er.

Auch im Bauamt der Stadt ist man sich der bisherigen Nutzung der Rehraufe durch die Gruppe bewusst. Die Leute seien dort gut aufgehoben und unauffällig gewesen, beschreibt Frank Bachmann, Fachbereichsleiter Bau und Stadtentwicklung, die Ausgangssituation vor der Zerstörung durch den oder die Täter. Das Ausmaß der Beschädigung sei auch für ihn neu: „So etwas kenne ich noch nicht. Rehraufen wurden schon umgeworfen oder das Dach beschädigt, aber, dass derart mit brutaler Gewalt vorgegangen wird, man muss es ja so nennen.“ Das sei analog zu der Beschädigung einer Marmorfigur am 24. oder 25. September ganz in der Nähe des neuerlichen Tatorts. Dabei waren der Skulptur „Drei Frauen“ von Anne-Katrin Altwein die Köpfe abgeschlagen worden.

„Der Täter muss ein geeignetes Werkzeug mit sich geführt haben und bewusst vorgegangen sein“, hieß es am 27. September in der OTZ. Ähnliches gilt wohl für die Zerstörung der Rehraufe, für die offenbar ebenfalls ein großer Aufwand betrieben wurde. „Ich verstehe nicht“, was der Verursacher damit erreichen will“, sagt Silvio aus der Gruppe, die sich am Montag nun um zwei unbedachte Bänke versammelt hat – direkt neben dem nun leeren Standort der Rehraufe.

Meine Meinung: Martin Lücke über Zerstörungswut und Sprache

Zeugen der Tat können sich bei der Polizei Saale-Orla melden. Telefon: 03663/43 10

Zu den Kommentaren