15 Monate auf Bewährung für Rudolstädter Geldwäscher

Rudolstadt  Gerichtsbericht: Schöffengericht bewertet umfassendes Geständnis als Signal des Ausstiegs aus kriminellem Milieu

Mit Baggern wie diesem sollte Drogengeld gewaschen werden.

Mit Baggern wie diesem sollte Drogengeld gewaschen werden.

Foto: Henry Trefz

Geldwäsche bei Summen in fünfstelliger Höhe, ein Betrugsvorwurf und weitere Straftaten, die Vorwürfe, die am Donnerstag im Saal 3 des Rudolstädter Amtsgerichts zur Sprache kamen, sind selbst für die Strafebene eines Schöffengerichts durchaus ungewöhnlich. Jürgen J.* (34) sonst Inhaber einer Bautenschutz- und Abrissfirma im Norden des Landkreises und dreifacher Vater kam zu dieser Verhandlungsrunde, die zugleich die erste des Schöffengerichts im Jahr 2021 war, aus der Justizvollzugsanstalt Hohenleuben. Und er ist auch sonst längst kein unbeschriebenes Blatt, die neun Einträge umfassende Sünderkartei beginnt vor einem Jahrzwölft.

Ende 2017 und Anfang 2018 kaufte Jürgen J. im großen Stil Baumaschinen, darunter am 18. Dezember 2017 einen Sattelschlepper für 11.500 Euro, am 3, Januar 2018 dann einen dazu passenden Auflieger für 14.000 Euro und unter Nutzung beider Geräte einen Langarm-Raupenbagger für 13.000 Euro. Am Ende der Liste steht Ende Mai 2018 noch ein Dachdeckerlift für 1450 Euro. Was zunächst wie eine übliche Geschäftstätigkeit aussieht, hatte jedoch einen anderen Hintergrund. Das Geld für diese Technik hatte er nicht selbst, sondern es war ihm für diesen Zweck von Benjamin B.* gegeben worden. Der ist das, was einen Schwerkriminellen nennen darf. Er sitzt gerade eine achtjährige Haftstrafe wegen bandenmäßigen Drogenhandels ab und steht in dieser Sache demnächst wieder vor dem Landgericht Gera. Einkünfte aus dem Drogenhandel sollten auf diese Weise gewaschen werden, der Angeklagte also die Technik nur erwerben, weil die Gründung von B.‘s eigener Firma noch nicht vollzogen war.

Vor dem Landgericht in Gera, wo dazu schon verhandelt wurde, bestritt der Angeklagte als Zeuge dies noch ausdrücklich, weswegen nun auch noch der Vorwurf unendlicher Falschaussage und versuchter Strafvereitelung hinzu kommt. Irgendwann in der Haftanstalt hat sich Jürgen J. dann doch entscheiden, reinen Tisch zu machen und zu bestätigen, was man allerdings auch ansatzweise schon aus Telefonüberwachungen wusste. Weil er sich damit auch der Rache seiner Mittäter und deren Handlanger aussetzt, werteten das Gericht und auch die Anwälte dies maximal mildernd. Er muss - bereits rechtskräftig - 15 Monate in Haft, falls er sich in den nächsten fünf Jahren der Bewährung etwas zuschulden kommen lässt.

*Namen geändert