35-Meter-Riesen bedrohen Pfad und Gleis im Schwarzatal

Schwarzmühle.  An der Steilhang-Waldkante zwischen Zirkel und Schwarzmühle sind Sicherheitsspezialisten vom Bodensee unterwegs.

Unter der Aufsicht von Ralf Attula (Forstamt, unten links) setzen Jan Steiert (rechts) und seine Kollegen der Firma Hochleitner Seilwinden und hochmoderne Forsttechnik ein.

Unter der Aufsicht von Ralf Attula (Forstamt, unten links) setzen Jan Steiert (rechts) und seine Kollegen der Firma Hochleitner Seilwinden und hochmoderne Forsttechnik ein.

Foto: Henry Trefz

Es war ein dramatischer Moment, als sich vor knapp einem Jahr eine etwa 35 Meter hohe Fichte mit Rotfäule plötzlich aus ihrer senkrechten Lage verabschiedete und auf das Gleis der Schwarzatalbahn sowie den hier direkt nebenan verlaufenden Panoramaweg stürzte. Wenig später kam ein Triebwagen und konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen.

„Alle waren froh, dass es bei einem, wenn auch fünfstelligen Sachschaden blieb und wir ganz besonders”, sagt Karsten Rose. Er leitet das Forstamt Gehren, zu dessen Bereich auch die Wälder im Schwarzatal gehören und der Landeswald direkt an der Strecke sogar im Eigentum. Diese Frage ist nicht ohne Bedeutung, denn der Riese stand, wie sich bei späterer genauer Vermessung ergeben sollte, genau auf der Grundstücksgrenze zwischen einem Bahn-Grundstück und dem Landeswald.

Aus diesem Unglück zu lernen, war die logische Konsequenz. Zwar machen sowohl der Thüringenforst, als auch die Bergbahn als Flächeneigentümer regelmäßig Baumschauen, wie Karsten Rose, aber auch Matthias Geist, technischer Leiter bei der Schwarzatalbahn, betonen, doch äußerlich lässt sich nicht jede Gefahr sicher erkennen.

Also fiel die Entscheidung, bei der nächsten Revisionspause auf etwa einem Kilometer Strecke die hohen Bäume, die bei einem Sturz Gleis oder Weg treffen könnten, zu entfernen. „Wir haben da eine Verkehrssicherungspflicht“, sagt Karsten Rose, dessen Amt bei dieser Aktion nicht wie zuletzt am Schwarzatal-Radweg bei den Orkan-Spuren von „Fabienne“ Landesfördermittel einsetzen kann.

Deutlich sechsstellig, so lässt er die Kosten für den Spezialeinsatz im Ungefähren, der nicht nur wegen der Steilhänge eine Herausforderung ist. Auch der Panoramaweg ist hier deutlich schmaler und musste stellenweise verbreitert werden. Dabei war, wie eine Abstimmung mit der Naturschutzbehörde ergab, auch Rücksicht auf Ameisenhaufen zu nehmen, was auch dadurch geschah, dass man auf die deutlich teurere Seilzugmethode zurückgreift.

Eine Folie für bessere Preise am Holzmarkt

Dass ausgerechnet in diesen Tagen das Wetter herrscht, das die Forstmänner sich monatelang ohne Unterbrechung wünschten, nämlich kalter Landregen, ficht die Arbeitenden vor Ort nicht an. Die ersten 200 Festmeter Holz liegen an diesem Regenmorgen schon auf einem Stapel. Um ihn herum eine Folie, denn das oft mannstarke Holz wird vorerst nicht verkauft, sondern in eine feste Folie gepackt. Unten herum kommt noch ein verstärkter Schutz, der Mäuse abhalten soll, die luftdichte Folie aufzuknabbern.

Die Hoffnung ist klar: Das wertvolle Holz soll dann auf den Markt, wenn die Erholung beim Holzpreis wieder etwas mehr Fahrt aufgenommen hat. Rund um den Stapel, der erst etwa ein Fünftel der Menge darstellt, die eingeschlagen wird, würden sich aktuell mehr Wildschweine als Wanderer wohlfühlen: Mindestens knöcheltief ist der Schlamm, den die Forsttechnik auf den Wegen hinterlassen hat.

Für Zweibeiner auf Schusters Rappen ist aktuell ohnehin das Gebiet gesperrt. Die Lebensgefahr ist nicht nur virtuell: Aus dem dichten Wald knackt, knirscht und kracht es an diesem Morgen im kurzen Abständen, bis wieder Motorsägen-Lärm die Stille zerreißt. Erst nach klarer Verständigung können sich Karsten Rose, Matthias Geist und Ralf Attula, der als Projektleiter vor Ort für das Forstamt den Ablauf begleitet, zu den Männern (und einer Frau) vorwagen.

Sie kommen aus Bodmann am Bodensee von der Firma Hochleitner und haben nicht nur ihre Erfahrung an Steilhängen mitgebracht, sondern auch eine rot lackierte Eigenentwicklun: ein gedrungenes Raupenfahrzeug ohne Fahrerhaus, dafür mit Fernsteuersystemen, blockiert den engen Pfad am Berghang.

„An ihm kann man Forsttechnik aller Art ankoppeln”, erklärt Teamchef Jan Steiert und zeigt auf das mächtige gelbe Rückeschild. Der Prototyp der Starkholz-Vorlieferraupe sei bereits sehr erfolgreich im Einsatz. Selbst im schwierigsten Gelände mit extremen Hangneigungen soll das Gerät so weiterentwickelt werden, dass es mit GPS-Koordinaten ausgerüstet vor allem Käferbäume im Wald ohne Gefahr für Menschen aus dem Wald bringen kann.

Viel Zeit hat Steiert nicht für Erklärungen, denn schon knacken die nächsten Bäume und wollen nach oben geholt werden. Noch bis 6. November ist deswegen auch der Weg gesperrt und extra eine Umleitung ausgeschildert. Auf dem Bahngleis stehen derweil Sicherungsposten im engen Kontakt mit den Spezialisten. Damit sich die Schrecksekunde vor einem Jahr nicht wiederholt.