Abfall-Zweckverband Zaso greift vorzeitig Gebühren-Reserve an

Pößneck.  Haushalt für 2020 mit geringfügigen Steigerungen beschlossen – Sparansätze kosten zunächst Geld

Die Grünschnitt-Deponie des Zaso in Catharinau soll auch für die nächsten zwei Jahre von der dortigen Agrargenossenschaft betrieben werden.

Die Grünschnitt-Deponie des Zaso in Catharinau soll auch für die nächsten zwei Jahre von der dortigen Agrargenossenschaft betrieben werden.

Foto: Heike Enzian

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Nach reichlich einer Stunde Sitzungszeit am Montagnachmittag kam er wieder, jener Punkt, der die Verbandsräte des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Saale-Orla (Zaso) vor gut einem Jahr in Zorn versetzt hatte: Ausgabensteigerungen zustimmen zu müssen, weil sonst bestimmte Leistungen zumindest zeitweise entfallen würden.

Diesmal ging es um Grünschnitt-Annahme für das Rudolstädter Gebiet, bislang durch die Agrargenossenschaft Catharinau betrieben. Der Vertrag läuft zum Jahresende aus, die Leistung wurde für zwei Jahre neu ausgeschrieben, Ende Oktober lagen zwei Angebote vor. Einmal zum Nettopreis von knapp 1,2 Millionen Euro, zweitens für 190.000 Euro vom bisherigen Betreiber und damit etwa 5,6 Prozent über dem bisherigen Preis – von der Zaso-Geschäftsleitung zur Annahme empfohlen. Was denn passiere, wenn die Verbandsräte nicht zustimmten, fragte Wolfgang Kleindienst (UBV). Dann, so Geschäftsleiter Paul Cichonski, finde mindestens über Monate im Rudolstädter Gebiet eben keine Grünschnitt-Annahme statt, die Anlieferer müssten in andere Orte fahren, längere Strecken in Kauf nehmen. Das werde sicherlich Unmut unter den Bürgern geben. „Also müssen wir zustimmen, egal, was man uns hier vorlegt“, konstatierte Kleindienst empört, der sich freilich von Arnfried Völlm (CDU) entgegen halten lassen musste, dass die Landwirtschaft schließlich auch Geld verdienen und also Preissteigerungen etwa für Diesel und Technik im Gebot kalkulieren müsse.

Zaso setzt auf mehr Eigenleistung

Wo aber bleiben denn nun die von der Zaso-Spitze versprochenen Einsparungen, um die nächste Gebührenanpassung wenigstens nicht wieder so derb wie in diesem Jahr ausfallen zu lassen? Cichonski nahm Kleindiensts Kritik auf. Der Annahmestellen-Betrieb sei genau so ein Punkt, wo der Zaso künftig mit einer Mischung aus Kommunalisierung und mehr Eigenleistung die Ausgaben senken wolle, erläuterte der Geschäftsleiter. Als Beispiel nannte er die für nächstes Jahr im Wirtschaftsplan vorgesehene Anschaffung eines eigenen Lkw samt Fahrer, der die bislang fremd vergebenen Transporte von täglich sechs bis zwölf Abfall-Containern vom Abfallbehandlungszentrum Wiewärthe in Pößneck gen Verbrennungsanlage TVS in Schwarza sowie Schlacken und Aschen in der Gegenrichtung erledigt. Laut Prognose im Wirtschaftsplan könnten damit rund 66.000 Euro jährlich gespart werden. Gegen die denkbare Anschaffung eines subventionierten Elektro-Lkws für den Zaso allerdings brachten sich Kleindienst und Werner Thomas (CDU) schon mal vorsorglich in Stellung. Das wäre „energie- und betriebswirtschaftlicher Nonsens“, meinte Thomas.

Als weitere Ansätze, um Kosten zu reduzieren, nannte Zaso-Finanzchef Rainer Siegmund die Einführung des sogenannten Ident-Systems, also mit Chips ausgestatteten Abfalltonnen, die ihren Leerungsbedarf selbst anzeigen und das heutige Banderolen-System überflüssig machen würden. Allerdings müsse man erst einmal Geld ausgeben, um hernach zu sparen: Rund 800.000 Euro gehen für die neuen Chip-Tonnen sowie entsprechende Funktechnik an den Fahrzeugen plus Datensystem drauf. Auch die bereits beschlossene Umstellung der Gebührenschuld vom Haushalt zum Grundstückseigentümer werde rund 200.000 Euro sparen, betonte Siegmund. Und handelte sich schon wieder Ärger mit mehreren Verbandsräten ein, die die Gebührenschuld-Umstellung keineswegs als beschlossen erinnerten und die entsprechende Passage im Sitzungsprotokoll für unrichtig hielten. Verbandsvorsitzender Michael Modde (parteilos) hatte spätestens an diesem Punkt keine Freude mehr an der Sitzungsleitung ausgerechnet an seinem Geburtstag, obwohl man schließlich doch Haushalt und Wirtschaftsplan für 2020 verabschiedete.

Personalaufwuchs um drei Stellen geplant

Der Zaso-Haushalt sieht für das nächste Jahr kaum dramatische Veränderungen vor. Im Wirtschaftsplan – also dem laufenden Betrieb – stehen geplanten Erträgen von rund 17,6 Millionen Euro Aufwendungen von etwa 17,3 Millionen Euro gegenüber, was unter dem Strich ein gegenüber 2019 leicht reduziertes Jahresergebnis von 321.000 Euro erwarten lässt. Allerdings kann das positive Ergebnis nur erzielt werden, weil den stark gesunkenen Erlösen aus der Altpapierverwertung und dem deutlich steigendem Aufwand für die Müll- und Schrottentsorgung mit einem vorzeitigen Griff in die Gebührenausgleichsrückstellung begegnet wird – was eine weitere Gebührenerhöhung ab 2022 noch wahrscheinlicher macht als ohnehin. Im Erfolgsplan enthalten ist eine Steigerung der Personalkosten um knapp 370.000 Euro, bedingt unter anderem durch die Schaffung von drei weiteren Planstellen. Diese umfassen den schon erwähnten eigenen Lkw-Fahrer, einen Mitarbeiter für die bessere Betreuung der Deponie-Waage sowie zur Annahme von Schadstoffen und Gefahrgut sowie einen Sachbearbeiter für die Einführung des Ident-Systems, wobei diese Stelle eine befristete wäre, wie Finanzchef Siegmund betonte.

Technik-Ausgaben wachsen

Der Vermögensplan wächst gegenüber diesem Jahr um etwa 1,2 Millionen auf dann rund 6,5 Millionen Euro. Die teuersten Ersatz- oder Neuanschaffungen betreffen das Ident- und Dokumentenmanagement-System (915.000 Euro), den schon benannten eventuellen E-Lkw samt Anhänger sowie einen Radlader (zusammen 615.000 €) am Abfallbehandlungszentrum Wiewärthe, einen Mobilbagger sowie eine Sprinkleranlage für die Müllumladestation (510.000 €) sowie Umbau und Einhausung der Abwasser-Vorreinigung an der mechanisch-biologischen Restabfall-Behandlungsanlage.

Immerhin eine frohe Botschaft konnte der Finanzchef verkünden: Die Erträge aus Wertpapieren und Zinsen von Festgeldanlagen sowie Darlehen steigen um rund 12.000 Euro, während die Zinsaufwendungen für Deponie-Nachsorge und Pensionen um fast den gleichen Betrag sinken – was allerdings die insgesamt steigenden Kosten längst nicht ausgleicht.

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