Allendorf fühlt sich politisch wohl im Rinnetal

Allendorf.  Mit dem Modell erfüllender Gemeinde hat sich mit Königsee eine konstruktive Partnerschaft auf Augenhöhe entwickelt

Die Bürgermeister Christian Bechmann und Marco Waschkowski blicken vom Aussichtspunkt Buche auf dem Heiligen Berg über Allendorf und Aschau rinnetalaufwärts nach Königsee.

Die Bürgermeister Christian Bechmann und Marco Waschkowski blicken vom Aussichtspunkt Buche auf dem Heiligen Berg über Allendorf und Aschau rinnetalaufwärts nach Königsee.

Foto: Henry Trefz

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Die laut letzter Erhebung gut 340 Seelen umfassende Gemeinde liegt am Südhang des Rinnetals. Wer auf die Landkarte schaut, für den ist das eine Binsenweisheit. Dass das kleine Dorf seine Verwaltung in der nahen Landstadt Königsee erledigen lässt, daher ebenso. Und doch ist es eine Neuigkeit. Denn bis vor 400 Tagen fuhren die Allendorfer zu ihrer Verwaltung noch ins benachbarte Schwarzatal. Wurde da also zuletzt nur ein Ausrutscher der Geschichte bereinigt?

Eigenständigkeit führte zu einem Vierteljahrhundert Schwarzatal-Orientierung

Wer dies verstehen will, muss in die frühen 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts zurückschauen, als die Kommunen noch mit dem Ende der Hauptamtlichkeit ihrer Bürgermeister konfrontiert waren. Aus den beiden Möglichkeiten, die sich anboten, nämlich unselbstständiger Ortsteil von Königsee zu werden oder die Verwaltung bei Erhalt der Eigenständigkeit mit dem unteren Schwarzatal zusammen zu organisieren, wählten die Allendorfer die letzte Option.

Und es wäre wohl auch so geblieben, hätte sich nicht 2017 die Debatte um den Druck zur kommunalen Fusion in Thüringen wieder verschärft. Nun, wo nur noch die Frage war, ob man sich der Flächenstadt Königsee oder der noch nie probierten Großgemeinde im Schwarzatal und seinen Höhen aufgehen wolle, kam die territoriale Option wieder ins Spiel. Und noch bevor die jüngeren Dramen in der alten Verwaltungsheimat Schwarzatal ihren Lauf nahmen, war für die Allendorfer die Sache klar: Sie nehmen das Angebot aus Königsee an. Nicht zur Eingemeindung diesmal, sondern zur Übernahme der Verwaltung.

Erfüllende Gemeine als unbefristete Vorstufe zur Fusion

Erfüllende Gemeinde nennt sich die Konstruktion und gilt unter Verwaltungsfachleuten als so etwas wie die Verlobung zwecks späterer Heirat-Verlobt bleiben kann man lange, wenn die Liebe hält - so könnte es sinngemäß auch Christian Bechmann sagen. Der erst 2010 nach Allendorf gezogene, gelernte Zimmermann und in der Stadtverwaltung Rudolstadt angestellte Familienvater trat 2019 an das Erbe der Dynastie seines über zwei Jahrzehnte regierenden Vorgängers Walther Oertel im Bürgermeisteramt an. Da traf sich gut, dass ungefähr zur gleichen Zeit ein Neuer im Sessel des Königseer Bürgermeister-Dienstzimmer Platz nahm.

Zwei Bürgermeister begegnen sich auf Augenhöhe

Längst duzen sich Marco Waschkowski und der zugezogene Neubürgermeister und das nicht nur, weil das unter Männern ihres Schlags nahe liegt. Die Chemie stimmt und so bleibt die Frage, wie wohl sich nach 400 Tagen Verwaltungswechsel Allendorf mit dem Verwaltungsdienstleister fühlt?“ Also, erstmal ist Königsee natürlich nicht nur Dienstleister für unsere Gemeinde, die ich ganz ausdrücklich Allendorf-Aschau nennen möchte, sondern Partner auf Augenhöhe”, sagt Christian Bechmann und sein Kompliment wirkt nicht einstudiert.

Doch tut er auch nicht so, als sei man verwaltungsseitig aus der Hölle in den Himmel aufgestiegen. Eher im Gegenteil: Sylvia Sternkopf, die aus Sitzendorf nach Königsee wechselte, blieb als routinierte Ansprechpartnerin, ein Glücksfall für Allendorf, ebenso wie Daniela Schwarz, die kompetent die Verwaltung des gemeindlichen Kindergartens managt. Dass er noch immer ohne externen Träger funktioniert. ist der ganze Stolz der Allendorfer.

Und obwohl es an Gewerbe im Dorf noch einen Hausmeisterbetrieb, eine CNC-Fräserei, einen Bandagenhersteller, Fliesenleger, Heizungsbauer und ja, noch immer eine Gaststätte mit rustikalem Charme gibt, weiß jeder, dass das Eigenständigkeitsglück Allendorfs einen Bergrücken weiter wohnt. Ohne die Gewerbesteuer von Platzhirsch Königsee-Implantate in Aschau wäre längst der Ofen aus. Das wissen beide Bürgermeister und lassen sich zugleich auch die Zeit, die es braucht, bis die Einheit vor der Tür steht und ohne Gram hereingebeten werden kann.

Dem Chaos im Schwarzatal knapp entronnen

Sorgen machen die beiden eher hinter dem Bergkamm aus. “Wer habe erwarten können, dass es solche Dramen im Schwarzatal gibt?” Trotzdem verkneifen sie sich jede Schadenfreude, sind aber auch ohne schlechtes Gewissen, dass man knapp diesen Tumulten in geordnete Gewässer entkam.

Das Modell erfüllender Gemeinde als Brücke zur späterer Fusion wollen die beiden nicht in den Himmel heben, es komme schon sehr auf den konkreten Einzelfall an, sagen sie beim grandiosen Rundblick von der Buche. Und mit der Aussicht auf die dunklen Wolken ein Tal weiter südwärts.

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