Aussichten von der Hotelterrasse in Schwarzmühle: Schwebende Schwellen

Schwarzatal.  Im kleinen Schwarzmühle investiert die Deutsche Bahn 120.000 Euro in einen neuen Bahnübergang

Bahn und Straße sind derzeit im Schwarzatal dort gesperrt, wo sie sich in Schwarzmühle treffen.

Bahn und Straße sind derzeit im Schwarzatal dort gesperrt, wo sie sich in Schwarzmühle treffen.

Foto: Henry Trefz

Viele Zuschauer hat das Spektakel an diesem Freitagmorgen nicht. Denn damit der Bahnübergang in Schwarzmühle erneuert werden kann, muss die Straße voll gesperrt werden, wieder eine von den viele Sperrungen, die in der Region sofort viele Kilometer-Umweg erzwingen, die durch die Sperrungen in Gehren (Ilmenau) die Straßen zusätzlich verstopfen.

Immerhin könnten Bahngäste zuschauen. Zwar gibt es einen Schienenersatzverkehr, die Kleinbusse können auch nicht über die Vollsperrung, doch gibt es auf beiden Seiten der Baustelle Ersatzhaltestellen und sogar einen extra für die Fußgänger angelegten Behelfsübergang ein paar Gleismeter weiter. Hier entlang können auch die Gäste des direkt am Bahnübergang liegenden Hotels „Waldfrieden“ von beiden Seiten anreisen. Und wenn sie nicht gerade wandernd unterwegs sind, bei den Mahlzeiten oder sogar vom Zimmerfenster aus die Baustelle von oben überblicken.

Schwerlastkran aus Saalfeld angefordert

Auf ihr tummeln sich die an den Bahnstrecken im Schwarzatal wohlbekannten Spezialisten der Baufirma TS Jena. Sie haben an diesem Freitag einen Schwerlastkran aus Saalfeld angefordert. Er soll fünf Segmente zu jeweils 4,4 Tonnen Gewicht genau dorthin verlegen, wo an Kreuzung von Gleis und Straße gerade nur noch eine feine Kiesschicht liegt.

Mit dem Handy eifrig als Beobachter dabei ist auch der 14-jährige Florian. Er lernt an der Kaleidoskop-Schule in Jena und hat sich als Praktikumsunternehmen die Bahn ausgesucht. Vor anderthalb Jahren, berichtet er, sei er von einem Freund als Train-Spotter begeistert worden. So nennen sich jene, die an Gleisen alles beobachten, was ihnen vor die Kamera kommt.

„Endlich mal ein Schüler, der auch interessiert ist“, lobt auch Matthias Geist, technischer Leiter bei der Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn (OBS). „Der Bahnübergang ist schon eine ganze Weile ein Problemkind“, erklärt er. Was nur der Fachmann sieht: hier geht ein Gleisbogen in einen entgegengesetzten über und das genau an dem Punkt, wo die Straße kreuzt. Das macht es zusätzlich schwierig. Weil auch die Straße von beiden Seiten her relativ steil an das Gleis heranführt, haben sich hier vor allem lange Laster gern einmal am Tank mit den Bewehrungseisen verhakt. Weil das Erdreich darunter nachgab, war Handeln geboten.

Gleisbauarbeiten gehen noch einige Tage weiter

Eine der Sorgen wird prinzipiell behoben. Die Gleislage wird so angepasst, dass die Bögen jeweils vor und nach dem Bahnübergang zu Ende sind, das Gleis also jetzt genau gerade liegt. Außerdem liegen nicht mehr Betonplatten auf einem klassischen Gleis sondern die massiven Elemente nehmen die Schienen auf, in etwa ähnlich den Feste-Fahrbahn-Systemen auf ICE-Strecken.

Zügig kommen die Männer an diesem Morgen voran, am Wochenende sollen auch die Anschlussgleisstücke neu verlegt werden, kann dann die in der Nähe wartende Stopfmaschine die benötigte Stabilität auch dort wiederherstellen, wo ein klassisches Schotterbett verlegt ist. Rund 120.000 Euro investiert die OBS hier. Stopfarbeiten und Schwellenwechsel werden die Männer noch während der Revisionspause Anfang November beschäftigen – auf der Flachstrecke, aber auch auf dem Teilstück der Bergbahn.